Sie sind hier:

Shutdown für Amateursport - Sportvereine ringen nach Luft

Datum:

Im Frühling konnten viele Amateursportvereine den Shutdown noch mit Online-Training kreativ überbrücken. Das könnte jetzt nicht mehr reichen. Die Geduld ist vielerorts erschöpft.

Judo
Sport in Zeiten von Corona: Auch die Judokas müssen kämpfen
Quelle: Reuters

Ein paar Klicks, eine hochgeladene PDF-Datei, vielleicht noch ein Link zu einem Livestream - und schon steht das Online-Trainingsprogramm wieder. Im Corona-Jahr 2020 sind solche Abläufe für viele der knapp 90.000 Sportvereine in Deutschland gängige Praxis. Die technische Durchführung stellt die Sportler kaum noch vor Herausforderungen - zumindest solange die Verbindung hält.

Pionierarbeit ist jetzt Routine

"Wir sind eingespielt", denkt Lothar Kilian, der zweite Vorsitzende des 1. Judo-Clubs Bürstadt, an die Umstellung nach dem ersten Lockdown im März zurück. Im Frühling war Onlinetraining noch Pionierarbeit. Die Vereine zeigten sich aber kreativ und erkannten schnell: Zirkeltraining geht auch auf der Heimmatte, dank Laptop und Smartphone sogar in der Gruppe.

Der zweite bundesweite Trainingsstopp im November verlangt den Freizeit- und Amateursportlern einen umso längeren Atem ab. Vor allem die Sorge vor Mitgliederschwund ist groß. Hier gibt es zwei Kategorien: zum einen Mitglieder, die vorübergehend oder dauerhaft abspringen, zum anderen potentielle neue Mitglieder, die nicht angeworben werden können.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann macht sich um die Vielfalt des Sports in Deutschlands Sorgen und blickt bereits auf Olympia.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Auch der DOSB fürchtet Mitgliederschwund

"Ohne Anfängerkurse und Schulsport können wir keine neuen Mitglieder gewinnen, so dass die Mitgliederzahl in Summe abnimmt", erklärt Judoka Kilian. "Ein Mitgliederschwund ist zu befürchten, weil das Angebot unattraktiver wird", sagt ein Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) auf ZDF-Nachfrage:

Wenn etwa Kinder und Jugendliche aus ihrer Gewohnheit gerissen werden, orientieren sie sich oft um. Genauso gravierend ist die Problematik, das Engagement der Ehrenamtlichen aufrechtzuhalten.

Längst zehrt das laufende Jahr an Deutschlands Sportvereinen - und an den Nerven seiner gut 27 Millionen Mitglieder. Wurden bis zum Frühsommer fast überall die alten Meisterschaftsrunden abgebrochen, ist jetzt auch die neue Saison vorerst zum Erliegen gekommen. Um ihn überhaupt zu ermöglichen, mussten die Vereine den Trainings- und Wettkampfbetrieb umfassenden Hygienekonzepten unterziehen.

Vereinsleben bleibt auf der Strecke

Fix eingeplante Vereinsfestivitäten, die wichtige Einnahmequellen bilden, wurden abgesagt oder kleiner gestaltet. Gleiches gilt für die Vermietung vereinseigener Grundstücke. Der Austausch blieb oft auf der Strecke. In vielen Fällen durften Eltern ihre Kinder nicht einmal zum Training begleiten.

Selbst Stammtischtreffen sind nur nach den geltenden Verordnungen möglich. "Die Weihnachtsfeier ist auf Eis gelegt, so wie das Sozialleben allgemein. Außerdem müssen wir unsere Mitgliederversammlung zum zweiten Mal verschieben ins neue Jahr", sagt Kilian, "wir wissen gar nicht, ob das rechtens ist".

Geschlossenes Restaurant in Berlin am 11.10.2020

Lockdown -
Die neuen Corona-Regeln von Bund und Ländern
 

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben Bund und Länder einen Teil-Lockdown beschlossen. Er gilt ab Montag, 2. November, bis Monatsende - vorerst. Hier die Pläne im Überblick.

Verordnungen auf dem Prüfstand - Fitnessstudios klagen

Ob die Länderverordnungen rechtmäßig sind, wird vielerorts geprüft. In Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hamburg ist es Vereinen nicht erlaubt, Tennis in der Halle spielen zu lassen, in den 13 anderen Bundesländern dagegen schon. Am Montag trat der Tennisverband Rheinland-Pfalz mit Staatskanzlei, Innenministerium und Gesundheitsamt in Kontakt, um "eine Gleichbehandlung mit anderen Bundesländern zu erwirken", wie es auf der Seite des Verbands heißt. "Wir wollen zumindest die Möglichkeit erwirken, Einzel zu spielen", erläutert ein Verbandssprecher.

In mehreren Bundesländern wollen Fitnessstudio-Betreiber gegen die Corona-Verordnungen klagen. Auch sie befürchten Kündigungen, denn nicht jedes Studiomitglied nimmt ein erneutes Fortlaufen des Vertrags ohne Gegenleistung in Kauf.

Und es ist nicht gesagt, dass es nach dem 30. November normal weitergehen kann.

Wir sehnen uns schon zurück nach der Normalität.
Lothar Kilian, 1. Judo-Club Bürstadt

Da spricht der Judoka wohl den meisten Sporttreibenden aus der Seele.

eine undatierte elektronenmikroskopische aufnahme des «u.s. national institute of health» zeigt das neuartige coronavirus

Nachrichten | Thema -
Alles zum Coronavirus
 

Wie gefährlich ist das Coronavirus? Was sind die Symptome, und wie wird das Virus übertragen? Wie lauten die Zahlen in Deutschland? Alles zum Coronavirus hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.