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Tennis - Wettbetrug - Deutsches Turnier unter Manipulationsverdacht

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Der Wettskandal im Profi-Tennis weitet sich aus. Nach ZDF-Informationen sollen Betrüger zuletzt Dutzende Partien verschoben haben. Betroffen ist auch ein Turnier in Deutschland.

Der Wettskandal im Profi-Tennis weitet sich aus. Nach ZDF-Informationen sollen Betrüger zuletzt Dutzende Partien verschoben haben. Betroffen ist auch ein Turnier in Deutschland.

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Ende Juli 2020 reisten Tennisprofis aus aller Welt ins westfälische Halle. Neben deutschen Stars wie Philipp Kohlschreiber brachten sich bei der "International Premier League" (IPL) Top-Spieler wie der Georgier Nikoloz Basilashvilli in Form, Nummer 40 der Weltrangliste.

Für andere Profis bot die Turnierserie auch eine Gelegenheit, finanzielle Verluste aufgrund der Corona-Pandemie auszugleichen. 150.000 Euro Preisgeld riefen die Veranstalter der IPL aus. Doch manche Teilnehmer sollen in Halle auch auf anderem, illegalem Wege Geld verdient haben.

Tennis-Partien in Halle unter Manipulationsverdacht

Mehrere Partien des Turniers stehen unter Manipulationsverdacht. Das geht aus internen Listen von Wettanbietern hervor, die dem ZDF vorliegen. Zwei Spielerinnen sind an mehreren verdächtigen Partien beteiligt. Systeme der Anbieter schlugen aufgrund auffälliger Wetteinsätze auf einzelne Spiele in den Sätzen und auf den gesamten Spielverlauf Alarm.

Die Tennis Intergrity Unit (TIU), die Fälle von Wettmanipulation im Profi-Tennis aufklären und sanktionieren soll, wollte die verdächtigen Partien aus "operativen Gründen" nicht kommentieren. Die Veranstalter der IPL ließen mehrere schriftliche Fragen unbeantwortet. Auch die mutmaßlich involvierten Profis reagierten auf Anfragen nicht.

Liste mit weiteren verdächtigen Partien

Laut der Liste, die dem ZDF vorliegt, stehen insgesamt mindestens 100 Tennis-Partien aus dem vergangenen Jahr unter Manipulationsverdacht. Es handelt sich um Duelle im Einzel und Doppel, die im Rahmen der Tourserie des Welttennisverbands ITF sowie bei Turnieren in Europa, Russland und den USA stattfanden. Darunter befinden sich mehrere Partien der US Pro Match Turnierserie, die im Sommer 2020 stattfand. Auch dort sollen Wettbetrüger auf zuvor vereinbarte Spielausgänge Geld gesetzt haben. Eine Spielerin, die dabei mehrfach auftaucht, ist Barbara Bonic.

Barbara Bonic
Im Fokus der Wettbetrugs-Fahnder: Barbara Bonic (Serbien)
Quelle: imago

Mehrere Duelle der Serbin wiesen abnormale Wettverläufe auf. Das bestätigt auf Nachfrage auch die Monitoringfirma Sportradar, die im Auftrag der Tennisverbände den globalen Wettmarkt überwacht.

Serbische Spielerin Bonic unter Verdacht

Bonic, geboren in der Schweiz, ließ eine schriftliche Anfrage unbeantwortet. Sie gewann in den vergangenen Jahren insgesamt 15 ITF-Turniere. Dem italienischen Matchfixing-Experten Stefano Berlincioni, der die Branche bestens kennt, ist der Fall Bonic bekannt.

Sie ist eine Spielerin, die auf der schwarzen Liste von verschiedenen Wettanbietern steht, ihre Spiele werden nicht mehr angeboten.
Stefano Berlincioni, italienischer Matchfixing-Experte

Skandale setzen Weltverband unter Druck

Der Weltverband ITF steht aufgrund zahlreicher Fälle von Wettbetrug unter Druck. Im Oktober berichtete die "Welt", dass eine Partie beim Eliteturnier French Open unter Manipulationsverdacht steht. Die französische Polizei nahm Ermittlungen auf.

Bereits seit wenigen Jahren erstreckt sich ein anderer Wettskandal von Belgien über Frankreich bis nach Deutschland. Wie das ZDF Ende 2019 berichtete, sind darin rund 135 Spieler involviert. In manchen Ländern laufen noch immer Ermittlungen. In Belgien beginnt im Frühling der Prozess gegen sieben Spieler, die unter Anleitung von Mitgliedern der Organisierten Kriminalität Partien verschoben haben sollen.

Beobachter werfen der ITF und der TIU vor, nicht genügend gegen Wettmanipulation zu unternehmen. Laut eigener Angabe hat die TIU im vergangenen Jahr Strafen gegen etwa 20 Profis ausgesprochen. Experten wie Berlincioni halten diese Zahl nur für die Spitze des Eisbergs.

Es sind so viele Profis involviert, dass es ein Desaster wäre für die TIU, wenn sie alle Spieler sperren würden.
Stefano Berlincioni, italienischer Matchfixing-Experte

"Es sind Hunderte, die betrügen und Partien manipulieren. Daher suspendiert die TIU doch immer nur völlig unbekannte Akteure."

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