Skispringen: Favoritencheck für die Vierschanzentournee

    Favoritencheck für die Tournee:Kubacki, Kraft … oder doch ein Deutscher?

    von Lars Becker
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    Wer gewinnt die 71. Vierschanzentournee? Ein großer Favorit wird immer wieder genannt. Die deutschen Skispringer starten als Außenseiter.

    Siegerehrung beim Weltcup in Titisee-Neustadt
    Anze Lanisek (Zweiter), Dawid Kubacki (Erster) und Stefan Kraft (Dritter) jubeln auf dem Podest in Titisee-Neustadt, wo der letzte Wettbewerb vor der Tournee über die Bühne ging.
    Quelle: dpa

    Wann gewinnt ein deutscher Skispringer wieder die Vierschanzentournee? Im Winter 2001/2002 stand Sven Hannawald als letzter Deutscher ganz oben. Es scheint unwahrscheinlich, dass er in der am 28. Dezember mit der Qualifikation in Obersdorf (16.30 Uhr/live im ZDF) beginnenden 71. Vierschanzentournee einen Nachfolger bekommt. Denn Favoriten sind andere.

    Dawid Kubacki (Polen/Siegwahrscheinlichkeit 25 Prozent)

    Der aktuelle Gesamtweltcup-Spitzenreiter reist als Favorit der Experten zum Skisprung-Grand-Slam. Vier von acht Saisonspringen im Weltcup hat der 32 Jahre alte Routinier gewonnen. Der Grund: Der schon immer absprungstarke Springer hat sich beim Übergang zum Flug und noch einmal deutlich verbessert.
    Für den 1,80 Meter großen Mann spricht, dass er die Tournee vor drei Jahren schon einmal gewonnen hat und deshalb die nötige Gelassenheit mitbringt. Allerdings sind große Favoriten bei der Tournee auch schon oft gescheitert: Zuletzt der im vergangenen Winter als Gesamtweltcup-Bester angetretene Karl Geiger.

    Zeit- und Sendeplan

    • 31.12.: Garmisch-Partenkirchen, Qualifikation (14 Uhr/live in der ARD)
    • 1.1.: Garmisch-Partenkirchen, 2. Tournee-Springen (14 Uhr/live in der ARD)
    • 3.1.: Innsbruck, Qualifikation (13.30 Uhr/live in der ARD)
    • 4.1.: Innsbruck, 3. Tournee-Springen (13.30 Uhr/live in der ARD)
    • 5.1.: Bischofshofen, Qualifikation (16.30 Uhr/live im ZDF)
    • 6.1.: Bischofshofen, 4. Tournee-Springen (16.30 Uhr/live im ZDF)

    Stefan Kraft (Österreich/Siegwahrscheinlichkeit 25 Prozent)

    Auch der nur 1,70 Meter große Stefan Kraft ist ein Tournee-Routinier, der den Saisonhöhepunkt vor acht Jahren schon einmal gewonnen hat. Vor allem die Auftakt-Schanze in Oberstdorf liebt der 29-Jährige, schließlich hat er hier seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert.
    Toni Innauer spricht mit dem österreichischen Weltklasse-Skispringer Stefan Kraft über Aha-Momente in Krafts Karriere und auch über Persönliches.05.01.2023 | 1:56 min
    Kraft ist ein Mann für die großen Momente: Er ist mit 253,5 Metern Skiflug-Weltrekordler, dazu dreimal Weltmeister, zweimal Gesamtweltcupsieger und hat bei Olympia 2022 mit dem Austria-Team Gold gewonnen. Seit seinem Triumph 2014/2015 hat kein Österreicher mehr die Vierschanzentournee gewonnen.

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    Anze Lanisek (Slowenien/Siegwahrscheinlichkeit 20 Prozent)

    Das außergewöhnliche Flugtalent von Anze Lanisek wurde mit Gold bei den Olympischen Jugendspielen 2012 offensichtlich. Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis er 2021 mit WM-Bronze auf der Normalschanze den Durchbruch schaffte. Das war in Oberstdorf, wo auf der Großschanze traditionell die Tournee beginnt.
    Nach Team-Gold bei der Skiflug-WM ist Lanisek in den vergangenen Wochen in der absoluten Weltspitze angekommen. Der große Flugkünstler feierte drei Weltcup-Siege. Die Frage ist: Wie kommt der 26-Jährige sieben Jahre nach dem letzten slowenischen Tournee-Sieg von Peter Prevc mit dem Druck zurecht?

    Halvor Egner Granerud (Norwegen/Siegwahrscheinlichkeit 10 Prozent)

    Halvor Egner Granerud bei der Siegerehrung nach dem Skisprung-Weltcup in Zakopane
    Halvor Egner Granerud: Wird er der erste norwegische Tourneesieger seit Anders Jacobsen vor 16 Jahren?
    Quelle: epa

    Halvor Egner Granerud gehörte schön häufiger zu den Mitfavoriten - allerdings fehlte ihm bislang die Konstanz zum großen Triumph. Und die Lockerheit, die der 26-Jährige in seiner wilden Jugendzeit schon nachgewiesen hat, als er nach einem Grillfest mit Freunden nackt von einer 60-Meter-Schanze heruntersprang.
    Seitdem hat Granerud in Norwegen den Spitznamen "Nakenhopperen" - der nackte Skispringer - weg. Viel lieber würde sich der begnadete Flieger jedoch mit dem Titel Tournee-Sieger schmücken - schließlich liegt der letzte norwegische Triumph von Anders Jacobsen schon 16 Jahre zurück.

    Deutsche Aussichten (Siegwahrscheinlichkeit 10 Prozent)

    Die deutschen Skispringer gehen nach durchwachsenen Leistungen diesmal als Außenseiter in Tournee-Rennen. Nur Karl Geiger hat es in diesem Winter als Dritter bisher einmal aufs Podest geschafft. Doch vielleicht ist das ein gutes Omen, denn im vergangenen Jahr reiste der Oberstdorfer als Gesamtweltcup-Spitzenreiter an und wurde am Ende "nur" Vierter.

    Ich weiß, dass andere Springer ein Stück voraus waren, aber ich habe mir schon viel vorgenommen. Es sind endlich wieder Zuschauer da und ich will den Kessel in Oberstdorf anheizen.

    Karl Geiger

    Für Überraschungen gut sind auch Andreas Wellinger, Markus Eisenbichler und Newcomer Philipp Raimund.
    Ein anderer Außenseiter (Siegwahrscheinlichkeit 10 Prozent)

    Kamil Stoch ist mit drei Gesamtsiegen der erfolgreichste Springer der vergangenen zehn Jahre.

    • 2021/2022: Ryoyu Kobayashi (Japan) … 4. Karl Geiger
    • 2020/2021: Kamil Stoch (Polen), 2. Karl Geiger
    • 2019/2020: Dawid Kubacki (Polen) … 3. Karl Geiger
    • 2018/2019: Ryoyu Kobayashi (Japan), 2. Markus Eisenbichler
    • 2017/2018: Kamil Stoch (Polen), 2. Andreas Wellinger
    • 2016/2017: Kamil Stoch (Polen) … 7. Markus Eisenbichler
    • 2015/2016: Peter Prevc (Slowenien), 2. Severin Freund
    • 2014/2015: Stefan Kraft (Österreich) … 6. Richard Freitag
    • 2013/2014: Thomas Diethart (Österreich) … 10. Andreas Wellinger
    • 2012/2013: Gregor Schlierenzauer (Österreich) … 6. Michael Neumayer

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