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Nach dem Bundesliga-Abbruch - Handball - ohne Zuschauer geht nichts

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Der Saisonabbruch ist beschlossen. Ab sofort geht es in der Handball-Bundesliga um die Planung der nächsten Serie. Ein Blick auf den THW Kiel zeigt, wie schwierig die Lage ist.

9. Juni 2019, Handball-Bundesliga: THW Kiel - TSV Hannover-Burgdorf: Spieler des THW Kiel laufen in die Sparkassen-Arena ein.
Rund 37 Prozent seines Etats bestreitet der THW Kiel durchs Ticketing.
Quelle: imago images / Philipp Szyza

Der eine Themenkomplex ist geregelt. Mit der Entscheidung der 36 Klubs der Handball-Bundesliga (HBL), die Saison 2019/20 abzubrechen, können sich die Profivereine ab sofort auf die Planungen der kommenden Serie konzentrieren.

Szenario für nächste Saison

Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann schwante jedoch schon am vergangenen Wochenende: "Das wird für alle Klubs sehr, sehr kompliziert werden." Es sei einfach kaum vorhersehbar, wie sich die Corona-Pandemie entwickle.

Bohmann und Spielleiter Andreas Wäschenbach haben drei verschiedene Szenarien für den Terminkalender entwickelt. Eine Variante etwa sieht vor, dass die HBL auch im Januar 2021 Spieltage austrägt. Dann aber steht die Weltmeisterschaft in Ägypten an. Und sollte Handball dann möglich sein, dürfte der Weltverband IHF kaum auf die Belange der HBL Rücksicht nehmen.

Zuschauer lebensnotwendig

Die Lage in der HBL ist deshalb so diffizil, weil ihre Klubs dringend auf die Zuschauereinnahmen angewiesen sind. Während die deutschen Fußball-Erstligisten lediglich rund 13 Prozent ihrer Etats mit Tickets erwirtschaften, liegen die Zuschauereinnahmen in der HBL oft bei über 50 Prozent.

Der größte Sponsor des Profihandballs ist der Zuschauer
Axel Geerken, Geschäftsführer der MT Melsungen

Auf der anderen Seite sind die TV-Erlöse in den Etats nur eine marginale Größe. Bei der HSG Wetzlar (Etat rund vier Millionen Euro) mache dies fünf Prozent der Einnahmen aus, erklärte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp.

Momentan kein Dauerkartenverkauf

Beim Branchenführer und neuen Deutscher Meister THW Kiel ist der Anteil noch niedriger. Der Rekordmeister muss völlig neu disponieren. Im Juni wird den "Zebras" plötzlich Liquidität in Millionenhöhe fehlen, da der Verein seine rund 9500 Dauerkarten aktuell nicht verkaufen kann.

Außerdem ist völlig, ob alle Sponsoren in der kommenden Saison ihren Zahlungen nachkommen können. Nur ein Beispiel: Die Branche der Tankstellenkette "Star", die den THW als Hauptsponsor mit rund 750.000 Euro jährlich unterstützt, ist erheblich unter Druck geraten. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi wird also, wie alle seine Kollegen, ins Blaue hinein kalkulieren müssen.

Geisterspiele keine Option

"Reine Geisterspiele wie im Fußball sind im Handball schlicht nicht umsetzbar", haben Szilagyi - wie auch ZDF-Experte Sören Christophersen - vor einem Monat gesagt. Aber um die Sponsorenleistungen zu erfüllen, dürfte Szilagyi gezwungen sein, über Geister-Partien in kleineren Hallen wie der Holstenhalle in Neumünster nachzudenken, um Kosten zu sparen.

Norwegens Sander Sagosen in Aktion.
Ab nächster Saison beim THW Kiel: Der Norweger Sander Sagosen.
Quelle: ÁP

In erster Linie aber muss er mit den Profis ab sofort über radikale Gehaltskürzungen für die Zeit ab 1. Juli verhandeln. Die 42.000 Euro Monatsgehalt, mit denen der THW angeblich den norwegischen Superstar Sander Sagosen aus Paris an die Förde gelockt hat, wird der THW angesichts der Corona-Krise kaum zahlen können.

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