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Abschied vom Alleinernährer

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30 Jahre Wiedervereinigung - Abschied vom Alleinernährer

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Dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung haben sich die Lebens- und Arbeitsmodelle in Ost- und Westdeutschland angeglichen. Es gibt aber auch große Unterschiede.

Die Bundesregierung zog in ihrem Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit eine überwiegend positive Bilanz. Ostbeauftragter Wanderwitz gab zu, nicht alle Bürger seien zufrieden.

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Die Wiedervereinigung hat nicht nur in Ostdeutschland die Lebensverhältnisse verändert. Der Zuzug von Menschen aus den neuen Bundesländern hat Forschungen des DIW zufolge auch westdeutsche Frauen beeinflusst.

Vor allem in Gebieten, in denen besonders viele Menschen aus Ostdeutschland zuzogen, haben diese nämlich ihre Arbeitszeit erhöht. Das zeigt sich deutlich von Mitte der 2000er Jahre an. Seither liegt die Arbeitszeit in diesen Gebieten um 1,5 Stunden pro Woche höher als in anderen westdeutschen Regionen, in denen der Zuzug nicht so groß war.

DIW: Veränderte Einstellung zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) hat am Mittwoch eine Bilanz nach 30 Jahren Einheit vorgestellt. "Die Einstellungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich stärker verändert als in anderen Gebieten", erklärt Katharina Spieß vom DIW diesen Befund.

Denn die Menschen, die in Ostdeutschland sozialisiert wurden, hätten erlebt, dass dies möglich war. Das könnte auch die kulturellen Normen in Westdeutschland verändert haben.

Eine Million Menschen waren nach der Wende aus dem Osten in den Westen gezogen. Umgekehrt sei der Zuzug sehr viel geringer, deshalb auch Rückschlüsse in dieser Richtung nicht möglich, sagte Spieß.

30 Jahre nach der Deutschen Einheit sieht der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes einige Probleme. So unter anderem längere Arbeitszeiten sowie geringere Löhne im Osten.

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Nach Einheit: Erwerbstätigkeit von Frauen gleicht sich an

Die DDR lag zeitweise weltweit an der Spitze, was die Erwerbstätigkeit von Frauen anging, sagt die Forscherin. In Westdeutschland hingegen war häufig der Mann der "Alleinernährer", während die Frauen für die Familienarbeit zuständig waren.

Nach der Wiedervereinigung aber hätten sich die Erwerbsquoten der westdeutschen Mütter an die der ostdeutschen angeglichen. Arbeiteten zwischen 1990 und 1994 mehr als die Hälfte der Mütter von Kindern unter elf Jahren in Ostdeutschland in Vollzeit, so lag diese Quote in Westdeutschland bei unter 20 Prozent.

Im Zeitraum 2015 bis 2018 aber sank diese Quote in Ostdeutschland auf etwa 30 Prozent. In Westdeutschland ging sie sogar noch weiter zurück: auf etwa 12 Prozent.

Im Osten nach der Wiedervereinigung mehr Mütter in Teilzeit

Dagegen stieg der Anteil der Teilzeitquote von Müttern betreuungsbedürftiger Kinder in Ostdeutschland deutlich: Sie kletterte zwischen dem Beginn der neunziger Jahre bis zum Zeitraum 2015 bis 2018 von 12 auf 32 Prozent, während sie sich im Westen von knapp 20 auf nun 40 Prozent verdoppelte.

Anfang der Neunzigerjahre lag der Unterschied bei der Erwerbsquote noch bei zwei Prozent, inzwischen ist er auf vier Prozentpunkte zurückgegangen.

Deutschland '90 - Fall der Mauer

Fast 30 Jahre Deutsche Einheit -
"Einheit noch nicht abgeschlossen"
 

Der Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit zeigt: Noch immer gibt es große Unterschiede zwischen Ost und West - nach fast 30 Jahren Wiedervereinigung. Das sind die Gründe.

Angleichung von Alterseinkommen wird dauern

Bei den Alterseinkommen aber wird die Angleichung noch Jahrzehnte dauern, schätzen die Berliner Forscher. Zwar liegen die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Ostdeutschland höher als in Westdeutschland: Bei Männern beträgt der Unterschied acht Prozentpunkte, bei Frauen sogar 50 Prozentpunkte, weil sie häufiger erwerbstätig waren. 

Dennoch verfügen ältere Ostdeutsche nur über vier Fünftel des Alterseinkommens der Rentner in Westdeutschland. Denn im Osten beziehe ein wesentlich geringerer Anteil der Haushalte Einkommen aus privaten Renten, auch Betriebsrenten.

DIW: Renteneinheit zwischen Ost und West vorantreiben

Außerdem wohnten weniger Menschen in einer selbstgenutzten Immobilie, heißt es in der Studie. Immer noch gebe es in Ostdeutschland viele Familien, die sich eine eigene Wohnung oder ein Haus nicht leisten könnten, sagt DIW-Forscher Johannes Geyer.

Eine Generation reicht wahrscheinlich nicht aus, damit sich diese Lücke schließt.
Johannes Geyer, DIW-Forscher

Da müsse man noch nachbessern. So könne die Politik beim Aufbau von Vermögen helfen, fordert Geyer. Die Berliner Forscher plädieren für eine geeignete Kombination aus verpflichtender privater oder betrieblicher Altersvorsorge und finanzieller Unterstützung. So könne man jüngere Generationen besser wappnen und die Renteneinheit zwischen Ost und West vorantreiben.

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