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Skiflug-WM in Planica - Grenzerfahrung bei 250 Metern

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Mit der Skiflug-WM in Planica steht am Wochenende der erste Höhepunkt einer außergewöhnlichen Saison an. Es wartet eine Grenzerfahrung zwischen Faszination und (Sturz)-Albtraum.

Skiflugschanze in Planica
Grenzerfahrung: Die Skisprungschanze in Planica
Quelle: pr

Eine Skiflug-Weltmeisterschaft zu Saisonbeginn - da hatte selbst Gianfranco Kasper anfangs Bedenken. Der Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS sorgte sich nach der coronabedingten Verlegung der Titelkämpfe von Planica aus dem März auf dieses Wochenende (live im ZDF) um die Gesundheit der Athleten.

Normalerweise findet Skifliegen nämlich immer Richtung Saisonende statt - wenn die besten Flieger der Welt viele Schnee-Sprünge absolviert haben und sicher sind. Das ergibt Sinn: Skifliegen auf gigantischen Schanzen mit Weiten bis zu 250 Metern ist das vielleicht größte Abenteuer im Sport.

"Wahnsinniges Kribbeln"

Nach der Landung sind die Sportler deshalb voller Adrenalin und schwärmen von der einmaligen Erfahrung der bis zu acht Sekunden langen Luftfahrt. Der deutsche Skiflug-Rekordler und WM-Mitfavorit Markus Eisenbichler beschreibt das Gefühl als "wahnsinniges Kribbeln, wenn du auf die letzte rote Linie zufliegst".

Man müsse beim Flug einfach "volle Rotze anschieben", hat er nach seinem deutschen Rekordflug auf 248 Meter gesagt. Und sich gleich danach für seine Wortwahl entschuldigt.

Nach dem ersten Durchgang auf Platz 1, am Ende 28.: Eine heftige Windböe hat Markus Eisenbichler beim Skisprung-Weltcup in Nischni Tagil einen Strich durch die Rechnung gemacht

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Flüge über 300 Meter möglich

Aber wo sind eigentlich die Grenzen? Den Weltrekord hält seit 2017 der Österreicher Stefan Kraft mit 253,5 Metern. Er flog die Bestweite im norwegischen Vikersund, wo der momentan größte Bakken der Welt steht. Allerdings ist auch der Österreicher Gregor Schlierenzauer in Planica 2018 schon einmal so weit geflogen, musste nach der Landung allerdings in den Schnee greifen.

ZDF-Reporter Julius Hilfenhaus bietet einen Einblick in den Trainings- und Wettbewerbsalltag der deutschen Wintersport-Athletinnen und Athleten in Zeiten der Corona-Pandemie.

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Sven Hannawald hält sogar Flüge über 300 Meter für möglich: "Mit den aktuellen Schanzen ist das zwar nicht möglich. Es wird weiter vorwärts gehen, aber in kleinen Schritten, die man überwachen kann.

Ich glaube aber, dass die 300 Meter irgendwann übersprungen werden.

Skiverband reglementiert Flugschanzen

Derzeit reglementiert der Internationalen Skiverband FIS die Größe der weltweit fünf sprungbereiten Flugschanzen (Planica, Kulm, Oberstdorf, Vikersund und Harrachov). Es soll keine Rekordjagd um jeden Preis geben. Physikalisch sind dem Abenteuer Skifliegen jedoch (fast) keine Grenzen gesetzt.

Der österreichische Universitätsprofessor Wolfram Müller hat schon 1997 unter den Titel "Skisprung-Utopie" eine wissenschaftliche Abhandlung verfasst. Sein Fazit: "Beim Skifliegen nimmt der Skispringer ab ungefähr 200 Metern einen fast konstanten Gleitwinkel ein."

Vom Standpunkt der Physik und der Aerodynamik ist ein 400-Meter-Sprung nicht auszuschließen.
Wolfram Müller, Universitätsprofessor in einer wissenschaftlichen Abhandlung

Grenzerfahrung und Sturzgefahr: Landung mit 130 km/h

Allerdings würden die aerodynamischen Kräfte wegen des im Quadrat steigenden Luftwiderstands irgendwann immer schwieriger zu beherrschen sein. Schon jetzt heben die Flieger mit etwa 100 Stundenkilometern vom Schanzentisch ab und landen nach bis zu acht Sekunden Flug mit 130 Sachen - die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. Die Belastung bei der Landung beträgt bis zu 5 G - das entspricht einem freien Fall aus 2,5 Metern Höhe.

Vielleicht noch wichtiger: Mit den mentalen Anforderungen bewegt man sich beim Skifliegen im Grenzbereich. Beim Flug durch die Lüfte auf zwei nur 11,5 Zentimeter breiten Flughilfen geht der Puls hoch bis 180, der Adrenalinausstoß erreicht wie bei Menschen in Todesangst oder Jetpiloten vor der Landung das Vierfache des normalen Wertes.

Diesmal hat's nicht zum Sieg gereicht, doch auch mit Platz 2 im zweiten Wettbewerb von Ruka hat Markus Eisenbichler gezeigt: Er springt derzeit in einer eigenen Liga.

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Es ist eine Gratwanderung zwischen Hochgefühl und Krankenhaus, zwischen Traum und Albtraum: Wie schlimm ein Sturz enden kann, hat der jeweils dreimalige Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister Thomas Morgenstern einst am Kulm erlebt. Er hatte sich in der Luft überschlagen, war aus großer Höhe auf den Hang gekracht und zog sich neben einer Lungenquetschung auch eine Schädelprellung zu.

Ich bin extrem dankbar, dass ich noch am Leben bin.
Thomas Morgenstern nach seinem Sturz
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