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Droht Diesel und Benziner das Emissions-Aus?

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Neue EU-Abgasnorm Euro 7 - Droht Diesel und Benziner das Emissions-Aus?

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In Brüssel laufen die Vorbereitungen für die neue EU-Abgasnorm Euro 7. Wie wahrscheinlich ist es, dass die EU Diesel- oder Benziner-Autos schon bald von der Straße verbannen wird?

Autoabgase im Scheinwerferlicht
Pendler müssen sich vorerst keine Sorgen wegen der neuen Euro-Abgasnorm machen (Archivbild)
Quelle: dpa

Plant die EU-Kommission das "faktische Ende von Diesel und Benziner"? Gibt es eine "Kriegserklärung" an Autos mit Verbrenner-Motoren? So berichtete die "Bild"-Zeitung am Sonntag über die geplante Auto-Abgasnorm Euro 7.

Ab 2025 sollen laut "Bild" Neuwagen nur noch 30mg Stickstoffoxide (NOx) pro Kilometer ausstoßen dürfen. Gegenwärtig betragen die Maximalwerte 60mg NOx für Benziner und 80mg für Diesel-Motoren, ältere Fahrzeuge dürfen jedoch weiterhin genutzt werden. Diese Werte seien technisch nicht zu erfüllen, zitiert das Blatt einen Experten.

EU-Kommission: Zahlen noch nicht offiziell beschlossen

Auf ZDFheute-Anfrage stellte die EU-Kommission klar, dass diese Zahlen keiner offiziellen Position der Kommission entsprächen und die offiziellen Vorschläge für die Euro-7-Grenzwerte erst Ende 2021 vorgestellt würden.

Keine Entscheidung über Architektur, Umfang, Grenzwerte oder den zeitlichen Ablauf wurde bislang getroffen.
Sprecherin der EU-Kommission

Die möglichen neuen Grenzwerte stammen aus einem internen Papier der Advisory Group on Vehicle Emission Standards (AGVES), einem Beratergremium der Europäischen Kommission zur Ausarbeitung der neuen Abgasnorm.

Unter den 69 AGVES-Mitgliedsorganisationen sind Verbraucherschützer und Forschungseinrichtungen, die Masse machen jedoch die 57 im Gremium vertretenen Unternehmen und Branchenverbände des Automobilsektors aus. Sie versuchen frühzeitig auf die Gestaltung der neuen Regulation Einfluss zu nehmen.

"Es ist noch viel Zeit, bis die neuen Grenzwerte beschlossen werden, aber manche Verbände versuchen jetzt schon, bestimmte Positionen unter anderem über die Presse zu kommunizieren", erklärt der Generalsekretär eines in AGVES vertretenen Industrieverbands gegenüber ZDFheute. "Dafür arbeiten sie gerne mit Extrembeispielen."

Ganze fünf Jahre nach Auffliegen des Diesel-Skandals beginnt heute der erste Strafprozess in Deutschland: Dem früheren Audi-Boss Rupert Stadler sowie drei weiteren Angeklagten werden unter anderem Betrug vorgeworfen.

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Ist ein NOx-Limit von 30mg pro Kilometer realistisch?

166 Positionspapiere von Interessenvertretern hat die EU-Kommission bis zum Ende der Anhörungsfrist am 9. November erhalten. Zu den entschiedenen Gegnern härterer Abgasnormen zählt etwa der Verband der Europäischen Autohersteller (ACEA).

Es gibt keinen Beleg, dass ein NOx-Limit von 30mg pro Kilometer heute technisch umsetzbar ist.
ACEA-Sprecherin

Grund dafür seien laut ACEA etwa die Testbedingungen: Die Werte müssten nicht nur unter Normalbedingungen, sondern auch in extremen Konditionen wie hoher Geschwindigkeit oder hoher Steigung erfüllt werden, sagte die Sprecherin ZDFheute. "Hersteller müssten ihren tatsächlichen Zielwert deutlich niedriger ansetzen, nämlich nahe null."

Zwar sind auch zu den zukünftigen Testkriterien der Euro-7-Norm noch keine Details beschlossen, ausgehend von den aktuellen Verfahren, Laborwerten plus den sogenannten "Real Drive Emissions" (RDE), sind diese Bedingungen aber weit weniger fordernd, als in dem ACEA-Statement anklingt.

So werden Auto-Emissionen gemessen

Der Labor-Test findet etwa bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 47 km/h statt. Der RDE-Test hat eine Maximalgeschwindigkeit von 160 km/h und eine maximale Differenz von 100 Höhenmetern zwischen Start- und Endpunkt - mehr Berufspendler-, als Offroad-Anforderungen. Mit dem Mercedes CLS 350d ist etwa ein Diesel-Fahrzeug auf dem Markt, das schon jetzt nur 19mg NOx pro Kilometer ausstößt.

Manche Industrie-Verbände erweisen dem Anliegen, künftige Emissionsobergrenzen als unrealistisch darzustellen zudem einen Bärendienst, indem sie in ihren AGVES-Stellungnahmen betonen, wie gut aktuelle Automodelle die momentanen Grenzwerte einhalten können.

Der Verband der Katalysatoren-Hersteller AECC zitiert in einer Präsentation Daten, wonach aktuelle Euro-6-RDE Dieselfahrzeuge im Schnitt nur noch 48mg NOx pro Kilometer ausstoßen würden - deutlich unter dem aktuellen Grenzwert von 80mg.

Deutschlands Autoindustrie ist vom Innovationstreiber zum Getriebenen geworden. Der Fortschritt in Sachen E-Mobilität ist zu langsam, zu zögerlich. Das kann nicht gut gehen.

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Strengere Emissionswerte in China längst beschlossen

Für den VdTÜV, die TÜV-Interessensvertretung in Brüssel, sind strengere Vorgaben der EU sogar wichtig, um im globalen Wettbewerb kein Nachsehen zu haben.

Die EU droht 2023 hinter China und 2025 hinter die USA zurückzufallen, da beide sich bereits zu niedrigeren Kfz-Emissionsgrenzen verpflichtet haben.
Positionspapier des VdTÜV zur Euro-7-Norm

In China wird eine Obergrenze von 35mg NOx pro km gelten, an die sich europäische Hersteller in Zukunft halten müssen. Das führt zur absurden Situation, dass der ACEA in seinem Euro-7-Positionspapier zwar "globale Harmonisierung" fordert, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU weltweit zu stärken, sich aber gleichzeitig gegen härtere Obergrenzen, wie sie in vielen Teilen der Welt bald gelten werden, verwehrt.

Bis die neue Euro-7-Norm kommt, wird es noch Jahre dauern. Schon jetzt betreibt die Autoindustrie intensive Lobbyarbeit. Für Autofahrer gibt es bislang aber wenig Anlass, wegen möglicher neuer EU-Abgaswerte in Panik zu verfallen.

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