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Tokio und Olympia - Kaum mehr Liebe, nur noch Pflicht

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Die Entscheidung gegen Zuschauer stellt Olympia in die Isolation. Viele Tokioter werden die Spiele gar nicht bemerken. Olympia verliert sein Herz und seine Bedeutung.

Menschen mit Gesichtsmasken gehen am Nationalstadion in Tokio vorbei. Japan wird Tokio unter einen Ausnahmezustand stellen, der bis zu den Olympischen Spielen andauern würde, da man befürchtet, dass sich die COVID-19-Welle während der Spiele vervielfachen wird.
10.000 Zuschauer hätten - so der Plan vorher - im Nationalstadion von Tokio dabeisein können. Daraus wird nun nichts.
Quelle: Kyodo News via AP/dpa

Es ist wie in einer dieser Klischee überladenen Telenovelas. Da finden zwei zusammen, die scheinbar füreinander gemacht sind: Tokio und Olympia. Die Liaison ist intensiv wie feurig. Es gibt Intrigen, Wendungen, es geht ums Geld. Aber letztlich scheint doch alles gutzugehen.

Doch kurz vor dem Ehrentag geschieht die schicksalhafte Volte: Covid-19. Die Pandemie verändert alles. Differenzen brechen auf, Entfremdung setzt ein. Olympia wird seinen Willen durchsetzen, doch zu welchem Preis? Es ist keine Liebe mehr, es ist Pflicht.

Passanten mit Masken am 08.07.2021 in Tokio

Keine Zuschauer in Tokio - Olympia: Geisterspiele - aber trotzdem Spiele 

Olympia in Tokio ohne Zuschauer: Es hatte sich angebahnt, die Corona-Zahlen sind zu hoch. Und die Spiele lieber noch einmal verschieben? Wohl kaum.

von Tom Palluch

Der olympische Patient

Natürlich ist alles weitaus komplizierter als eine TV-Turtelei. Doch es wird offenbar, dass Olympia nicht mehr viel mit der japanischen Mega-Metropole zu tun hat. Mit dem neuen Ausnahmezustand in Tokio werden nun auch sämtliche heimischen Zuschauer vom Sport ausgeschlossen. Zuvor lautete der Plan: bis zu 10.000 Zuschauer je Wettkampf.

Olympia ist isoliert wie ein Covid-Infizierter. Für die meisten Tokioter könnte das größte Sportfest der Welt auch gut und gerne in der arabischen Wüste oder einer abgelegenen Industrieanlage stattfinden. Denn vom olympischen Flair bekommen sie nichts mit.

Aus Vorfreude wird Ablehnung

"Damals hatten ein paar meiner Freunde Glück in der Ticketlotterie", sagt Sakamoto Misaki, eine freiwillige Helferin aus Saitama, einem Teil der Kantou-Agglomeration: "Golf und Rugby hätten sie gesehen. Alle waren wir neidisch."

Von der Begeisterung ist nicht viel übrig geblieben. Als Tokio 2013 den Zuschlag bekam, waren 73 Prozent der Japaner Unterstützer der fünf Ringe in Nippon. Angesichts der Pandemie hätten laut Umfragen fast 50 Prozent die Spiele im Mai dieses Jahres noch lieber abgesagt.

Keine Zuschauer in Tokio - aber Olympia ganz absagen wegen der Corona-Lage? Für viele Athleten wäre das "ein Riesenschock", sagt Kunstturnerin Elisabeth Seitz im ZDF heute-journal.

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Dass diese Zahl mittlerweile auf 20 gesunken ist, liegt an der wahrgenommenen Unausweichlichkeit der Spiele. Stattdessen forderten gut 80 Prozent härtere Isolationsmaßnahmen der olympischen Teilnehmer.

Noch mehr Isolation statt Olympia mit Zuschauern

"Ich komme vom Land", sagt Yamaguchi Yukiko, eine weitere Freiwillige: "Deswegen ist mir nicht ganz wohl. Denn wenn ich dahin zurückkehre, sind alle erstmal misstrauisch. Die Wahrscheinlichkeit eines falschen Negativ-Tests ist bei so vielen Leuten ja gegeben."

Die Tickets müssen jetzt erstattet werden. Bis zu 700 Millionen Euro kostet das. Tokio wird rote Zahlen schreiben und das IOC ist - offiziell - nicht verpflichtet, der Stadt zu helfen.

Positive Corona-Fälle im Team von Uganda und Serbien

Befeuert wurde die misstrauische Einstellung gegenüber Olympia durch Meldungen positiver Fälle in der Equipe Ugandas und Serbiens. Die Regierung weitete die Maßnahmen gegenüber den Athleten beider Länder aus.

Das Völker verbindende Olympia ist dem Völker separierenden Pandemie-Realismus gewichen. Sämtliche Athleten, Techniker und Reporter unterliegen einer Dauertestung. Jeder muss zunächst für 14 Tage in die Isolierung. Einen Fuß in die reale Stadt Tokio wird kaum einer von ihnen setzen. Genauso wie nun kein Edokko (Tokioter) einen Sitzplatz im Stadion besetzen wird.

Mitleid für die Olympia-Athleten

"Dabei sollte es doch etwa beim Golf oder Rugby genug Platz für ein paar Zuschauer geben", sagt Sakamoto Misaki: "Mir tut es leid für die Athleten, die im Wettkampf alles geben und dann ergriffen sind von dem Jubel, der Rührung und der Emotion von den Rängen. Das wird es alles nicht geben."

Olympia. Glanzvolles Heiligtum der griechischen Antike. Mehr als tausend Jahre lang kommen hier Menschen aus ganz Griechenland und dem Römischen Reich zusammen und bejubeln Athleten.

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Wichtig für die Politik: Parlamentswahl im Oktober

Es verfestigt sich stattdessen der Eindruck, dass sich die japanische Politik vom Geschehen und von Statistiken zur öffentlichen Meinung treiben lässt. Schließlich ist im Oktober Neuwahl.

Sakamoto und Yamaguchi, das betonen die beiden noch, sind Freiwillige aus internationaler Leidenschaft. Das kauft man ihnen bedingungslos ab, so groß ist die Verve, mit der sie von Olympia reden. Und so sind es vermutlich die Freiwilligen, die etwas Liebe in die nun mehr Zwangsehe zwischen Olympia und Tokio bringen.

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