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Fußball | Fan-Proteste - 50+1 - ein Fall für England?

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Seit die Pläne für eine Super League bekannt wurden, laufen die englischen Fußball-Fans Sturm. Die Regierung will sich kümmern und schaut dabei auch auf die Bundesliga.

Demonstranten mit einem Schild "Fans not customers", umgeben von Polizeikräften.
Fans protestieren - und Premierminister Boris Johnson hat nun eine Sonderkommission angekündigt, die untersuchen soll, wie sie mehr Mitsprache bekommen können.
Quelle: AP (Matt Dunham)

Im englischen Fußballbusiness, in dem mit Milliarden jongliert wird, sind 105.785 keine große Zahl. Und doch: Beim Blick auf die Zahl 105.785 sollte der ein oder andere Premier-League-Klubboss ins Grübeln kommen.

Erfolgreiche Petition der Fans

So viele Unterschriften sammelte jüngst eine Petition für die Durchsetzung der 50+1-Regel nach deutschem Vorbild in England. Zur Orientierung: Ab 10.000 Unterschriften muss sich die Regierung zur Petition äußern, ab 100.000 Unterschriften das Parlament darüber debattieren. Die 105.785, sie ist klein, aber oho.

Seit die Pläne zur Gründung einer Super League öffentlich wurden, an der sich sechs englische Vereine beteiligten, gehen die Fans in England auf die Barrikaden. Es dauerte nur wenige Stunden, bis die Klubbosse von der Super League abließen. Den Protest beendet hat das aber nicht.

Fußballfans in England feierten das vorläufige Aus der Super League. Die gestern vereinbarten Änderungen in der Champions League könnten die Fairness ebenfalls gefährden.

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"Football is for you and me"

In Manchester wurde das Stadion gestürmt, die Partie von United gegen Liverpool abgesagt. Chelsea kündigte an, in Zukunft Fanvertreter in die Gremien aufzunehmen.

Und ebenfalls in Manchester boykottieren die Fans mit der Aktion #NotAPennyMore die Sponsoren Uniteds. Der Tenor: Football is for you and me - not for f***ing industry.  

Fanproteste haben Tradition in England

Neu ist das nicht, Fanproteste gab es in England schon immer. Als ein Investor den Wimbledon FC 2002 ins 100 Kilometer entfernte Milton Keynes verpflanzte, gründeten die Fans den Klub neu und bauten ihn als Graswurzelklub wieder auf.

2016 bestritt der AFC Wimbledon in der dritten Liga erstmals ein Punktspiel gegen ungeliebten Retortenbruder, da dieser aus der zweiten Liga abgestiegen war.

​Ungeliebtes Scheich-Engagement

Auch in Manchester gründeten die Fans mit "United of Manchester" einen Verein. Und als 2020 der Saudische Kronprinz Newcastle United übernehmen wollte, liefen die Fans sturm, der Deal scheiterte.

Beim FC Arsenal und auch bei Manchester United gibt es seit Jahren Proteste gegen die Besitzer. 

Verständnis in der Politik

Aber die aktuelle Welle scheint nachhaltiger, entschlossener. Manchesters Bürgermeister zeigte sich nach dem Platzsturm gar verständnisvoll: "Das könnte den Fußball zum Besseren verändern."

Premierminister Boris Johnson kündigte eine Sonderkommission an, die untersuchen soll, wie Fans mehr Mitsprache bekommen können. Staatssekretär Oliver Dowden nannte dabei Deutschland als Vorbild. 

Von der "Bauernliga" zum Vorbild?

Ob die 50+1-Regel im englischen Fußball durchsetzbar wäre, ist zweifelhaft. Denn den Investoren die Anteile wegzunehmen, sei juristisch schwierig, so Experten.

Ironisch wäre es schon, denn oft wurde die Bundesliga von englischen Fans als Farmers League (Bauernliga) bezeichnet, in der ein Klub auf dem Niveau der großen englischen Vereine spielt - und der Rest als Kanonenfutter dient. Taugt die Bauernliga nun als Vorbild?

Ob 50+1 oder nicht, die Proteste gehen weiter. Angus Yule, der Mann hinter der Petition, brachte das Empfinden der Fans auf den Punkt:

Die Jagd nach Profit nimmt den Menschen das Spiel weg.
Angus Yule

Einen Termin für die Diskussion im Parlament gibt es übrigens noch nicht.

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