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Vor Gipfel mit Merkel - Autoindustrie weiter mit Gegenwind

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Eine Branche unter Druck: Wieder trifft sich die Autoindustrie auf einem Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ist ein Stellenabbau noch abwendbar?

Erst rissen die Lieferketten, dann standen die Bänder über Wochen still, nun stockt die Nachfrage: Es sind schwere Zeiten für Autobauer und deren Zulieferer. "Die Pandemie wirkt in mancher Hinsicht verstärkend, da sie eine Branche traf, die sich bereits in einem Anpassungsprozess befand", urteilen Thomas Puls und Manuel Fritsch vom Institut der deutschen Wirtschaft in ihrer am Montag veröffentlichten Studie.

Mit diesem "Anpassungsprozess" ist der Wandel hin zu alternativen, CO2-ärmeren Antriebstechnologien und zunehmender Digitalisierung gemeint. Ein Prozess, der schon vor Corona für Kritik, Kosten und Krisen der Branche gesorgt hat.

Autobranche im Krisenmodus

Die Zahlen aus der Branche sind ernüchternd: Im August brachen die Neuzulassungen hierzulande um 20 Prozent ein. "Vor allem Unternehmen halten sich angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage weiter deutlich zurück. Neuwagenkäufe werden wenn möglich aufgeschoben", sagt Peter Fuß, Autoanalyst bei der Unternehmensberatung EY. Rund ein Viertel der Bestellungen aus Unternehmen sind weggefallen.

Montage-Band im Porsche Werk, Stuttgart.

Vor dem Autogipfel - Die zentralen Probleme der Autobranche 

Ein weiterer Autogipfel soll für die zuletzt schwächelnde Branche Lösungen finden. Doch Corona ist nicht das einzige Problem der deutschen Autoindustrie.

In anderen europäischen Ländern ist es ähnlich: In Spanien liegt der Rückgang im August bei zehn Prozent, in der Schweiz sind es 16, in Frankreich 20 und in Österreich sogar 30 Prozent. "Die Branche befindet sich nach wie vor im Krisenmodus - wenngleich die einzelnen Hersteller unterschiedlich stark betroffen sind", resümiert Fuß. Das sieht man auch beim VDA, dem Verband der deutschen Autohersteller so. Wegen sinkenden Aufträgen macht man sich mittlerweile Sorgen über die Auslastung in den Fabriken.

Autoindustrie steht Jobabbau bevor

Auch über Europa hinaus ist wenig Unterstützung in Sicht. Zwar verzeichnet der mittlerweile wichtigste Auslandsmarkt China wieder höhere Wachstumsraten und damit auch eine steigende Nachfrage nach Fahrzeugen - allerdings grassiert die Pandemie im ebenfalls wichtigen US-Markt nach wie vor.

Dass die Branche nicht so schnell wieder aus ihrem Tal herausfinden wird, zeigt auch die jüngste Umfrage des Ifo-Institutes unter Autoherstellern und Zulieferern. So gingen im August die Exporterwartungen wieder deutlich zurück. Das schließlich, werde sich auch in Form von weniger Jobs bemerkbar machen. "Die Beschäftigungssituation bleibt angespannt", beschreibt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, die Lage.

Die Unternehmen planen weiter mit Personalabbau.
Klaus Wohlrabe, Leiter Ifo-Umfragen

Absatzeinbruch um 25 Prozent erwartet

Zahlreiche Firmen der Branche haben bereits angekündigt, bei den Kosten stark auf die Bremse treten zu wollen - also massiv Jobs abzubauen. Denn für das Gesamtjahr erwartet der VDA für den Heimatstandort Deutschland einen Absatzeinbruch im Vergleich zum Vorjahr von 25 Prozent.

"Nun muss alles getan werden, um einen erneuten Einbruch bei Produktion und Nachfrage zu verhindern", sagte VDA-Geschäftsführer Martin Koers. So sind im Umfeld des Autogipfels mit Kanzlerin Angela Merkel Rufe lauter geworden, weitere staatliche Hilfen bereit zu stellen - etwa in Form weiterer Kaufprämien. Das halten viele Ökonomen allerdings für wenig zielführend.

Die Krise der Autobranche habe schon lange vor Corona eingesetzt und belege, dass der klimapolitische Umbau der Individualmobilität gescheitert sei, sagte etwa Gabriel Felbermayr, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Die Krise sei also struktureller, nicht konjunktureller Natur. Mögliche Kaufprämien für Verbrenner bezeichnete Felbermayr schlicht als "Eingeständnis dieses Scheiterns".

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