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Kurzarbeit in deutschen Werken - Das Chip-Problem der Autoindustrie

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Die Nachfrage nach Autos steigt. Trotzdem müssen einige Autohersteller Kurzarbeit anmelden. Der Grund: Es fehlt an elektronischen Chips.

Mikrochips sind inzwischen unentbehrlich bei der Herstellung von Autos. Weil es bei denen jedoch Lieferengpässe gibt, stehen bei einigen Autokonzernen die Fließbänder still.

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"Chips sind fast wichtiger geworden als der Antrieb selber", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. "Das Auto ist so vernetzt, es funktioniert eigentlich nur noch mit entsprechender Steuerungselektronik."

Chips sind verbaut in vielen Steuergeräten - etwa für die Türverriegelung, den Regensensor oder Bremssysteme. "Wenn für den Bau des Autos die Chips fehlen, ist das ein 'no go'. Dann können Fahrzeuge überhaupt nicht gebaut werden", erklärt Bratzel.

Volkswagen könnte mehr Autos produzieren - wenn die Chips da wären

Diese Erfahrung haben in den vergangenen Monaten viele Autohersteller machen müssen. Zuallererst Volkswagen: dessen China-Chef Stephan Wöllenstein etwa beklagte jüngst einen "bedeutenden Mangel an elektronischen Teilen" wegen der Verknappung von Halbleiter-Modulen. Das führe zu verzögerten Auslieferungen.

Die Folge: Allein im Dezember konnte der Konzern in China 50.000 Autos weniger produzieren. Diese Probleme, so fürchtet Wöllenstein, würden wohl auch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres anhalten und erst im zweiten Quartal überwunden werden.

Montage-Band im Porsche Werk, Stuttgart.

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Ingolstadt und Neckarsulm: Zehntausende Mitarbeiter in Kurzarbeit

In China war das Problem zuerst aufgefallen, inzwischen ist es auch in Deutschland angekommen. 10.000 Mitarbeiter bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm sind in Kurzarbeit, Volkswagen hat diese für sein Werk in Emden beantragt, Daimler für die Produktion in Bremen.

Auch beim Zulieferer Hella läuft die Produktion wegen des Mikrochip-Mangels nicht normal. "Die Autobauer leiden stark", meint Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Lieferverzögerungen kosten Geld und Zeit."

Nachfrage nach Corona-Shutdown übertraf Erwartungen

Im vergangenen Frühjahr mussten die Werke in Deutschland wegen der Corona-Pandemie schließen. Die Nachfrage nach der Öffnung aber übertraf dann die Erwartungen der Autohersteller. Das ist ein Grund für den Lieferengpass.

Der andere: Die Halbleiterindustrie bediente zunächst ihre Hauptkunden aus der Smartphone- und PC-Branche, denn deren Nachfrage stieg wegen der steigenden Homeoffice-Zahlen deutlich. "Die Chiphersteller können ihre Produktion nicht so schnell wieder umstellen und hochfahren", meint Autoexperte Bratzel.

Müssen Kunden von Kleinwagen jetzt länger warten?

Da müssten die Autokonzerne jetzt Prioritäten setzen. "Dann wird man, wenn Chipproduktionen ausfallen, erst mal die profitablen Fahrzeuge versuchen zu bauen und kleinere Wagen, die weniger Marge bringen, vernachlässigen", sagt Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB.

Eine ungewohnte Lage ist das für die Autohersteller. Sie sind es gewöhnt, Priorität bei ihren Zulieferern zu genießen, sagt Autoexperte Bratzel von der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. "Doch in dieser neuen Welt der Konnektivität ist die Automobilindustrie für die Halbleiterindustrie nur ein kleiner Abnehmer."

Die Branche steht für etwa ein Zehntel von deren Nachfrage, während Smartphone- und PC-Branche zwei Drittel nachfragen. Bratzel empfiehlt deshalb neue strategische Partnerschaften.

Chipfertigung in Dresden - ein Anfang, aber nicht ausreichend

"Ein Teil der Schuld trifft hier sicherlich auch die Automobilhersteller mit ihrer relativ strikten Hersteller-Zulieferer-Beziehung", meint der Autoexperte. Große Zulieferer in der Autobranche setzen wie die deutsche Bosch-Gruppe zum Teil auf eine eigene Chipfertigung, die in Dresden aufgebaut wurde.

Dennoch hinken die Europäer in der Chipfertigung den Vereinigten Staaten und Asien hinterher. Nur bei Sensoren sei man noch weltweit führend, ergab eine McKinsey-Studie Ende des vergangenen Jahres. Aufholen wäre wichtig, angesichts der Tatsache, dass die großen Software-Giganten wie Google oder Apple ebenfalls in den Autobau einsteigen wollen.  

Das Logo der Volkswagen AG in Hannover. Archivbild

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