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Sexismus im Sport : Es geht um Kleidung, Aussehen und Anerkennung

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Sexismus im Sport ist noch immer stark ausgeprägt. Surferin Lena Kemna wehrt sich gegen die Fokussierung auf Äußeres und fordert mehr Anerkennung für sportliche Leistung.‎

Coffey Surferinnen
Im Surfsport (hier die Coffey-Geschwister aus Australien) ist Sexismus weit verbreitet.
Quelle: zdf

Große Surf-Modemarken haben lange ein typisches Bild des Surfer-Girls gezeichnet: braun gebrannt, top Figur, knapper Bikini. Surferin Lena Kemna wehrt sich gegen dieses Image. Denn Surferinnen seien vor allem auch Athletinnen.

Kemna ist oft die einzige Frau im Wasser

Bei hohen Wellen ist die 26-Jährige oft die einzige Frau im Wasser. Sie wird in der Szene häufig unterschätzt und bekommt für ihre Leistung weniger Respekt als ihre männlichen Kollegen. Sie hat nicht selten das Gefühl, sich entscheiden zu müssen, zwischen gemocht oder respektiert werden. Ein Zwiespalt, dem sich Männer kaum stellen müssen.

Durch Präsenz in den Sozialen Medien erfährt sie zunehmend Anerkennung.

  

Seitdem ich auf Instagram zeige, dass ich - auch bei Regen und Kälte - größere Wellen surfe, bin ich bekannter geworden und werde ich deutlich ernster genommen.
Lena Kemna
Surferin Lena Kemna surft auf Welle
Lena Kemna ist bei hohen Wellen oft die einzige Surferin.
Quelle: Lena Kemna

Kemna nutzt ihren Instagram-Kanal auch, um auf sexistische Missstände im Surfsport aufmerksam zu machen, zum Beispiel sexistische Werbekampagnen von Surfmarken. Sie erntet wütende Kommentare, hat aber auch das Gefühl, dass ihr mehr und mehr zugehört wird.

Geltende Klischees erschweren Anerkennung

Bis 2019 haben Surferinnen im Vergleich zu den Surfern nur einen Bruchteil des Preisgeldes erhalten. Bis 2014 gab es nicht einmal reine Surfwettbewerbe für Frauen.

Andere Sportarten wie Fußball oder Boxen gelten von vornherein als Männer-Domäne. Die Folgen für Frauen in diesen Sportarten sind: erschwerte Akzeptanz und wenig Anerkennung. Den Athletinnen wird aufgrund ihres Geschlechts weniger zugetraut, bereits ein Zeichen für Sexismus.

Auch das Aussehen von Sportlerinnen steht im Fokus

Zudem bedeute Sexismus auch "die Fokussierung auf das Aussehen von Frauen und auf deren Geschlechtsteile", so Gitta Axmann vom Institut für Sportsoziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Frau soll demnach nicht nur Leistung erbringen, sondern dabei auch noch gut aussehen. Allein die Wahl der Sportbekleidung wird nicht selten zum Politikum und in Medienberichten thematisiert.

Als Frauenboxen 2012 olympisch wurde, verlangte die International Boxing Association, dass die Athletinnen einen Minirock im Ring tragen. Erst als die mehrfache Weltmeisterin Katie Taylor drohte, deswegen nicht bei Olympia teilzunehmen, wurde die Auflage zurückgenommen.

Trikots als Arbeitskleidung

Röcke werden auch im Tennis getragen, noch knapper ist die Bekleidung in der Leichtathletik und im Beachvolleyball. Einen offiziellen Kleiderzwang gibt es dort nicht, auch Shorts und Tops sind erlaubt.

Knappe Outfits werden aber von manchen Athletinnen auch als Arbeitskleidung gewünscht. Beispiel Beachvolleyball: Als die Behörden von Katar Shirts und knielange Hosen für die Spielerinnen beim Turnier in Doha im März festgelegt hatten, verweigerten Katja Borger und Julia Sude ihre Teilnahme. Sie wollten sich ihre Kleidung nicht vorschreiben lassen. Die Regelung wurde daraufhin aufgehoben.

Vermarktung des Körpers zur Eigenwerbung

Manche Athletinnen nutzen ihren trainierten Körper zur Eigenwerbung für Sponsoren und beim Kampf um Follower - Sex sells. Sie modeln nebenbei wie Leichtathletin Alica Schmidt oder Surferin Ellie-Jean Coffey. Oder sie posieren wie Boxerin Regina Halmich oder die deutschen Fußballnationalspielerinnen im "Playboy".

Angefeuert wird Sexismus im Sport auch durch die Berichterstattung von Sportevents. Über Fotos auf Brusthöhe, Blicke unter den Rock oder in den Schritt fotografierte Bilder ärgern sich einer Umfrage des SWR zufolge 51 Prozent der befragten Sportlerinnen. Sie kritisieren die Fokussierung auf den weiblichen Körper.

Entwicklungen im Surfsport sind erkennbar

Im Surfsport habe sich schon viel getan, so Lena Kemna. Veränderungen hätten aber auch die Surferinnen selbst in der Hand: "Vor allem bei Anfängerinnen ist es wichtig, dass sie sich an die Regeln halten, und nicht auf Ausnahmen bestehen, weil sie ein Mädchen sind."

Man muss sich dadurch Respekt erarbeiten, sodass Frauen in der Surfszene Normalität werden.
Lena Kemna
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