Energiekrise: Deutscher Sport fordert Hilfe

    Sport fordert Entlastungspaket:Energiekrise belastet Vereine und Verbände

    von Frank Hellmann
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    Vereine und Verbände fordern ein Entlastungspaket für den deutschen Sport, der durch die Energiekrise erneut in Bedrängnis gerät. DFB-Präsident Bernd Neuendorf geht voran.

    Bernd Neuendorf, aufgenommen am 09.08.2022 Frankfurt am Main
    DFB-Präsident Bernd Neuendorf (Archivfoto)
    Quelle: imago

    Bernd Neuendorf weiß, wie Politik funktioniert. Der in Bonn beheimatete Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat einst als Parlamentsreporter aus der ehemaligen Bundeshauptstadt die Entscheidungsprozesse beleuchtet, die er später als Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen selbst steuerte.
    Der DFB-Boss - früher auch Sprecher des SPD-Parteivorstandes - warnt vor den Folgen der Energiekrise für den deutschen Fußball und den deutschen Sport. Mit diesem Anliegen sprach er im August im Bundeskanzleramt bei Wolfgang Schmidt, dem Bundesminister für besondere Aufgaben, vor.
    Außerdem hat Neuendorf die Bundesregierung – namentlich Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Robert Habeck als Bundesminister für Wirtschaft und Energie – angeschrieben: Es dürfe keine Schließung von Sportstätten im Winter geben, dafür brauche es kurzfristige Finanzhilfen für Vereine und Kommunen sowie eine langfristige Investitionsoffensive für Sportstätten.

    Die Sportanlagen müssen geöffnet bleiben. Wir können nicht schon wieder Kinder und Jugendliche von den Plätzen fernhalten.

    DFB-Präsident Bernd Neuendorf

    Damit erinnert der Verbandsboss an die fatalen Fehler aus der Corona-Krise, als der deutsche Sport teils für Symbolpolitik herhalten musste. Monatelang blieb selbst Sporttreiben an der frischen Luft verboten, obwohl Experten sich früh einig waren, dass davon keine Ansteckungsgefahr ausgeht. Doch es schien, als sei das Nichtstun die beste Maßnahme gegen das Virus. Damals reagierte der noch von Fritz Keller geführte DFB viel zu schwerfällig. Nun will Neuendorf vorher die Warnsignale absetzen, bevor die nächste Krise bei den 24.500 Vereinen durchschlägt. Denn: "Der vereinsbasierte Sport erfüllt wichtige Aufgaben, soziale und gesundheitsfördernde."  
    Die Energiekrise wird zum Stresstest für die Regierungsparteien. Wie wird das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung ausfallen?22.08.2022 | 2:39 min
    Schwimmsport und Eishockey sind besonders betroffen
    Der DFB spricht im Kanzleramt auch für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der bereits vergangene Woche einen "Pakt für den Sport" gefordert hatte. Es ging zwar ursächlich um die Ausrichtung des Leistungssports, die Rolle des Sports und die Bedeutung von Bewegung insgesamt, aber DOSB-Chef Thomas Weikert warnte ebenfalls davor, wegen der Energiekrise "Schwimmbäder zu schließen und Sporthallen zuzusperren, denn das verhindert, dass der organisierte Sport seine gesellschaftlichen Leistungen erbringen kann".
    Gleichzeitig haben DFB und DOSB bereits einen Maßnahmenkatalog und Hilfestellungen erarbeitet, die kurzfristig eine Reduktion des Energieverbrauches vorsehen. In Berlin hat der Senat bereits bis zum 31. März 2023 beschlossen, dass Sporthallen nur noch bis 17 Grad beheizt werden, die Warmwasserbereitung der Waschbecken abgeschaltet und die Beleuchtung nach 22 Uhr runtergefahren wird.
    Die Wahl zwischen Pest und Cholera
    Nur ein Beispiel, um welche Kosten es geht: Der MTV Köln 1850 spricht von bis zu 20.000 Euro Mehrkosten durch gestiegene Energiepreise für sein Sportzentrum - die Gasumlage noch nicht eingerechnet. Die Wassertemperatur im Schwimmbad ist bereits abgesenkt. Der Vorsitzende Holger Dahlke will nun überlegen, ob Angebote ganz eingestellt werden, "aber dann verlieren wir Mitglieder - das ist die Wahl zwischen Pest und Cholera".
    Neben dem Schwimmen gilt auch Eishockey als energieintensive Sportart. Die Profiklubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) befinden sich bereits seit einiger Zeit bei teils hochsommerlichen Temperaturen wieder im Training, doch DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke fürchtet trotzdem, dass die Energiekrise eine "Gefahr für den Breitensport und vor allem für den Nachwuchs" darstellt. Weil Eishallen schließen und damit Eiszeiten fehlen.
    Seine Forderung: "Nach zwei Jahren der Symbolpolitik, in denen der Sport in Deutschland durch Schließungen und Verbote im internationalen Vergleich benachteiligt worden ist, darf der Sport auf keinen Fall wieder der Leidtragende sein."