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Zverevs Pech am Ende einer Nervenschlacht

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Tennis - US Open | Kommentar - Zverevs Pech am Ende einer Nervenschlacht

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Tennis-Profi Alexander Zverev hat es bei den US Open haarscharf verpasst, eine 24 Jahre lange Durststrecke des deutschen Herren-Tennis zu beenden.

Kommentar: Martin Wolff zum US-Open-Finale
Kommentar: Martin Wolff zum US-Open-Finale
Quelle: ZDF/USA Today Sports

Wenige Bälle nur trennten den gebürtigen Hamburger davon, als dritter Deutscher nach Boris Becker und Michael Stich ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.

Beispielloser fünfter Satz

Was sich im größten Tennisstadion der Welt ereignete, ist mit dem Begriff "Nervenschlacht" nur unzureichend beschrieben. Zunächst, nach taktischer Meisterleistung, zwei glatte Satzgewinne Zverevs. Danach die imposante Aufholjagd des favorisierten Weltranglisten-Dritten Dominic Thiem.

Doch was sich im fünften Durchgang ereignete, habe ich in meinen knapp 30 Reporter-Jahren allenfalls EIN Mal erlebt. Bei jenem unfassbaren Viertrunden-Match der French Open 1989. Als der haushohe Favorit Ivan Lendl gegen seinen von Krämpfen geplagten und von unten aufschlagenden Gegner Michael Chang nervlich total einbrach. Diesmal war es anders. Diesmal brach jeder mehrfach abwechselnd ein, nur um im nächsten Moment wieder voll da zu sein.

Wertvolle Rückschläge

Vielleicht hat es ja dieses vergleichsweise misslungene Tennisjahr 2019 für Zverev gebraucht, um erstmals die Konzentration zu finden, in ein Grand-Slam-Finale vorzudringen. Diese Rückschläge, diese Zweifel und all die Kritik. Weil er bei keinem großen Turnier mehr übers Viertelfinale herauskam.

Unvergessen seine Pressekonferenz nach der Zweitrundenniederlage in Wimbledon. Den Tränen nahe und völlig aus der Bahn geworfen. Weniger wegen seines Scheitern gegen einen Qualifikanten, als wegen eines überaus hässlich gewordenen Rechtsstreits mit seinem langjährigen Manager Patricio Apey.

Hochsensibel, nicht arrogant

Erstmals ließ der wegen seiner oft kühlen Ausstrahlung bei Tennis-Fans lange als arrogant wahrgenommene ATP-Weltmeister von 2018 an diesem Tag in Wimbledon erkennen, dass er in Wahrheit hochsensibel und verletztlich ist. "Ich dachte, wir wären Freunde!", flüsterte er tief erschüttert. Weil er einfach nicht fassen konnte, dass Apey ihn nach sieben Jahren nicht einvernehmlich zum Management von Roger Federer wechseln ließ. Mit seiner Konzentration auf Tennis war es monatelang vorbei .

Alexander Zverev.

Tennis - US Open -
US Open: Zverev verliert Finale
 

Dominic Thiem hat die US Open gewonnen. Der Tennisprofi aus Österreich setzte sich im Finale gegen den Hamburger Alexander Zverev durch.

von Jens Bednarek

Harmoniebedürftig und gereift

Umgekehrt fällt auf, wie schnell Zverev sein Tennis weiterentwickeln kann, wenn er sich in Harmonie mit seinen engsten Vertrauten befindet. Dann steckt "Sascha", wie sie ihn nennen, auch vier Wochen "Corona-Bubble" bei den US Open weg. Und kann sich emotional mit Skype-Gesprächen über Wasser halten.

Erst bei der Siegerehrung brachen dann fast alle Dämme. Die leeren Sitze vor seinen Augen während der Dankesworte an seine Eltern machten ihm schmerzlich bewusst, wie sehr ihm die durch die Corona-Krise ferngehaltenen Eltern vor Ort fehlten. Gleichzeitig hat sein erstaunlich gereiftes, variabler gewordenes Spiel aber auch gezeigt, dass er in diesen Wochen erwachsen geworden ist.

Selbst ohne seinen Vater und den neuen Co-Trainer David Ferrer fand Zverev in New York fast immer einen Weg aus schwierigen Situationen. Von ein paar wenigen Ballwechseln ganz am Ende einmal abgesehen.

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