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Bensemann-Cup in Nürnberg : Mit Fußball Geschichte lernen

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Acht Top-U17-Teams aus fünf Ländern spielten beim Walther-Bensemann-Cup 2022 in Nürnberg. Dabei ging es nicht nur um Fußball, sondern auch um Geschichtsvermittlung.

Pokalübergabe durch die die Zeitzeugin und Holocaust-Überlebende Eva Szepesi und Nürnbergs OB Marcus König.
Eva Szepesi, Holocaust-Überlebende, übernahm die Siegerehrung. Nürnbergs OB Marcus König (links) war bei dem Turnier ebenfalls vor Ort.
Quelle: R. Lorenzen

Als die englischen Fußball-Frauen am Sonntagabend zum Tom-Jones-Klassiker "Sweet Caroline" um den EM-Pokal tanzten, erklang Englands neue Fußball-Hymne nicht zum ersten Mal an diesem Tag. Schon am frühen Nachmittag feierten die Jungs der U17 vom FC Chelsea ihren Sieg beim Walther-Bensemann-Gedächtnisturnier auf dem Gelände des 1. FC Nürnberg zu dem Gute-Laune-Song.

Erster Schritt zum Ballon d‘Or?

Mittendrin freute sich Tyrique George zusätzlich über seine Wahl zum besten Spieler. Einen Tag zuvor saß Englands Juniorennationalspieler in einem Workshop und antwortete auf die Frage nach seinem größten Ziel trocken: "Ballon d'Or". Also: Weltfußballer werden.

"Wir haben darüber gesprochen, dass Fußball vor allem Leidenschaft und Liebe ist", sagt Tal Kakun, Spieler bei Maccabi Tel Aviv, der ebenfalls an dem Workshop mit dem ungarischen Rom Istvan Mezei teilnahm.

Workshop mit Istvan Mezei, Gründer der Janos Farkas-Fußball-Akademie für ungarische Roma
Beim Workshop mit Istvan Mezei (Mitte), Gründer der Janos Farkas-Fußball-Akademie für ungarische Roma, hörten die Jungs gespannt zu.
Quelle: R. Lorenzen

Mezei hatte erzählt, wie er aus ärmsten Verhältnissen kommend zum Gründer einer Fußballschule für junge Roma in Ungarn wurde. Der Unterschied zwischen der Janos-Farkas-Akademie, in der Mezei finanziell um jeden Forint kämpfen muss, und den Elite-Akademien könnte größer kaum sein - die Top-Talente aus London, Bologna, Krakau und Tel Aviv hingen trotzdem an den Lippen des 75-Jährigen.

Besondere Kombination bei Bensemann-Turnier

"Die Kombination von Fußball und Bildung war etwas Besonderes“, sagt Max Babinousch, der Torwarttrainer von Maccabi Tel Aviv, zum Konzept des Turniers:

Die Botschaft an einige der besten Mannschaften in Europa ist: Wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen.
Max Babinousch, Torwarttrainer von Maccabi Tel Aviv

Einige der letzten Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermordes waren als Zeitzeugen die Ehrengäste des Turniers. So wie Ernst Grube, der davon erzählte, wie der Fußball ihm half, mit den Erfahrungen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt zu leben.

Oder der zweifache Olympiateilnehmer Shaul Paul Ladany, der nicht nur das KZ Bergen-Belsen überlebte, sondern auch 1972 das Massaker im Olympischen Dorf. Und Eva Szepesi, die berichtete, wie sie als Zwölfjährige Auschwitz überlebte. Beim Turnier, das die Intitiative !NieWieder und Makkabi Deutschland in Gedenken an den Fußball-Pionier Walther Bensemann veranstalteten, übernahm sie außerdem die Auslosung sowie die Siegerehrung.

Beeindruckende Zeitzeugen

"Die Zeitzeugenberichte haben mich sehr beeindruckt", sagte Lennart Pohlmann, der Torwart der U17 des 1. FC Nürnberg, am Rande des Finales: "Was sie alles durchmachen mussten. Zvi Cohen war zwei Jahre im KZ. Er hat jeden Tag gehungert. Und Walter Frankenstein musste sich 25 Monate in Deutschland verstecken. Unvorstellbar."

Wenn es dir jemand erzählt, der es tatsächlich erlebt hat, wirkt es ganz anders, als wenn es einem der Lehrer erzählt.
Lennart Pohlmann, Torwart der U17 des 1. FC Nürnberg

Wie aufs Stichwort kam einer vorbei, der selbst einmal Lehrer war, aber als "Stimme Frankens" bekannt wurde: Radio-Reporter Günther Koch, der daran mitgewirkt hat, dieses Turnier ins geschichtsträchtige Nürnberg zu holen.

Jahrzehnte nach Kriegsende stehen sie immer noch: Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Zu entdecken sind besonders protzige und prominente Nazi-Relikte in München und Nürnberg.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Während des Bildungsprogramms führte er zwei Gruppen über den Bahnhof Märzfeld. "Im November 1941 und Februar 1942 sind von dort aus 1.600 jüdische Mitbürger ins Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert worden. Nur 72 haben überlebt", sagte Koch.

Die Jungs waren sehr betroffen und interessiert. Wir haben sogar eine Gedenkminute eingelegt.
Günther Koch

Tröstende Worte der "Stimme Frankens"

Als sich am Vorabend des Finales beim Empfang der Stadt Nürnberg im Alten Rathaus ein Spieler des 1. FC Nürnberg bei Koch für dessen Worte bedankte, bezog er sich allerdings auf den sportlichen Teil des Turniers. Der Spieler hatte im letzten Vorrundenspiel eine entscheidende Großchance vergeben.

Gegenüber sportstudio.de verriet Koch, was er dem Pechvogel gesagt hatte. "Die einfachsten Situationen sind im Fußball in der Regel die schwierigsten. Wenn du das überstehst, passiert dir das in einem Länderspiel nicht."

Und dann folgte ein Satz, der zu beiden Seiten des Turniers passte: "Du kannst nur daraus lernen, das kann rückblickend für dich ein ganz entscheidender Gewinn gewesen sein."

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