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Abstieg nach 41 Jahren - Abstieg als Endpunkt eines Erosionsprozesses

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Mit Werder Bremen verschwindet ein weiterer Traditionsklub aus der 1. Bundesliga. Der Abstieg ist der Endpunkt eines langen Prozesses, den auch Thomas Schaaf nicht stoppen konnte.

Frank Baumann (Geschäftsführer Fußball Werder Bremen) schaut aus dem Spielertunnel zu am 08.05.21.
Werders Klubführung um Sportchef Frank Baumann blicht unruhigen Zeiten entgegen.
Quelle: Imago

Mit Thomas Schaaf sollte am letzten Bundesliga-Spieltag der Geist einer vergangenen, erfolgreichen Epoche die Werder-Mannschaft noch einmal zum Klassenerhalt beflügeln. Aber selbst die Trainer-Ikone schaffte es nicht, dem verunsicherten Team genug Widerstandkraft einzuhauchen, um den ersten Bundesliga-Abstieg seit 41 Jahren zu vermeiden. Immerhin brachte er in kargen Worten nachher die Stimmungslage der ganzen Stadt auf den Punkt:

Es ist eine Riesenenttäuschung und Leere in mir.
Thomas Schaaf

Für Momente absolute Stille

Ob im Stadion, wo 100 Vereinsmitarbeiter*innen die 2:4-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach verfolgt hatten, oder draußen auf dem Osterdeich: für Momente war es um 17:20 Uhr still in der Stadt. Wer sich an der Weser auch nur entfernt für Fußball interessiert brauchte einen Augenblick, um den unausweichlichen Gedanken an sich heranzulassen: Werder ist abgestiegen. Knapp die Hälfte der Einwohner*innen sind jünger als 40 Jahre: sie kennen ihren Klub nur als Mitglied der 1. Bundesliga.

Da half auch die massive Fan-Treue nichts: Werder Bremen ist aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Jubel dagegen in Bielefeld, Erleichterung in Köln.

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So genau sich der Zeitpunkt des tabellarischen Abstiegs des Traditionsklub fixieren lässt, so vielfältig sind die Ansichten, wann der Prozess eingesetzt hat, der dahin geführt hat.

Schon vor zehn Jahren, mit dem erstmaligen Verpassen der Champions-League? Oder doch erst mit dem Abgang von Max Kruse, mit dem Werder vor zwei Jahren nochmal fast in die Europa-League gekommen wäre? Unbestritten ist, dass Werder schon länger zu den Bundesliga-Klubs gehört, die sich aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten keinen Fehler erlauben dürfen, um den Abstieg zu vermeiden.

Elf Punkte weg vom Abstiegsplatz

Und Fehler wurden vor und während dieser Saison zu viele gemacht. Die letztjährige Zittersaison mit der Rettung in der Relegation wurde im Nachhinein zu leichtfertig als Betriebsunfall abgetan. Zu sicher war man sich in der Klubführung, mit Trainer Florian Kohfeldt eine Konstellation geschaffen zu haben, mit der man auch die Abgänge von zwei der stabilsten Säulen, Davy Klaassen und Kevin Vogt, kompensieren könnte.

Ein Plan, der bis zum 24. Spieltag, nach dem Werder elf Punkte vom Abstiegsplatz entfernt war, aufging. Der Erosionsprozess begann genau in dem Augenblick, als Mannschaft und Umfeld sich mental vom Abstiegskampf verabschiedeten und von besserem Fußball träumten. Die Klubführung redete die Situation lange schön und lavierte unentschlossen in der Trainerfrage herum. Bis sie der Mannschaft am letzten Spieltag Klub-Ikone Thomas Schaaf als letzten Strohhalm reichte.

Thomas Schaaf ist zurück bei Werder Bremen. Der langjährige Werder-Trainer soll seinen "Herzensklub" vor dem zweiten Abstieg der Vereinshistorie bewahren.

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Drückende Schuldenlast

Doch da war keiner auf dem Platz, der ihn hätte greifen können. Schaaf selbst war es, der gleich nach Antritt zu seiner Kurzmission die Stimmung auf den Punkt brachte: "Wir haben zu viel über uns ergehen lassen", sagte er und meinte damit die Mannschaft, hätte das aber genauso auf die Klubführung münzen können.

Die muss dem trauernden Anhang nun erklären, wie der mit 75 Millionen Euro Verbindlichkeiten belastete Klub "die Rahmenbedingungen schaffen will, dass wir direkt wieder aufsteigen können", wie es Sport-Geschäftsführer Frank Baumann kurz nach dem Abstieg verkündete. Es gibt bereits jetzt Stimmen, die vor einem noch tieferen Fall warnen, den andere Traditionsklubs wie der 1. FC Kaiserslautern bereits hinter sich haben.

Baumann will bleiben, Bode lässt eigene Zukunft offen

Offen ist auch, wie die Klubführung personell aus dieser Situation herauskommt. Der Vorstand um Sportchef Frank Baumann will zwar bleiben, aber eine Stunde nach Spielschluss forderte eine wütende Menge vorm Stadion dessen Rücktritt.

Der Aufsichtsrat muss sich im September der Wiederwahl stellen, Aufsichtsratsboss Marco Bode ließ es am Sonntagmorgen offen, ob er sich dann der Wiederwahl stellt. Die vielbeschworene Werder-Familie hat in den letzten Jahrzehnten vieles geräuschlos geregelt. Jetzt drohen unruhige Zeiten.

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