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Vierschanzentournee - Ein Wettbewerb im Überlebensmodus

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Erstmals keine Zuschauer, weniger Einnahmen: Die 69. Vierschanzentournee ist anders als all ihre Vorgänger. Für Springer und Verbände ist sie trotzdem überlebenswichtig.

Skispringer über Innsbruck
Ohne Fans bei den Springen fehlen Verbänden und Athleten wichtige Einnahmen.
Quelle: dpa

Der sensationelle Vierschanzentournee-Auftaktsieg in seiner Heimat Oberstdorf hatte für Skispringer Karl Geiger nur einen Makel. "Es wäre wirklich perfekt gewesen, wenn Zuschauer dabei gewesen wären", sagte der Skiflug-Weltmeister und fügte hinzu: "Das ist diesmal definitiv eine andere Vierschanzentournee."

Seit 1953 gibt es das größte jährliche Wintersportevent der Welt und bei seiner 69. Auflage muss es wegen der Corona-Pandemie erstmals ohne Fans über die Bühne gehen. Im vergangenen Winter waren allein in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen noch insgesamt 75.000 Zuschauer dabei gewesen.

Etwa 2,5 Millionen Euro fehlen der Tournee

Das Fan-Verbot hat auch knallharte finanzielle Folgen für den Deutschen Skiverband (DSV), der die Vierschanzentournee gemeinsam mit dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) veranstaltet. Etwa 2,5 Millionen Euro an Zuschauereinnahmen sind weggefallen.

Der Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee ist für Karl Geiger weit weg, der Podestplatz aber noch möglich. Ebenso für Markus Eisenbichler. Vorn liegt Innsbruck-Sieger Kamil Stoch.

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Zwar gibt es auch deutlich weniger Ausgaben, und Versicherungen decken einen Teil der Einbußen ab, trotzdem geht es für den Dachverband der Skisportler in Deutschland um die Existenz.

Weltcups sind überlebenswichtig

Nur sieben Prozent des DSV-Jahresetats von 37 Millionen Euro sind durch öffentliche Gelder gedeckt, die restlichen 93 Prozent müssen selbst erwirtschaftet werden. Die Skisprung-Weltcups in Deutschland wie die beiden bei der Vierschanzentournee, in Titisee-Neustadt (9./10. Januar 2021) und Willingen (29. bis 31. Januar 2021) sind deshalb überlebenswichtig. Der DSV hat am 6. und 7. Februar 2021 als Ersatzausrichter für das japanische Sapporo sogar in Klingenthal noch ein Zusatz-Weltcupwochenende der Springer übernommen.

Denn nur wenn Wettbewerbe stattfinden können, gibt es Geld von den TV-Partnern sowie den Sponsoren. Und nur so kann der Leistungssport und die Nachwuchsarbeit gesichert werden. Das betonte auch DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier bereits vor der Saison.

Wenn wir nicht präsent sind, gehen 80 Prozent der Verbände pleite. Dann ist der Wintersport tot.
DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier

Neue Sponsoren, wichtige Verträge verlängert

Sein Verband hat deshalb in den Überlebensmodus geschaltet. Mit TQ Systems und Interwetten wurden vor der Saison in schwierigen Zeiten zwei neue Sponsoren gewonnen. Der TV-Vertrag mit ZDF und ARD für alle DSV-Weltcups wurde bis 2024/25 verlängert. Sogar noch einen Winter länger bis 2025/2026 läuft der ebenfalls frisch verlängerte Vermarktungskontrakt über die Vierschanzentournee mit Infront. "Wir brauchen gerade in diesen turbulenten Zeiten verlässliche und kompetente Partner", hat DSV-Vorstand Walter Vogel dazu gesagt.

Geschätzte zwei Millionen Euro von Vermarktern bringen die Tournee-Stationen dem DSV in die Kassen. Der refinanziert sich durch den Verkauf von Sponsoring-Paketen: Bet At Home hat für vier Jahre einen neuen Kontrakt als Presenting Sponsor unterschrieben. Das Interesse an den TV-Übertragungen des Skisprung-Grand-Slams ist ungebrochen. Beim Geiger-Sieg in Oberstdorf zählte das ZDF im Schnitt 5,43 Millionen Zuschauer, die den Marktanteil auf starke 25,4 Prozent trieben.

Preisgeld-Erhöhung fällt wegen Corona aus

Das Preisgeld für die Einzel-Sieger der vier Tournee-Stationen mutet mit 10.000 Schweizer Franken dagegen lächerlich an. Auch die 20.000 Schweizer Franken für den Gesamtsieg zusätzlich zur goldenen Adler-Trophäe sind eigentlich längst nicht mehr zeitgemäß. Deshalb wollten die Vierschanzentournee-Organisatoren in diesem Winter das Preisgeld eigentlich deutlich erhöhen.

Wir wollten beim Preisgeld einen deutlichen Ruck nach oben machen. Aber dann kam Corona.
Vierschanzentournee-Präsident Johann Pichler

Hoffen auf die Rückkehr der Fans

Nach deutlicher Kritik am Tournee-Preisgeld in den vergangenen Jahren haben die Flieger das klaglos akzeptiert. Karl Geiger: "Wir müssen froh sein, dass wir überhaupt springen dürfen. Ich hoffe aber, dass wir im nächsten Winter wieder mit voller Hütte abfeiern können."

Vergleich mit anderen Wettbewerben

Preisgeld Vierschanzentournee:

  • Gesamtsieg: 20.000 Schweizer Franken (ca. 18.500 Euro)
  • Einzelsieg: 10.000 Schweizer Franken (ca. 9.250 Euro)
  • Sieg Qualifikation: 5.000 Euro

Zum Vergleich:

  • Sieg Abfahrt Kitzbühel 2020: 100.000 Euro
  • Sieger Raw Air Tournee Skispringen 2020: 60.000 Euro
Skispringen Typical am 23.11.2017.

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