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Fan-Aufläufe bei Geisterspielen? - Hamburger Ultras: Wir halten still

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Für die von der Polizei befürchteten Fanaufläufe bei Geisterspielen gibt es keine Anzeichen. Auch Bremens Innensenator, der schon ein Geisterspiel verboten hat, ist gelassen.

11. März 2020: Mönchengladbacher Fans vor dem Stadion nach dem Sieg im Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln, das ohne Zuschauer ausgetragen wurde.
Mönchengladbacher Fans vor dem Stadion nach dem Sieg im Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln, das ohne Zuschauer ausgetragen wurde.
Quelle: Friedemann Vogel/epa-efe/shutter

Bevor die Meldung über Sars-CoV-2-infizierte Spieler bei Dynamo Dresden den Geister-Spielplan der DFL ins Wanken brachte, schien die größte Gefahr für eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison von möglichen Fanansammlungen vor den Stadien auszugehen.

Innensenator lehnt Polizeieinsatz ab

Nach dem bisher einzigen Geisterspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln hatten hunderte Fans vor dem Stadion gefeiert. Aus Sorge vor ähnlichen Szenen hatte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer das Spiel von Werder gegen Bayer 04 Leverkusen schon vor der generellen Saison-Unterbrechung verboten. 

Diese klare Haltung kündigte Mäurer auch für die Zukunft an. "Die Gesundheit meiner Mitarbeiter zu gefährden, nur um eine Demonstration von Fans aufzulösen. Das ist völlig abwegig", sagte er dem "Weser-Kurier". "Dann ist es eher angemessen, auf Geisterspiele zu verzichten."

Video: Geisterspiele - Notwendiges Übel oder ein Unding?

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Ultras fühlen sich denunziert

Die Bremer Ultra-Gruppe Caillera sah in den Aussagen Mäurers "eine Denunziation jener Gruppen, die seit Jahren gesellschaftliches Engagement leben und in den vergangenen Wochen all diejenigen unterstützt haben, die der soziale Struggle rund um die Covid19-Pandemie gerade hart trifft."

Dennoch wird in der Öffentlichkeit weiter darüber spekuliert, ob die Teile der Fanszene, die Geisterspiele ablehnen, versuchen könnten, diese durch ihre Anwesenheit zu verhindern.

Fanforscher Jonas Gabler ärgert sich über die öffentlich geäußerten Befürchtungen. "Diese Gruppen haben mit ihrem Engagement in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie so vernünftig sind, dass man nun - bei allem Ärger über mögliche Geisterspiele - nicht zu so einem unvernünftigen Mittel greift", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Kein Auflauf, keine Fahnen

Anders als beispielswiese in der Frage der Pyrotechnik drücken die Ultras bei den Geisterspielen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung aus. Sie nutzen aktuell die Chance, sich als den Teil des Event-Fußballs zu positionieren, der es mit der gesellschaftlichen Verantwortung ernst  nimmt.

"Wir können die Geisterspiele nicht verhindern, aber wir werden kein bisschen dazu beitragen, diesen Spielen einen positiven Rahmen zu verleihen", schreibt die einflussreiche HSV-Ultra-Gruppe castaways.

Im Klartext: kein Auflauf vor dem Stadion, aber auch keine Fahnen oder sonstige Stimmungssimulation im Stadion. "Zu guter Letzt hoffen natürlich auch wir, dass die Mannschaft die kommenden Spiele auch ohne den vielzitierten ‚zwölften Mann‘ erfolgreich bestreitet", so die Ultra-Gruppe. Eine Drohkulisse hört sich anders an.

Innensenator wartet ab

Auch Bremens Innensenator Mäurer ist mittlerweile gelassener. "Wir haben keine Hinweise, dass es zu Versammlungen oder Auseinandersetzungen kommt", sagt er: "Deswegen warten wir die Entwicklung ab und schauen uns das an."

Eine größere Gefahr für gesundheitsgefährdende Verstöße gegen das Kontaktverbot geht nach Meinung vieler von den TV-Zuschauern aus, die über kein Pay-TV-Abo verfügen und das Spiel ihrer Mannschaft bei Freuden in voller Länge angucken.

Video: Die Bedenken von Fan-Sprechern

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