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Skisprung | Vierschanzentournee - Neue Regeln, neue Sieger

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Vor dem Auftakt der 69. Vierschanzentournee in Oberstdorf hat Überflieger Ryoyu Kobayashi seine Dominanz verloren. Grund ist eine Regeländerung.

Ryoyu Kobayashi bei der Skiflug-WM am 10. Dezember 2020 in Planica.
Auch bei der Skiflug-WM im Dezember 2020 in Planica lief es nicht gut für Ryoyu Kobayashi: Er wurde nur 19.
Quelle: imago images / GEPA pictures

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, als Ryoyu Kobayashi bei der Vierschanzentournee alle vier Springen gewonnen hat. Auch im Vorjahr startete der Japaner mit einem Sieg in Oberstdorf in den Skisprung-Grand-Slam.

Kobayashi nur 16. im Weltcup

In diesem Winter jedoch rechnet bei der Tournee (Qualifikation und Springen in Oberstdorf live im ZDF) kaum einer mit dem Überflieger - Kobayashi liegt im Gesamtweltcup gerade mal auf Platz 16.

Sein einzigartiger Flugstil funktioniert nicht mehr so wie früher - und das hat vor allem etwas mit den vor dieser Saison eingeführten Regeländerungen zu tun. Die für eine perfekte Position im Flug wichtigen Keile im Schuh sind jetzt in der Größe begrenzt und müssen an beiden Füßen symmetrisch sein.

Warum springt Ryoyu Kobayashi so weit? ZDF-Experte Toni Innauer nennt drei Gründe. Einer davon ist: "Er beginnt sofort zu fliegen."

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Eisenbichler: Gut, dass die Regel da ist

"Es ist extrem gut, dass die Regel da ist. Der Kobayashi hatte Dinger drin, die waren uferlos", sagt der dreimalige Weltmeister Markus Eisenbichler ungewohnt offen. Der Bayer hat in diesem Winter schon zwei Siege auf dem Konto. Der quasi aus dem Nichts aufgetauchte Norweger Halvor Egnar Granerud sogar fünf.

Die neuen Keil-Regeln haben den Skisprung-Zirkus durcheinandergerüttelt. Auch Karl Geiger, Gesamtweltcup-Zweiter des vergangenen Winters und neuer Skiflug-Weltmeister, musste sein Material verändern: "Die Keile, die ich verwendet habe, waren nicht mehr konform. Aber das ist gut so, schließlich ist das Skispringen dadurch sicherer geworden."

Reaktion auf Kreuzband-Knieverletzungen

Genau das war auch der Hauptgrund der Regel-Anpassungen. "Die Unterschenkel der Springer wurden durch die Schuhe und Keile nach vorn innen geführt. Damit konnte man die Ski in der Luft wunderschön plan in den V-Stil legen", erklärt die Skisprung-Legende Martin Schmitt.

Je nach physiologischen Voraussetzungen waren die Keile an beiden Füßen auch unterschiedlich groß. Das führte zwar zu mehr Stabilität und aerodynamischen Vorteilen in der Luftfahrt. Dafür krachte es bei der Rückkehr auf den Boden umso häufiger, weil das durch die extreme Materialwahl eine physiologisch normale Landung extrem schwierig geworden war.

David Siegel erleidet nach seinem Sturz beim Weltcup in Zakopane einen Kreuzbandriss

Sport | Wintersport - Skispringen: Es kracht zu oft im Knie 

Skispringen ist eine gefährliche Sportart. So haben sich zuletzt die Knieverletzungen nach der Landung gehäuft. Jetzt fordern die Olympiasieger Andreas Wellinger und Martin Schmitt Regeländerungen.

Absprung ist wieder wichtiger

Es gab eine Serie von schweren Kreuzband-Knieverletzungen, von denen im deutschen Team unter anderem die Skisprung-Olympiasieger Andreas Wellinger und Severin Freund sowie Stephan Leyhe betroffen waren.

Die kleineren und symmetrischen Keile sorgen nun dafür, dass man nicht mehr wie einst Kobayashi katapultartig nur nach vorn rausspringen und sich aufs Luftpolster legen kann. Ein kräftiger Absprung ist wieder wichtiger geworden.

Man hat weniger Sorge, jeder hat jetzt das gleiche Material. Da kann man sich die Gedanken darum sparen.
Markus Eisenbichler

Stetige Weiterentwicklung

Die neueste Regeländerung steht in einer Reihe von vielen, die den Sport und seine Sieger nachhaltig verändert haben. 2004 wurde zum Beispiel die Body-Mass-Index-Regel (BMI) eingeführt. Es war die Reaktion auf die Tendenz zum Hungern im Skispringen, die zum Beispiel den letzten deutschen Tourneesieger Sven Hannawald (2002) in die Magersucht getrieben hatte.

Er wog bei 1,84 Metern Größe nach offiziellen Angaben nur noch 64 Kilo. Wer leicht ist und mehr Tragfläche hat, fliegt besser. Deshalb müssen Springer, die unter dem vorgeschriebenen BMI von 21 liegen, schon seit langem kürzere Ski benutzen.

Martin Schmitt und Sven Hannawald dominieren 1998 bis 2002 das Skispringen fast nach Belieben. Häufig stehen sie gemeinsam auf dem Podium, mal der eine ganz oben, mal der andere.

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Der Simon-Ammann-Trick

Natürlich wurde weitergetüftelt: Und der Schweizer Simon Ammann landete den größten Coup. Er entwickelte vor Olympia 2010 in Vancouver einen gekrümmten Bindungsstab, der eine bessere Flugposition ermöglichte. Ammann gewann zwei Mal Gold, büßte seinen Vorteil aber schnell ein und verlor seine Überflieger-Position, als auch die Konkurrenz die neue Technologie nutzte.

Die Keile waren nun die jüngste Evolution in der Formel 1 des Winters, die auch nach den jüngsten Regeländerungen sicher weitergehen wird.

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