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Experiment geglückt - die Tour ist am Ziel

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Kommentar zur Tour de France - Experiment geglückt - die Tour ist am Ziel

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Viele hatten ihre Zweifel, dass es die Tour de France nach dem Start vor drei Wochen in Nizza bis nach Paris schafft. Doch das strikte Hygienekonzept des Veranstalters hat gewirkt.

Und wenn auch die Menschen am Streckenrand sich nicht immer vorbildlich im Sinne der Corona-Etikette verhalten haben, die Akteure auf den dreieinhalbtausend Kilometern Straße - sie taten es. Sie lebten in ihrer eigenen Blase, und sehr bald hatten sie die strengen Regeln verinnerlicht. Ein Beispiel: Tony Martin vergaß nach der Sturzorgie in Nizza zu Beginn zunächst noch seine Maske zum Interview, das passierte ihm jedoch dann nicht noch einmal.

Dies wird eine kaum zum überschätzende Vorbildwirkung haben auf Sportveranstaltungen ähnlichen Kalibers im restlichen Jahr 2020, und eventuell darüber hinaus. Die Rad-WM wurde nicht zuletzt wieder aufgenommen ins Programm, in Imola im radsportverrückten Italien, nachdem sie im August in der Schweiz abgesagt wurde. Man wird dort ebenso verfahren wie bei der Tour und hofft das Beste in puncto Pandemiebekämpfung.

Tour de France trotz Corona ein mitreißendes Etappenrennen

Und es war von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ein rassiges, ja zuweilen mitreißendes Etappenrennen auf einem der härtesten Kurse der letzten Jahre. Der allseits prognostizierte Zweikampf der beiden Supermannschaften Ineos und Jumbo-Vismar wurde es nicht. Das konnte man schon sehr bald erkennen.

Obwohl die Pyrenäen als erstes der beiden französischen Hochgebirge - so ist es üblich - nur zwei entschärfte Etappen boten, zeigte sich schon dort, dass der Kolumbianer Egal Bernal nicht in der Form war, seinen Titel zu verteidigen.

Egan Bernal fällt ab

Auf die beiden Altmeister und früheren Gesamtsieger Chris Froome und Geraint Thomas hatte man bei Ineos verzichtet und alles Vertrauen dem Youngster Bernal geschenkt - der jedoch verlor schon auf der Etappe im Zentralmassiv am ultrasteilen Pas de Perol Sekunden, und zwei Tage später am Grand Colombier viele Minuten.

So wurde es ein anderes Duell. Eines zwischen Landsleuten. Aus einem Land, das bisher nicht gerade für Radsport der Extraklasse stand: Slowenien. Primoz Roglic, 30 Jahre, Umsteiger vom Skispringen und Späteinsteiger in den Profi-Radsport, gegen Tadej Pogacar, 21 Jahre, Wunderknabe und großes Radtalent von klein auf.

Zweifel bleiben

Pogacar brachte es fertig, Roglic in dessen bestens funktionierendem Team Jumbo-Vismar zuerst einige Nadelstiche zu versetzen (er gewann die Hochgebirgsetappen in Laruns/Pyrenäen und am Grand Colombier/Jura), und entriss ihm dann im entscheidenden Bergzeitfahren den Gesamtsieg.

Eine solch ungewöhnliche Konstellation erstaunt und nährt auch gewisse Zweifel, gerade in einer Sportart mit so vielen Dopingfällen wie dem Radsport. Zufällig begann in der letzten Tourwoche auch der Prozess gegen den Erfurter Sportmediziner Mark S. (Stichwort: Operation Aderlass), dem auch Kontakte nach Slowenien nachgesagt wurden.

Recherchen im Dopingskandal stocken

Natürlich dementierte Roglic entsprechende Fragen, streitet jeden Kontakt zu den Hintermännern ab. Ihm und Pogacar kann auch bislang nichts nachgewiesen werden. Der Welt-Radsportverband UCI hatte 2019 vollmundig Recherchen angekündigt, doch scheint er zuletzt nicht mehr vorangekommen zu sein in dieser Angelegenheit.

Bleibt nur zu hoffen, dass das Gelbe Trikot (und nicht nur das) auch durch weitere Recherchen und verbesserte Analysemethoden nicht noch nachträglich aus den Siegerlisten gestrichen werden muss.

Die Gewinner der Tour de France 2020

  • Gelbes Trikot (Gesamtsieger): Tadej Pogacar (Slowenien)
  • Grünes Trikot (Sprintwertung): Sam Bennett (Irland)
  • Gepunktetes Trikot (Bergwertung): Tadej Pogacar
  • Weißes Trikot (bester Jungprofi): Tadej Pogacar

Die knappsten Entscheidungen über den Tour-Gesamtsieg

  • 0:08 1989 Lemond (USA) vor Fignon (Frankreich)
  • 0:23 2007 Contador (Spanien) vor Evans (Australien)
  • 0:38 1968 Janssen (Niederlande) vor van Springel (Belgien)
  • 0:40 1987 Roche (Irland) vor Delgado (Spanien)
  • 0:48 1977 Thevenet (Frankreich) vor Kuiper (Niederlande)
  • 0:54 2017 Froome (Großbritannien) von Uran (Kolumbien)
  • 0:55 1964 Anquetil (Frankreich) vor Poulidor(Frankreich)
  • 0:58 2008 Sastre (Spanien) vor Evans (Australien)
  • 0:59 2020 Pogacar (Slowenien) vor Roglic (Slowenien)

Straßenrad-WM in Imola -
Einzelzeitfahren der Frauen
 

Das Einzelzeitfahren der Frauen über 32 Kilometer; Kommentar: Peter Leissl.

Videolänge:
98 min
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