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Hohe Preise, arme Wirtschaft - Argentiniens erbitterter Fleisch-Streit

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Die argentinische Regierung droht den heimischen Fleischproduzenten mit einem Exportverbot, weil zu teuer verkauft werde. Der Streit zeigt, wie tief die Krise im Land ist.

Schlachthof am Stadtrand von Buenos Aires in Argentinien am 30. November 2006, Archivbild
Die Fleischpreise in Argentinien sind auf einem hohen Niveau.
Quelle: AP/ Eduardo di Baia

Paula Espanol ließ in einem Interview keinen Zweifel an ihrer Entschlossenheit. Die für den Binnenhandel zuständige Staatssekretärin machte Argentiniens Rinderzüchtern und Fleischproduzenten eine klare Ansage:

Unser Puls wird nicht zittern, wenn wir die Fleischexporte unterbinden müssen.
Paula Espanol

Argentinien in tiefer Wirtschaftskrise

Argentiniens Wirtschaft steckt in der tiefsten Krise seit vielen Jahren. Der linksgerichtete Präsident Alberto Fernandez hatte bei seiner Wahl Ende 2019 versprochen, die Armut im Land zu senken und den Hunger zu bekämpfen.

Doch die Corona-Pandemie traf Argentinien hart. Inzwischen sind laut jüngsten Studien rund 56 Prozent der Argentinier unter die Armutsgrenze gerutscht, Armenspeisungen sind für viele Menschen die letzte Rettung.

Nun werden auch noch die Lebensmittel knapp und teuer. Mit dem angedrohten Exportstopp will die Regierung dafür sorgen, dass genügend des weltweit wegen seiner Qualität geschätzten Rindfleisches im Lande bleibt - und die Industrie zwingen, die Preise zu senken.

Scharfe Kritik der Opposition am Kurs von Präsident Fernandez

Warum die Preise so hoch sind, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Opposition macht den Kurs von Präsident Fernandez für die Lage verantwortlich. Dieser versuchte sich in der Krise als Gegenentwurf des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu positionieren.

Während Bolsonaro im Nachbarland das Virus verharmloste, wissenschaftliche Ratschläge ignorierte und gegen die Lockdown-Politik der Gouverneure wetterte, versuchte es Fernandez genau andersherum.

Das von einer Staatspleite bedrohte Argentinien hat sich mit wichtigen Gläubigern auf einen Kompromiss geeinigt. Nun ist eine Umschuldung von 66 Milliarden Dollar geplant.

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Wochenlange knallharte Lockdowns brachten allerdings das gleiche Ergebnis: Auch in Argentinien sind die Zahlen inzwischen wieder explodiert. Zuletzt überholte Argentinien Brasilien sogar deutlich.

Fakt ist: Die Wirtschaft ist abgestürzt und die Auslandsschulden können nicht bedient werden. Die Inflation könnte bald 50 Prozent erreichen - und treibt damit die Preise in die Höhe.

Preiskontrolle: Bezahlbares Fleisch als Wahlkampf?

Der Machtkampf um das argentinische Rindfleisch ist nun voll entbrannt. Die Regierung will mit ihrer Preiskontrolle versuchen, wieder bezahlbares Rindfleisch in die Läden zu bekommen. Die Opposition vermutet dagegen eine populistische Maßnahme wegen der anstehenden Parlamentswahlen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Argentinien zu diesem Mittel greift. Unter anderem hatte der damalige Präsident Nestor Kirchner 2006 versucht, mit Exportbeschränkungen eine Fleischpreisbremse umzusetzen. "Uns interessiert es nicht, auf Kosten des Hungers des Volkes zu exportieren", hatte Kirchner damals gesagt. Und:

Exportiert, macht Gewinn, aber verkauft das Fleisch an die Argentinier zu einem angemessenen Preis.
Nestor Kirchner

Fleischproduzent: Falscher Weg der Politik

Die Konsequenz: Die Exporteinnahmen brachen ein, es gingen tausende Arbeitsplätze verloren. Von 770.000 exportierten Tonnen im Jahr 2005 gingen die Ausfuhren innerhalb von sechs Jahren auf 222.000 Tonnen zurück, berichten argentinische Medien. Wirtschaftsexperte Víctor Tonelli erklärt:

Es war das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, der vom Wert her wichtigste Einkäufer von argentinischem Fleisch. Die Auswirkungen auf den Handel waren dramatisch.
Víctor Tonelli

Argentinien steht kurz vor seiner neunten Staatspleite. Trotz Einigung mit den Gläubigerstaaten ist das Land schwer angeschlagen. Der Ruf nach Reformen wird laut und die Folgen der Krise bekommt vor allem die Bevölkerung zu spüren.

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Aus Reihen der Produzenten kommt deshalb scharfe Kritik: "Die Regierung ist auf dem falschen Weg", sagt Jorge Chemes, Präsident des Branchenverbandes CRA, dem Portal "Infobae".

Wenn sie weiter glauben, dass die Lösung für die steigenden Preise interventionistische Maßnahmen sind, werden wir den gegenteiligen Effekt von dem erreichen, was wir wollen.
Jorge Chemes

"Ich glaube, man muss stattdessen die Produktion fördern", betont Chemes.

Nutztiere sollen künftig unter besseren Bedingungen gehalten werden. Eine Studie schlägt verschiedene Wege vor, wie etwa der Umbau von Ställen finanziert werden kann. Das wird zu höheren Fleischpreisen führen.

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