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Vettel stiehlt Ferrari die Schau

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Wechsel zu Aston Martin - Vettel stiehlt Ferrari die Schau

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Sebastian Vettels Vertragsunterschrift bei Aston Martin verdrängt das Ferrari-Jubiläum aus den Schlagzeilen: Passende Ironie zur Krise der Scuderia.

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel fährt auch 2021 in der Formel 1.

Ferrari hatte sich das so schön ausgemalt: 1.000. Grand Prix der Teamgeschichte, das große Jubiläum, beim Heimrennen in Mugello, wo zum ersten Mal überhaupt ein Grand Prix ausgetragen wird, auf einem Kurs, den Ferrari gerade in der Vergangenheit oft als Teststrecke nutzte. Ein großer PR-Erfolg sollte es werden, einer den das italienische Traditionsteam gerade jetzt, wo es in der größten Krise seit Jahrzehnten steckt, hätte gut gebrauchen können.

Und dann macht Sebastian Vettel mit der Bekanntgabe seiner Unterschrift bei Aston Martin ab 2021 der ganzen schönen Planung einen Strich durch die Rechnung. Dass Ferrari in Mugello mit einer speziellen burgunderroten Lackierung antritt, die an die Farben bei der Premiere 1950 erinnern soll, dass Mick Schumacher am Wochenende ein paar Runden im 2004er-Ferrari seines Vaters drehen soll - das interessiert im Moment deutlich weniger als Vettels Zukunft.

Vettel wird zum Spielverderber

Dass ausgerechnet jener Sebastian Vettel, der sich auch in sehr schwierigen Zeiten immer loyal gegenüber Ferrari verhalten hatte, und der zum Dank dafür im Mai von Teamchef Mattia Binotto ziemlich stillos vor die Tür gesetzt wurde, jetzt zum Spielverderber wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. 

Denn gerade am Umgang mit Vettel zeigt sich ja einer der Gründe nicht nur für den Absturz von Ferrari im Jubiläumsjahr, sondern generell für die ausbleibenden Erfolge der jüngeren Vergangenheit: mangelnde Management-Qualitäten an der Spitze. Keinem der letzten Ferrari-Teamchefs ist es mehr gelungen ist, eine wirklich konstruktive, offene Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der auf Herausforderungen mit kreativen Lösungen reagiert werden kann, wie das etwa bei Mercedes unter Toto Wolff der Fall ist.

Ferrari-Management schon lange im Argen

Stattdessen dominieren Druck und Angst - was dann zu Fehlern und Chaos führt, auf allen Seiten. Ob bei Strategen, Mechanikern oder auch den Fahrern. Das fing unter Maurizio Arrivabene an, mit Mattia Binotto wurde es nicht besser. Ein wirklich funktionierendes Management gab es eigentlich letztmals zu Michael Schumachers Zeiten mit der internationalen Führungsspitze mit Jean Todt und Ross Brawn. Auch eine Ironie der Historie: Das Datum des ersten Schumacher-Rücktritts und damit dessen Abschied von Ferrari liegt genau 14 Jahre zurück - der 10.9.2006.

Die Nestwärme, die er dringend gebraucht hätte, bekam Sebastian Vettel bei Ferrari von ganz oben zuletzt immer weniger. Technische Unterstützung auch nicht unbedingt: Neue Top-Ingenieure von außen wurden in den letzten Jahren auch nicht geholt - ein Punkt, den auch Ex-Ferrari-Boss Luca di Montezemolo kürzlich deutlich kritisierte. Dazu der gravierende Fehler, das Konzept des 2020er-Autos rund um eine Motoren-Überlegenheit anzulegen, die sich seit dem Einschreiten der FIA im Winter gegen die illegalen Ferrari-Tricksereien ins Gegenteil verkehrt hat.

Vettel am Ende der Gewinner?

Vettel könnte im Nachhinein über seinen unfreiwilligen Abgang gar nicht so unglücklich sein. Denn durch das Corona-bedingte Reglement, dass aus Kostengründen für 2021 kaum weiterentwickelt werden darf, ist bei Ferrari zumindest mittelfristig kaum Besserung in Sicht. Zumindest nächstes Jahr scheint der viermalige Weltmeister nach momentanem Stand der Dinge bei Aston Martin die besseren Erfolgsaussichten zu haben. Dann – wahrscheinlich in traditionellem Aston-Grün – dem noch traditionelleren Ferrari-Rot davon zu fahren, wäre wohl noch mehr Genugtuung als das verpatzte Jubiläum.

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