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Tennisskandal - Chronologie der Causa Djokovic

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Was dem derzeit besten Tennisspieler der Welt beim Einreiseversuch in Australien widerfahren ist, wankt zwischen dem Plot eines Polit-Thrillers und einer Farce. Ein Überblick.

Tennis-Star Novak Djokovic macht während eines Trainings vor den Australien Open Pause.
Eine harte Niederlage für Tennis-Star Novak Djokovic: Australiens Regierung erklärt sein Visum für ungültig. Weiterhin droht dem Australian Open-Titelverteidiger die Ausweisung.
Quelle: epa

Am 5. Januar erreichte Novak Djokovic als ungeimpfter Tennisprofi Australien und löste eine Kontroverse aus. Nun wurde dem Weltranglistenersten zum zweiten Mal das Visum entzogen. Das ZDF zeichnet die Ereignisse nach:

Die Chronologie der Causa Djokovic

10. November: Turnierdirektor und Verbandschef von Tennis Australia, Craig Tiley, schreibt an verschiedene Stellen, um sich nach Ausnahmemöglichkeiten für die Einreise ungeimpfter Spieler zu erkundigen. Das Ziel: Novak Djokovic soll ab dem 17. Januar unbedingt an den Australian Open teilnehmen.

17. November: Die Antwort an Tiley von der Staatsregierung lautet, dass die Landesregierung des Bundesstaats Victoria zuständig sei, über Ausnahmegenehmigungen zu entscheiden.

18. November: Das Gesundheitsministerium betont, dass genesene, aber ungeimpfte Personen nicht ohne Quarantäne einreisen dürfen. Die australische Staatsregierung sagt Djokovic ein temporäres Visum zur Einreise zu.

Novak Djokovic
Kommentar

Trotz Gerichtsentscheid - Djokovic stellt sich ins Abseits 

Novak Djokovic darf nun doch an den Australian Open teilnehmen, wenn die Berufung keinen Erfolg hat. Ein schaler Beigeschmack bleibt mit Blick auf den Tennis-Exzentriker.

von Aris Donzelli

Deadline für Sondergenehmigung

29. November: Greg Hunt, Australischer Gesundheitsminister, schreibt an Tiley, dass kürzlich Corona-infizierte Personen nicht ins Land gelassen werden. Und dass die Grenzbehörde angewiesen wurde, nur vollständig geimpften Personen eine Quarantäne-freie Einreise zu gewähren.

2. Dezember: Brett Sutton, Gesundheitsminister von Victoria, sagt, dass jeder, der in den vergangenen sechs Monaten eine Covid-Infektion gehabt hat und das ausreichend belegen kann, von einer Quarantäne befreit ist.

7. Dezember: Tiley schreibt an die Tennis-Profis, dass man eine Ausnahme für den doppelten Impfstatus bekommt, wenn man eine Covid-Infektion in den vergangenen sechs Monaten gehabt hat. Bis zum 10. Dezember gilt die Deadline, bis zu der die Tennis-Profis eine Ausnahmegenehmigung bei Tennis Australia beantragen konnten.

Djokovic: Positiver PCR-Test

14. Dezember: Djokovic ist Zuschauer des Basketball-Spiels zwischen Roter Stern Belgrad und Barcelona. Nach der Partie werden etliche Personen positiv auf Corona getestet. Djokovic erhält am 16. Dezember vom serbischen Gesundheitsministerium einen positiven PCR-Test. Am selben Tag nimmt er ohne Maske an einer Veranstaltung der Post teil, die ihm eine Briefmarke widmete. Später an diesem Tag war Djokovic zu Gast bei einer gut besuchten Podiumsdiskussion.

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17. Dezember: Djokovic posiert - erneut ohne Maske - bei einer Veranstaltung in Belgrad, die junge Nachwuchs-Tennisspieler ehrt, mit den Kindern und Jugendlichen für Selfies.

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18. Dezember: Die französische Sportzeitung "L’Equipe" trifft Djokovic für ein Fotoshooting und ein Interview.

Djokovic: Zweiter PCR-Test negativ?

22. Dezember: In den Gerichtsunterlagen steht, dass Djokovic einen zweiten PCR-Test machen ließ und das Ergebnis negativ war. Die Corona-Bestimmungen in Serbien besagen eine volle zweiwöchige Quarantäne. Djokovic hätte demnach bis zum 30. Dezember in Isolation sein müssen.

30. Dezember: Der medizinische Chef von Tennis Australia bestätigt Djokovic, dass er eine Ausnahmegenehmigung erhalten habe. Zwei Gremien hatten unabhängig voneinander und ohne Ansicht der Personalien entschieden.

4. Januar: Djokovic postet ein Foto von sich vor dem Abflug bei Instagram und erklärt, er habe eine Ausnahmegenehmigung. Wut und Empörung bricht sich bei der australischen Bevölkerung Bahn, die insgesamt 256 Tage im Lockdown verbracht hatte. Auch in den sozialen Medien herrscht Aufruhr gegen Djokovic.

