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Corona-Krise "größte Herausforderung" für UN

Hunger, Kriege, Flucht: Im ZDFheute-Interview bezeichnet UN-Sprecherin Melissa Fleming die Folgen der Corona-Krise als größte Herausforderung für die UN seit ihrer Gründung.

5 min
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26.04.2020
26.04.2020

ZDFheute: Warum wird Corona Schwellenländer besonders hart treffen?

Melissa Fleming: Viele Länder sind nicht vorbereitet. Sie haben einfach die Ausrüstung nicht. Somalia zum Beispiel hat kein einziges Beatmungsgerät.

ZDFheute: In Entwicklungsländern sind die offiziellen Corona-Fallzahlen noch nicht so hoch. Trotz schlechter Gesundheitssysteme und schwacher Wirtschaft: Lockdown gibt es da auch. Wie lange halten die Ärmeren das aus?

Fleming: Wenn ein Tag Einkommen fehlt, droht der Hunger. Eine Hungerkatastrophe ist fast schon da. Laut unseren Zahlen gibt es Hunderttausende Menschen in der Entwicklungswelt, die jetzt schon große Angst haben, das Virus nicht zu überleben. Nicht, weil sie krank werden, sondern weil sie kein Geld mehr haben.

ZDFheute: Was heißt das für die Weltgemeinschaft?

Das ist die größte Herausforderung für die Vereinten Nationen seit ihrer Gründung vor 75 Jahren.
Melissa Fleming, UN

ZDFheute: Sind Länder zum Beispiel in Afrika denn grundsätzlich schlecht aufgestellt? Denn dort hat man ja - siehe Ebola - auch Erfahrung gewonnen mit Seuchen und Viren.

Fleming: Wir können auch von einigen Entwicklungsländern etwas lernen. Zum Beispiel Ruanda. Am Anfang der Pandemie hat mich die ruandische Botschafterin in meinem Büro in New York besucht und sich gewundert, warum sie am Flughafen ohne Temperaturmessung durchgekommen ist. In Ruanda hatte man sich schon viel früher vorbereitet. Ohne Temperaturmessung und Händewaschen durfte man den Flughafengebäude gar nicht verlassen.

ZDFheute: Die größte Gefahr des Virus für arme Länder ist - das sagen Sie -, dass der Ausnahmezustand die meist labilen Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme angreift. Wenn Hunger und Elend drohen, droht der Welt dann nach Corona eine neue Flüchtlingskrise

Fleming: Wir werden eine riesige Steigerung der Armut in den Entwicklungsländern, sogar in der reichen Welt sehen. Wird es dazu führen, dass es noch mehr Leute auf der Flucht gibt? Wahrscheinlich. Wird es dazu führen, dass es vielleicht mehr Kriege geben wird als Resultat? Hoffentlich nicht, aber wenn man in die Geschichte zurückschaut - wahrscheinlich.

Wir müssen uns vorbereiten, und deshalb sagen wir als UN: Lasst das nicht auf uns zukommen, sondern versuchen wir ganz dringend, alle Länder der Welt zu stützen.

Das Interview führte Peter Kunz. Er berichtete lange Jahre für das ZDF vom afrikanischen und vom asiatischen Kontinent. Inzwischen leitet Kunz das ZDF-Landesstudio in Hannover.

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