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Höhere Arbeitskosten 2019 - Kein Ende der deutschen Wettbewerbsfähigkeit

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Die Arbeitskosten sind 2019 in Deutschland stärker gestiegen als in den Jahren zuvor - noch lange kein Grund für das Jammern von den hohen Lohnkosten, kommentiert Eva Schmidt.

Kommentar: Eva Schmidt - Lohnkosten in Deutschland
Deutschland sollte sich auf seine Stärken besinnen und weniger jammern, kommentiert Eva Schmidt.
Quelle: ZDF / Jana Kay / DAPD

Das Coronavirus zwingt uns gerade, hinter die Erfolge der Globalisierung ein dickes Fragezeichen zu setzen. Das war bis vor Kurzem noch ganz anders. Da war die Globalisierung der willkommene Vorwand für wachsende Lohnspreizung im Land.

Die Löhne müssten runter, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibe: Dieses viel beschworene Mantra hatte großen Einfluss auf die Politik zu Beginn des Jahrtausends. Wenn in Folge der Globalisierung der deutsche Arbeiter mit dem chinesischen konkurriere, müsse der Gürtel eben enger geschnallt werden, so das allgemeine Mantra.

Im Umkehrschluss gingen die Managementgehälter nach oben. Denn, so hieß es unisono, auch hier sei Deutschland im internationalen Wettstreit - und wenn keine Spitzengehälter gezahlt würden wie beispielsweise in den USA, dann gingen die Topleute weg.

Jeder Vierte arbeitet im Niedriglohnsektor

Beide Argumente haben sich im Nachhinein als falsch erwiesen. Denn gerade in der exportorientierten Industrie sind die Löhne in Deutschland relativ hoch. Abgefallen dagegen sind sie im Dienstleistungssektor wie beispielsweise im Handel.

In Deutschland arbeitet mittlerweile jeder Vierte im Niedriglohnsektor. Mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit hat das nichts zu tun. Und die Gehaltsspiralen, die insbesondere in den Daxkonzernen die Managementgehälter in die Höhe getrieben haben, lassen sich ebenso wenig mit Wettbewerbsfähigkeit rechtfertigen.

Soziologe: Manager bleiben in der Regel im Land

Der Soziologe Michael Hartmann hat mehr als 20 Jahre lang die 1.000 größten Unternehmen der Welt untersucht. Sein Fazit: Es gibt keine internationale Superelite, die über die Landesgrenzen hinweg die Fäden spinnt. Manager bleiben in der Regel im eigenen Land.

Lebensläufe wie die von Klaus Kleinfeld, der als CEO von Siemens anschließend in den USA weiter Karriere machte, sind die absolute Ausnahme. Und das heißt nichts anderes, als dass Deutschland selbst dann über starke Köpfe verfügen könnte, wenn das Management nicht im Schnitt das hundertfache eines Angestellten verdient.

Deutschland soll sich auf seine Stärken besinnen

Die Arbeitskosten alleine bestimmen noch lange nicht über die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Daran hat auch die Einführung des Mindestlohns nichts geändert, der zunächst auch als das Ende des Standorts Deutschland dramatisiert wurde.

Deutschland besteht im internationalen Wettbewerb mit intelligenten Produkten, gut ausgebildeten Fachleuten und einem verlässlichen Rechtsstaat. Aktuell sieht man am Beispiel Chinas oder anderer Schwellenländer wie der Türkei, wie heiß der Boden für Investoren wird, wenn Korruption im Land herrscht oder die Justiz nicht unabhängig arbeiten kann.

Deutschland sollte sich auf seine Stärken besinnen. Und in gute Straßen und digitale Netze investieren. Aber nicht über drei Prozent Steigerung von Arbeitskosten jammern.

Eva Schmidt ist Redakteurin bei makro.

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