Novak Djokovic darf trotz Widersprüchen vorerst in Australien bleiben. Die Regierung behält sich einen Einspruch vor. Unterdessen feiern in Melbourne die Fans des Tennisstars.

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Keine Sonderbehandlung für Djokovic

5. Januar: Premierminister Scott Morrison betont öffentlich, dass Djokovics Ausnahmegenehmigung Sache Victorias sei. Kurz vor Mitternacht des selben Tages: Djokovic wird nach seiner Landung in Melbourne für acht Stunden in einem seperaten Raum am Flughafen von der Grenzbehörde befragt, der seine medizinischen Unterlagen nicht ausreichen. Schließlich wird Djokovic das Visum wieder entzogen und der Serbe in ein Abschiebehotel gebracht. Die Regierung in Victoria zieht die Unterstützung des Visa-Gesuchs schon vor der Landung zurück. Und Innenministerin Karen Andrews betont, dass es keine Sonderbehandlung für Tennisspieler gäbe.

Archiv: Novak Djokovic wartet bei seiner Ankunft am Flughafen von Melbourne
Djokovic wartet bei seiner Ankunft am Flughafen von Melbourne (Archivfoto)
Quelle: AP

6. Januar: In Serbien herrscht lautstarke Entrüstung, angeheizt durch Djokovics Familie. Auch Präsident Alexsandar Vucic schaltet sich empört ein und kämpft für seinen Volkshelden. Djokovics Anwälte legen Einspruch gegen die Annullierung des Visums ein. Vor dem Hotel protestieren Fans tagelang gegen die Internierung des Weltranglistenersten.

7. Januar: Premier Minister Scott Morrison nutzt die aufgeheizte Stimmung und sagt nun über Djokovic: "Niemand steht über dem Gesetz und wenn er keine entsprechenden Unterlagen hat, sitzt er im nächsten Flieger nach Hause."

Serbische Regierung mit Forderungen

8. Januar: Die serbische Regierung sorgt nach Angaben von Ministerpräsidentin Ana Brnabic inzwischen dafür, dass Djokovic im Hotel "glutenfreies Essen, Trainingsgeräte und einen Laptop bekommt". Die tschechische Doppel-Spielerin Renata Voracova, die mit der gleichen Ausnahmegenehmigung bereits eine Woche zuvor in Melbourne einreiste, wird ebenfalls ins Abschiebehotel gebracht.

9. Januar: Voracova verlässt Australien. Djokovics Familie schürt weiter die Proteste in Serbien und stilisiert ihn als Opfer einer politschen Agenda.

Tennisspieler Novak Djokovic darf nach Australien einreisen - ein Gericht hat seine Festsetzung aufgehoben. In seiner serbischen Heimat ist sein Fall zum Politikum geworden. Ob er aber an den Australian Open teilnehmen kann, bleibt weiter offen.

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10. Januar: Aufgrund der zu großen Zugriffszahlen auf den Livestream der Gerichts-Anhörung, kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Am Ende erringt Djokovic einen Teilsieg, Richter Anthony Kelly entscheidet für ihn und ordnet die Freilassung aus dem Abschiebehotel an.

Kurz vor Mitternacht: Djokovic trainiert in der Melbourner Rod-Laver-Arena und postet danach bei Instagram: "Ungeachtet allem, was passiert ist, will ich bleiben und versuchen zu spielen." Doch sicher ist das nicht: Einwanderungsminister Alex Hawke kann sein Visum in den kommenden Tagen immer noch erneut annullieren.

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11. Januar: Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht gereist. Die Posts des Tennisstars in den Sozialen Medien und Berichte weisen aber daraufhin, dass sich Djokovic in dem Zeitraum erst in Belgrad und dann in Spanien aufhielt, von wo er sich schließlich auf den Weg nach Melbourne machte.

Djokovic redet von "menschenlichen Fehlern"

12. Januar: Djokovic hat unter Druck der australischen Behörden "Fehler" bei seinen Einreise-Angaben und im Verhalten nach einer angeblichen Corona-Infektion eingeräumt. "Wir leben in schwierigen Zeiten einer globalen Pandemie und manchmal können solche Fehler passieren", sagte er in einer Erklärung, die er am Mittwoch in den Sozialen Medien veröffentlichte.

Weiter gab er zu, am 18. Dezember einen Termin mit der französischen Sportzeitung L'Equipe trotz der Kenntnis eines positiven Coronatests vom 16. Dezember wahrgenommen zu haben. Dies sei im Nachhinein eine "Fehleinschätzung" gewesen. Und er räumte ein, versehentlich auf seinem Einreisebogen eine falsche Angabe zu seinen Reiseaktivitäten vor dem Flug nach Melbourne gemacht zu haben. Für diesen "menschlichen und sicher nicht absichtlichen" Fehler zeichne sein Management verantwortlich.

