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"Ambiente"-Messe und Fälschungen - Echt oder geklaut?

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Ob Elektrogerät oder Bratentopf: Was Profit verspricht, wird kopiert. Das wird auch auf der "Ambiente"-Messe klar. Dabei sind Plagiate nicht nur wirtschaftlich gefährlich.

Die Ambiente in Frankfurt am Main, die größte Konsumgütermesse der Welt. Hier gibt es (fast) alles aus den Bereichen Wohnen, Essen und Schenken. Tausende Aussteller aus aller Welt präsentieren ihre neuesten Produkte, die neuesten Trends.

Darunter auch die Firma Koziol. Das Unternehmen aus dem Odenwald produziert seit über 90 Jahren Design-Produkte aus Kunststoff für den Haushalt: erfolgreich, alles made in Germany. Die Produkte haben einen hohen Wiedererkennungswert. Auch bei dieser Messe haben sie ein neues Sortiment im Gepäck. Stephan Koziol, einer der Geschäftsführer, muss befürchten, dass schon bald Kopien auf dem Markt auftauchen.

Unser geistiges Eigentum wird geklaut. Das ist so, als wenn einem jemand 100-Euro-Scheine aus dem Portemonnaie zieht.
Stephan Koziol

Produktpiraterie verursacht Milliardenschäden

Jede Marke, jede clevere Idee kann Opfer von Fälschern werden. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Das EU-Amt für geistiges Eigentum (EUIPO) hat ermittelt, dass allein elf besonders von Markenpiraterie betroffene Branchen jährlich Einnahmen bis zu 60 Milliarden Euro verlieren. Den Staaten entgehen dadurch über 16 Milliarden Euro an Steuern. Eine andere Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass Fälschungen allein in Deutschland 500.000 Arbeitsplätze kosten.

"Wir könnten mehr Menschen beschäftigen", sagt auch Stephan Koziol. Sein Unternehmen geht bei jeder Gelegenheit gegen Plagiate vor. Das ist aber alles andere als einfach, kostet viel Zeit und noch mehr Geld. Und am Ende ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Es gibt einfach zu viele schwarze Schafe.

Wie Produktpiraten vorgehen, zeigt der Verein Plagiarius und vergibt einen Negativpreis. Hier eine Auswahl der dreistesten Nachahmerprodukte:

Bei Produktpiraterie geht es häufig um organisierte Kriminalität, die Gewinnspannen sind riesig, oft größer als beim Drogenhandel. Und die möglichen Strafen sind dabei deutlich niedriger. Angeboten werden die Fake-Produkte nicht nur massenweise auf diversen Internetplattformen, sie landen auch bei großen Handelsketten.

Die Firma Koziol hat schon Kopien ihrer Produkte bei einem deutschen Lebensmitteldiscounter und bei einer großen Drogeriemarktkette entdeckt. Ob die Einkäufer der Unternehmen sich haben täuschen lassen oder nicht so genau hingeschaut haben, sei mal dahingestellt. Es ist jedenfalls nicht immer leicht, Original von Kopie oder Nachahmung zu unterscheiden.

Produktfälschungen schwer erkennbar

Viele Fälscher bedienen sich zwar beim Design, machen aber kleine Veränderungen, fügen einen eigenen Namen hinzu. Das fällt nur auf, wenn man das Original kennt und weiß von welchem Hersteller es ist. Die Kopien werden aber immer dreister. "Nicht nur das Design von Produkten wird übernommen, sondern auch der Markenname. Dann ist es für Konsumenten extrem schwer, Original und Fälschung überhaupt auseinanderzuhalten", sagt Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius.

Der Verein zeichnet jedes Jahr die dreistesten Nachahmerprodukte aus. Symbol des Negativpreises: ein Zwerg mit einer goldenen Nase. Die können sich die Fälscher verdienen, auf Kosten der Originalhersteller. Erst wenn man genauer hinschaut, fallen Qualitätsmängel auf. Unebenheiten in der Oberfläche, scharfe Kanten, das Material verströmt einen intensiven Geruch. Kurz gesagt, die Qualität ist minderwertiger als beim Original.

Gefährliche Mängel

Michael Schäfer arbeitet bei der Marktüberwachung des Regierungspräsidiums Darmstadt im Bereich Produktsicherheit. Im vergangenen Jahr haben sie hier über 1.100 Produkte unter die Lupe genommen. Bei rund 800 davon gab es Beanstandungen. "Bei Billigprodukten stimmt die Qualität meist nicht", so auch seine Erfahrung. "Wenn ein Elektrogerät schon von außen einen minderwertigen Eindruck macht, dann lässt das darauf schließen, dass auch die elektronischen Bauteile im Innern minderwertig sind."

Und das kann entsprechende Folgen haben - die Geräte können bei Belastung in Flammen aufgehen. Produkte aus Kunststoff enthalten oft Weichmacher, die krebserregend sein können. Spielzeug hat Kleinteile, die Kinder verschlucken können. Bei gefälschten Medikamenten oder Felgen fürs Auto wird es richtig gefährlich.

Welche Rolle die Konsumenten spielen

Trotz all dieser Gefahren für Leib und Leben, trotz des riesigen wirtschaftlichen Schadens, den Fälschungen anrichten - viele Verbraucher schreckt das nicht. Zwar halten 97 Prozent der Europäer den Schutz geistigen Eigentums für notwendig und wichtig. Gleichzeitig finden aber gerade die Jüngeren, 40 Prozent der 15- bis 24-jährigen, den Kauf von gefälschten Produkten akzeptabel, wenn das Originalprodukt zu teuer ist.

Kleidung, Schuhe, Taschen, Uhren, Sonnenbrillen, unzählige Produkte werden im Internet oder auch oft im Straßenverkauf in Urlaubsorten so günstig angeboten, dass jedem klar sein muss: Das kann kein Originalprodukt sein. Dennoch greifen viele einfach zu. Es klingt wohlfeil, aber es ist Tatsache: Am Ende sind wir als Verbraucher für die Folgen der Fälscherkriminalität verantwortlich, weil wir die Sachen kaufen.

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