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Vor dem Autogipfel - Die zentralen Probleme der Autobranche

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Ein weiterer Autogipfel soll für die zuletzt schwächelnde Branche Lösungen finden. Doch Corona ist nicht das einzige Problem der deutschen Autoindustrie.

Montage-Band im Porsche Werk, Stuttgart.
Vor dem Autogipfel haben die Zulieferbetriebe zusätzliche Unterstützung des Bundes gefordert.
Quelle: dpa

Sie sind zu Beginn der Corona-Pandemie fast komplett eingebrochen - nun ziehen die Autoverkäufe wieder etwas an. Doch von Erholung kann noch keine Rede sein. Am Dienstag treffen sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft, um über weitere Hilfen für die Branche zu diskutieren. Die zentralen Brennpunkte vor dem virtuellen Autogipfel:

1. Das Virus und der Nachfrageschock

Fast alle Autohersteller und vor allem die Zulieferer sind infolge der lahmenden Verkäufe unter enormen Kostendruck geraten. Vielerorts gibt es nach wie vor Kurzarbeit, Stellenstreichungen drohen oder wurden teils schon ausgeweitet. Auch wichtige Investitionen müssen gekappt werden.

Im August lagen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland noch um ein Fünftel unter dem Vorjahreswert. Über den gesamten Verlauf 2020 beträgt der Rückgang bisher sogar 29 Prozent. Aber es zeigen sich Verschiebungen zugunsten alternativer Antriebe: Der Anteil reiner E-Autos liegt unter den Neuwagen inzwischen bei 6,4 und der von Hybridfahrzeugen bei 18,4 Prozent.

Der Corona-bedingte Absturz des deutschen Automarkts stoppt vorerst. Das zeigen die Neuzulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts für Juli. Beliebter wurden Autos mit Elektromotor.

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2. Das eigentliche Strukturproblem

Es ist der wunde Punkt der deutschen Autoindustrie: Der schrittweise Abschied von der klassischen Verbrennertechnik. Dieser bedeutet, dass ganze Belegschaften umgeschult werden müssen. Manchmal läuft das schon recht gut, aber nicht alle Mitarbeiter können oder wollen diesen Weg mitgehen.

Außerdem kommen Digitalisierung, Vernetzung und Dienstleistungen als weitere Bestandteile des gigantischen Umbaus hinzu. Amerikaner und Chinesen geben hier zunehmend den Takt vor. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln warnt: Autos "Made in Germany" - über Jahrzehnte Garanten für Wachstum und Jobs - könnten nicht mehr automatisch Hauptmotor der deutschen Volkswirtschaft sein.

3. Bisherige Rezepte, neue Vorschläge

Im Juni hatten Regierung und Industrie einen anteilig finanzierten Ausbau bestehender Kaufprämien für Elektro- und Hybridautos beschlossen. Moderne Verbrenner blieben dabei - auf Druck von SPD und Umweltverbänden - allerdings außen vor. Zudem soll die Senkung der Mehrwertsteuer die Nachfrage ankurbeln.

Keine Kaufprämie für Verbrennerautos, dafür höhere Prämien für Elektroautos: Das fördert die Regierung mit dem Konjunkturprogramm.

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Nun sind Zusatzhilfen in der Diskussion, die Vorschläge unterscheiden sich aber erheblich. Während Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) neben der stärkeren Förderung alternativer Antriebe weiter auch Kaufanreize für CO2-ärmere Benziner und Diesel fordert, sind seine Amtskollegen aus Niedersachsen und Baden-Württemberg klar dagegen.

Wir können beim Auto nicht auf Zeit spielen. Es handelt sich um den zentralen Lebensnerv unserer Wirtschaft.
Markus Söder, Ministerpräsident Bayerns

In Branchenkreisen heißt es, die "Autoländer" mit den Hauptsitzen von VW, BMW und Daimler könnten ein aufgestocktes Konjunkturpaket vorschlagen. Auch Steuererleichterungen gelten als mögliches Hilfsmittel. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) für einen staatlichen "Mittelstands- und Transformationsfonds" aus, der sich an Firmen in Not beteiligt.

4. Zu spät agiert?

Kritiker werfen der Branche vor, zu lange zu wenig für den Wandel getan zu haben. Auch Vorreiter wie BMW mit dem Kompaktwagen i3 hätten zu spät mit neuen E-Modellen nachgelegt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte, ein per Verbrenner-Prämie angepeilter Abverkauf der Lagerbestände nütze nur finanziell gut dastehenden Autokonzernen. Und LobbyControl fordert, auch die Zivilgesellschaft einzuladen und keinen "Auto-Klüngelgipfel" zu veranstalten.

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