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Merkels Corona-Strategie - Die Mahnerin

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Angela Merkels Corona-Strategie setzt nicht allein auf Bußgelder. Zwar kann die Kanzlerin auch mit Strafen drohen. Mehr als das aber setzt sie auf die Einsicht der Deutschen.

Wer ist zuständig für die Maßnahmen im Kampf gegen Corona: der Bund, die Länder? Zu Beginn der Pandemie war es die Kanzlerin, dann gingen die Lockerungen los und die Länder voran. Jetzt, wo sich die Lage wieder verschärft, schauen alle wieder auf Angela …

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Als im Juli die Maske des bulgarischen Ministerpräsidenten verrutscht, fackelt Angela Merkel nicht lange. Lächelnd, aber bestimmt weist sie Bojko Borissow darauf hin, dass ein Mund-Nasen-Schutz überraschenderweise auch über der Nase zu tragen ist. Merkels Zeigefinger schafft es in den sozialen Netzwerken zu einiger Berühmtheit. Eigentlich brauche man Angela Merkels Zeigefinger in jedem Zugabteil in Deutschland, kommentiert ein Nutzer.

Heute holt Merkel den Zeigefinger wieder raus. Denn auch in Deutschland ist etwas verrutscht in den vergangenen Wochen. Schlauchbootpartys, Maskenmuffel, Ballermann-Besäufnisse. Es ist die Sorglosigkeit, manchmal auch Rücksichtslosigkeit einer kleinen Gruppe, die Infektionszahlen hat steigen lassen. "Wir nehmen diesen Anstieg sehr ernst", sagt Merkel. Die Kanzlerin mahnt.

Merkel erhebt den rhetorischen Zeigefinger

Es sei vieles möglich gewesen in den vergangenen Wochen. Vor allem Mobilität, also Urlaub. "Aber wir sehen auch, wo wir wachsam sein müssen." Übersetzt heißt das: Leute, ihr hattet einen schönen Sommer. Aber so geht's nicht weiter. Wer künftig sehenden Auges in ein Risikogebiet reist, muss in Quarantäne. Wer sich daran nicht hält, dem drohen "empfindliche Bußgelder", sagt Merkel.

"Bund und Länder appellieren mit Nachdruck an alle Reiserückkehrer, ihre Quarantänepflicht einzuhalten und damit ihrer Verantwortung für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger nachzukommen", liest Merkel aus dem gemeinsamen Beschluss von Bund und Ländern vor. Verantwortung ist ein großes Wort. Es ist der rhetorische Zeigefinger. Der Appell, die verrutschte Maske wieder über die Nase zu ziehen.

Keine Einigung auf Gästebeschränkung bei Feiern

Seit Beginn der Pandemie hat Merkels Corona-Strategie immer auch eine moralische Komponente. Schon in ihrer TV-Ansprache vom 18. März fordert sie gemeinsames, solidarisches Handeln. "Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an", sagt sie. Sie sagt es auch heute. Verantwortung, Umsicht, Rücksichtnahme - das sind die Worte, die in Merkels Erklärung stehen.

Infografik: Die neuen Corona-Beschränkungen im Überblick
Infografik: Die neuen Corona-Beschränkungen im Überblick

Beispiel: Private Feiern. In der Abschlusserklärung steht eine Bitte. Sinngemäß heißt es: Jeder möge sich fragen, ob eine Feier wirklich sein muss. Ob sie zu verantworten ist. Wer diese Frage für sich selber mit Ja beantwortet, möge doch bitte im Garten feiern. Und bitte auch mit Abstand. Merkel überlässt die Entscheidung jedem Einzelnen.

Mehr als diese Formulierung kann Merkel heute nicht gegen die Länder durchsetzen. Keine konkrete Obergrenze an Gästen. Das kann man Merkel als Schwäche auslegen. Es ist aber auch eine Stärke. Merkel nimmt die Gesellschaft in die Pflicht. Nicht der Staat allein wird die Pandemie besiegen. Einsicht und Solidarität sind wirkungsvoller als jedes jedes Bußgeld.

Einigung von Bund und Ländern -
Die neuen Corona-Regeln im Überblick
 

Bund und Länder haben sich auf weitere Regelungen beim Kampf gegen die Corona-Pandemie geeinigt. Neue Lockerungen soll es zunächst nicht geben.

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