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Leistungssport und Corona - Pandemie als Katalysator für Depressionen?

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Depressionen können viele Auslöser haben. Auch die Corona-Pandemie und der Shutdown scheinen die mentale Gesundheit im Profisport zu beeinflussen.

Paul Quasten vergräbt seinen Kopf in den Händen.
Die Corona-Pandemie setzt auch Leistungssportler unter Druck (Symbolbild)
Quelle: IMAGO / ANP

Nach gut einem Jahr Pandemie ist die Liste der am Coronavirus erkrankten Spitzenathleten und -athletinnen lang: Prominente Beispiele sind Fußballer Cristiano Ronaldo oder Skispringer Karl Geiger. Auch Amateur-Boxerin Sarah Scheurich erlitt eine Covid-Infektion. Sie konnte einen Monat lang nicht trainieren und erlitt anschließend eine Depression.

Im Sportschau-Olympia-Podcast erzählt sie, dass sie da einen Zusammenhang vermutet: "Depressionen können ja auch körperliche Ursachen haben", so Scheurich. "Ich glaube schon, dass der lange Trainingsausfall und der ganze Druck bei mir Gründe dafür waren."

Man macht sich Sorgen, ob man wieder fit wird.
Sarah Scheurich, Boxerin

Ob die Corona-Pandemie Einfluss auf die Psyche der Sportler nimmt, auch unabhängig von einer Infektion, hat auch die Stanford University untersucht.

Boxerin Sarah Scheurich
Sarah Scheurich gehört seit 2011 zum deutschen Nationalteam.
Quelle: IMAGO / Ed Gar

Zusammenhang zwischen Pandemie und Depressionen?

Die renommierte US-Universität befragte im letzten Jahr von März bis August 131 professionelle Ausdauersportler in den USA zu ihrer Gefühlswelt während Corona.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Corona-Pandemie die Motivation und mentale Gesundheit der Sportler beeinflusst: Vor der Krise hatten 3,9 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche depressive Gedanken, während der Corona-Pandemie waren es 22,5 Prozent.

Anreiz und Motivation fehlen

Depressive Gedanken aufgrund der Corona-Situation sind nicht nur ein Phänomen im Sportbereich. Auch in der Gesellschaft führen Kontaktbeschränkungen dazu, dass Menschen sich emotional bedrückt fühlen.  

Im Leistungssport kommt dazu, dass die Wettkämpfe als Anreiz und Motivation für den Trainingsalltag fehlen. Bereits bei der Jugend ist das zu beobachten: Im Ski-Internat in Furtwangen drohe manchmal der Lagerkoller. Da brauche es dann kreative Alternativen, so Internatsleiter Niclas Kullmann:

Wir haben ein kleines Renovierungsprojekt für die Gemeinschaftsräume gestartet. Da ist eine große Dynamik entstanden, denn jedes Stockwerk wollte besser sein als das andere.
Niclas Kullmann

Nervosität, Unsicherheit, Desinteresse

Während im Internat Langeweile drohe, nennen die befragten Athleten in der amerikanischen Studie vor allem die Gefühle Nervosität, Unsicherheit und Desinteresse, die sie während der Pandemie teilweise um das Siebenfache empfinden.

Das aktuelle "Deutschland-Barometer Depression" zeigt, wie sehr die Corona-Krise Menschen mit Depressionen belastet. Viele Betroffene greifen mittlerweile aber zu digitaler Hilfe.

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Aus diesen verstimmten Phasen könne sich laut Dr. Paul Schmidt-Hellinger, Sportmediziner an der Charité Berlin, tatsächlich eine Depression entwickeln, die im schwersten Fall zu Sportunfähigkeit führt.

Auch schon leichte Verstimmungen können bewirken, dass die Motivation fürs Training fehlt. Einheiten, die die Athleten und Athletinnen auch unter normalen Umständen weniger gern machen, könnten laut Schmidt-Hellinger leiden:

Das ganze 'Drumherum' - die gesunde Ernährung, das Krafttraining, Dehnung - fällt weg, was zu Verletzungen führen kann.
Dr. Paul Schmidt-Hellinger, Sportmediziner

Hochleistungssportler auch ohne Corona anfällig

Psychologe Prof. Dr. Karl-Jürgen Bär, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena, plant eine Ausbildung, um erschöpfte und depressive Athleten in Zukunft besser behandeln zu können.

Auch ohne Corona seien Leistungssportler für Depressionen anfällig, sagte Bär im MDR. Die Hochleistungssportler lebten während ihrer aktiven Zeit in einer Art Bubble, so Bär. Ihr Leben drehe sich um Trainingseinheiten, Wettkämpfe und Leistungen. Wenn das zu Ende ist und sie plötzlich vor einer eigenen Lebensplanung stehen, könne das zu Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen führen.

Funktionelle Einschränkungen der Lunge, des Herzens und weiterer Organe. Profisportler leiden unter den Spätfolgen von Covid-19-Erkrankung.

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Er vermute, dass sie während ihrer Sportlaufbahn "ganz viele andere Fähigkeiten nicht entwickelt haben," so Bär, und das "falle ihnen natürlich nach der Karriere auf die Füße".

Freunde auch Konkurrenten im Wettkampf

Zudem würden Leistungssportler schon in ihrer Kindheit in einer unnatürlichen sozialen Welt aufwachsen. Trainingskollegen und Freunde seien zugleich auch Konkurrenten im Wettkampf, so Bär. So erführen sie andere soziale Bindungen. Das könne laut Bär ebenfalls für Depressionen prädestinieren. 

Daher möchte er mit seiner Ausbildung auf Prävention bauen, um Leistungs- wie Amateursportler schon vor möglichen depressiven Phasen zu helfen.

Frank Stäbler

Spätfolgen im Sport - Long Covid: Ganze Karrieren gefährdet 

Auch bei Spitzensportlern werden immer häufiger Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion entdeckt - unabhängig von der Schwere der Erkrankung und in erschreckender Vielfältigkeit.

von Susanne Rohlfing
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