13. Januar:  Die Entscheidung der australischen Regierung über einen erneuten Entzug von Djokovics Aufenthaltsgenehmigung verzögert sich offenbar weiter. Wie lokale Medien am späten Nachmittag in Melbourne vermeldeten, wird Einwanderungsminister Alex Hawke die Angelegenheit wohl noch einen Tag länger prüfen.

Novak Djokovic beim Training
Djokovic beim Training
Quelle: IMAGO / AAP


Djokovic bekommt Erstrundengegner zugelost

Der 20-malige Grand-Slam-Sieger droht nach Verstößen gegen die Isolationsvorschriften in seiner Heimat Serbien und einer falschen Angabe bei den Einreiseunterlagen weiter die Australian Open (ab 17. Januar) zu verpassen. Premierminister Scott Morrison hielt sich auf einer Pressekonferenz bedeckt.

Trotz der unklaren Situation war Djokovic Teil der Auslosung für das Grand-Slam-Turnier in Melbourne. In der ersten Runde soll er gegen seinen Landsmann Miomir Kecmanovic spielen.

14. Januar: Die australische Regierung senkt den Daumen, Djokovics Visum ist wieder entzogen worden.

Novak Djokovic beim Training in der Margaret Court Arena vor den Australian Open.
Kommentar

Visum annulliert - Djokovic soll gehen - verloren haben alle 

Novak Djokovic soll ausreisen. Er, Australiens Tennisverband, der internationale Verband ITF aber auch die Einwanderungsbehörde haben bewiesen: Krisenmanagement können sie nicht.

von Aris Donzelli

In einer Online-Anhörung kündigte Djokovics Anwalt Nick Wood wie erwartet einen Einspruch gegen die Entscheidung des australischen Einwanderungsministers Alex Hawke an, das Visum des Grand-Slam-Rekordsiegers erneut zu annullieren.

15. Januar:  Djokovic ist erneut in Gewahrsam. Er wurde wieder ins Abschiebehotel gebracht, wie australische Medien berichteten. Für Sonntagmorgen (Ortszeit) ist eine Anhörung vor Gericht geplant. Das Bundesgericht (Federal Court of Australia) soll Klarheit schaffen, ob Djokovic an den am Montag beginnenden Australian Open teilnehmen darf oder ausreisen muss.

16. Januar: Novak Djokovic darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss ausreisen. Wie das Bundesgericht in Australien entschied, wurde der Einspruch des serbischen Tennisprofis gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums abgelehnt.

Die Entscheidung des Gerichts sei einstimmig gefallen, hieß es in der Bekanntgabe der drei Richter James Allsop, Anthony Besanko und David O'Callaghan. Die Begründung soll frühestens am Montag erfolgen. Gegen das Urteil können beide Seiten keine Rechtsmittel einlegen.

Bundesgericht ordnet Ausreise an - Djokovic hat Australien verlassen 

Tennis-Star Novak Djokovic darf nicht in Australien bleiben. Ein Bundesgericht hatte die Annulierung seines Visums für rechtmäßg erklärt. Djokovic hat Australien nun verlassen.

Videolänge

17. Januar: Australiens Premierminister Scott Morrison lässt Djokovic die Tür für eine Rückkehr ins Land vielleicht schon im nächsten Jahr offen. Dies deutete der Regierungschef in einem Interview des australischen Radiosenders 2GB an.

Djokovic war das Visum von den australischen Behörden am Sonntag für drei Jahre entzogen worden. Ein Comeback des 34-Jährigen bei den Australian Open, die der Serbe schon neun Mal gewonnen hat, scheint aber bereits 2023 möglich.

Eine Titelverteidigung bei den French Open im Mai könnte sich für Djokovic ebenfalls bald zerschlagen, falls er sich nicht gegen das Coronavirus impfen lässt. Denn Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu stellte am Sonntagabend klar, dass die neuen Einschränkungen für Ungeimpfte in Frankreich auch für Sportstätten gelten.

Australischer Tennisverband äußert Bedauern

18. Januar: Der australische Tennisverband will nach der Gerichtsposse um Djokovic sein Vorgehen auf den Prüfstand stellen. Es gebe immer Lektionen, die man lernen könne, teilte Tennis Australia mit. Man wolle - wie jedes Jahr - alle Aspekte überprüfen.

Zugleich entschuldigte sich der Verband für den Wirbel, der vor dem Auftakt des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres entstanden war. «Wir verstehen, dass die jüngsten Ereignisse eine wesentliche Ablenkung für alle waren», teilte Tennis Australia mit, ohne in der Stellungnahme den Namen Djokovic zu erwähnen.

Mit Material von SID und dpa

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