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Deutsche Autoindustrie : Von einer in die nächste Krise

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Trotz großer Absatzerfolge müssen sich die deutschen Autobauer auf schwierige Monate einstellen. Durch den Krieg in der Ukraine steigt die Unsicherheit. Konzerne fahren auf Sicht.

Sachsen, Leipzig: Ein Mitarbeiter von Porsche arbeitet mit Mundschutz in der Montage an einem Macan.
Wegen des Ukraine-Kriegs kommen schwere Zeiten auf die deutsche Autoindustrie zu.
Quelle: dpa

Was sind das für Zeiten? Das mögen sich auch Deutschlands Automanager gerade fragen. Trotz mancher Schwierigkeiten, allen voran die immer wieder fehlenden Elektronikbauteile, die die Laufbänder ein ums andere Mal ins Stocken bringen, präsentiert ein Autobauer nach dem anderen in diesen Tagen Traumergebnisse:

  • BMW verkündet einen Rekordgewinn von 12,5 Milliarden Euro für 2021.
  • Bei Mercedes Benz waren es 23 Milliarden Euro, auch wenn die Stuttgarter dabei von einem Buchgewinn aus der Abspaltung der Daimler-Lkw-Sparte profitierten.
  • Nicht zuletzt verdiente auch der Volkswagen-Konzern mit seinen Marken wie VW, Audi, Porsche, Seat oder Skoda unterm Strich über 15 Milliarden Euro.

Doch Freude über das erfolgreiche vergangene Geschäftsjahr, also Freude über den Blick in den Rückspiegel mag bei keinem der Topmanager aufkommen. Der Krieg in der Ukraine verbietet das - zu groß das menschliche Leid, zu unmittelbar aber auch die direkten Folgen für die Fertigungsketten.

Ukraine: Wichtiger Hersteller von Kabelbäumen

Die Ukraine, ein wichtiges Rädchen in der stark vernetzten europäischen Autowelt, gilt heutzutage als wichtiger Standort für Hersteller von Kabelbäumen. Zahlreiche Zulieferer, darunter die Nürnberger Leoni oder Kromberg und Schubert aus Renningen, haben sich in den vergangenen Jahren dort angesiedelt. Vor allem die niedrigen Arbeitskosten und die Nähe zu den großen Autowerken in Mittel- und Westeuropa trieben die Entwicklung.

Doch nun herrscht Krieg. Nach dem ersten Schock wird zwar mancherorts wieder in einzelnen Schichten gearbeitet, auch versuchen Zulieferer, die Teilefertigung an andere Standort zu verlagern - doch das alles kostet Zeit. Und so fehlen in den Hauptwerken der Autobauer fast überall Kabelbäume. Audi erklärte, in den kommenden Tagen und Wochen auf Sicht zu fahren.

VW baut Kabelbaum-Fertigung in Nordafrika aus

Volkswagen will die Produktion von Kabelbäumen in der Ukraine belassen, aber die Kapazitäten in Nordafrika und Rumänien ausbauen. wie Konzernchef Herbert Diess heute bei der Bilanzpräsentation mitteilte. Die Kabelbaum-Fertigung in der Nähe von Kiew laufe derzeit noch zu 30 Prozent.

Finanziert der Westen mit dem Kauf von russischem Gas den Krieg in der Ukraine? Das stimme so nicht, sagt Siegfried Russwurm, Präsident Bundesverband Deutsche Industrie.

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BMW kündigte zuletzt an, in dieser Woche die Produktion in den Werken München und Dingolfing wieder aufzunehmen, die Fertigung aber bleibe schwankungsanfällig. Zusammen mit den anhaltenden Halbleiter-Nöten klagt auch VW über Engpässe. Nach den Werken in Sachsen soll es unter anderem in Wolfsburg abermals Schichtausfälle und Kurzarbeit geben.

Nickel, Aluminium, Palladium: Auch Rohstoffe werden knapp

Doch die Kabelbäume sind längst nicht mehr das einzige Problem. Es gilt auch die Beschaffung wichtiger Rohstoffe wie Aluminium, Nickel oder Palladium neu zu organisieren. Nicht alles, aber vieles kommt aus Russland. Beispielsweise ein Fünftel von hochwertigem Nickel, sehr wichtig für die Batterie-Fertigung.

Beim Elektromotor ist die Situation ebenfalls äußerst angespannt. Nicht nur für eben jenes Nickel, auch für Lithium und Kobalt - genauso unerlässlich für die Fahrzeugbatterien - sind die Preise explodiert. Und es ist längst nicht sicher, ob am Ende wirklich alles auf den Endkunden, auf den Autofahrer abgewälzt werden kann.

Droht Firmen in Russland die Enteignung?

Das größte Risiko aber ist noch gar nicht benannt. Es ist die Androhung Russlands, möglicherweise Produktionsstandorte westlicher Firmen zu enteignen. Der Volkswagen-Konzern beispielsweise hat Produktionsstätten in Russland und fertigte im vergangenen Jahr dort etwa 170.000 Fahrzeuge. Nach Unternehmensangaben sei es derzeit zu früh, um dieses Risiko richtig zu bewerten.

VW-Chef Diess aber dürfte dieses Szenario auch im Hinterkopf gehabt haben, als er jüngst in einem Interview mit der "Financial Times" warnte, der Krieg könnte noch heftigere Auswirkungen haben als die Corona-Krise. Eine in die Länge gezogene Auseinandersetzung würde Europa wohl "sehr viel schlimmer" treffen als die Verbreitung des Covid-19-Erregers.

Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

27. Juni 2022, Krementschuk: Ein Einkaufszentrum steht in Flammen, davor stehen Einsatzkräfte der Feuerwehr und PKWs auf einem Parkplatz.
Liveblog

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine 

Russlands Angriff auf die Ukraine dauert an. Es gibt Sanktionen gegen Moskau, Waffen für Kiew. Aktuelle News und Hintergründe zum Krieg im Blog.

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine

Ukraine, Lyssytschansk: Soldaten liegen auf einem Panzer und sitzen Fahrzeugen in den Außenbezirken der Stadt, in der Nähe von Sewerodonezk.

Umkämpfte Stadt im Donbass - Lyssytschansk wohl umzingelt 

Pro-russische Kämpfer wollen gemeinsam mit russischen Truppen die heftig umkämpfte und strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingekreist haben.

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