Sie sind hier:

Insolvenzantrag für Bank - Fall Greensill: Aufsicht ohne Draufsicht?

Datum:

Die Greensill Bank ist nicht mehr zu retten. Die Bafin hat Insolvenz für das Institut beantragt, das mit hohen Zinsen gelockt hatte. Wieder in der Kritik: die Finanzaufsicht.

Die Bafin hat für die Bremer Greensill-Bank Insolvenz angemeldet. Gut 300 Millionen Euro Steuergelder von Ländern und Kommunen, wie Monheim am Rhein und Emmerich, gehen somit verloren. Die Probleme der Bank seien schon seit 2019 bekannt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Mancher Anleger hat sich wohl von der Rendite anlocken lassen, als er sein Geld der Bremer Greensill Bank anvertraut hat. Das Geldhaus hatte mit ungewöhnlich hohen Zinsen gelockt. Nun ist die Bank pleite. Heute hat die Finanzaufsicht Bafin einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bremen für die Greensill Bank gestellt.

Bereits Anfang März hatte die Finanzaufsicht die Bremer Tochter des britisch-australischen Mutterkonzerns Greensill Capital für Kunden geschlossen. Die Sparer kommen nicht mehr an ihre Konten oder Sparbücher heran. Zahlreiche Kommunen haben sich ebenfalls von hohen Zinsen locken lassen und öffentliche Gelder bei Greensill angelegt.

Kommunen bangen um ihr Geld

Bei Privatanlegern sind Einlagen bis zu 100.000 Euro gesichert. Anders sieht es bei der öffentlichen Hand aus. Das Portal tagesgeldvergleich.net listet mehr als 30 Kommunen auf, die finanziell von der Greensill-Pleite betroffen sind. Sie haben zusammen mit dem Land Thüringen etwa 328 Millionen Euro bei Greensill investiert. Die nordrhein-westfälische Gemeinde Monheim etwa legte 38 Millionen Euro dort an, Eschborn in Hessen 35 Millionen Euro, Wiesbaden 20 Millionen.

Offenbar stehen bei der Bremer Bank rund 3,6 Milliarden Euro an Einlagen im Feuer. Davon dürften etwa 3,1 Milliarden Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung sowie den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) gesichert sein. Das gilt vor allem für das Geld von Privatkunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Greensill Bank AG, die Bafin hatte Strafanzeige gestellt. Es geht um den Vorwurf der Bilanzfälschung.

Hat die Bafin zu spät reagiert?

Der Vorwurf der finanziell geschädigten Kommunen lautet: Die Bafin habe zu spät über die finanzielle Schieflage der Bank informiert. Außerdem kommen möglicherweise Fehler bei der Finanzprüfung der Bank ans Licht. So soll die Bafin wohl gegen den Abschlussprüfer der Bank vorgehen. Geprüft hat die Stuttgarter Gesellschaft Ebner Stolz. Diese hat den Abschluss der Greensill Bank für 2019 testiert.

Abschließend hat die von der Bafin beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Existenz zahlreicher, verbuchter Forderungen dann nicht nachweisen können.

Haben wir etwas Ähnliches nicht erst vor Kurzem gehabt? Die Finanzwelt wurde doch neulich erst vom Wirecard-Skandal erschüttert. Jetzt gibt es wieder einen Milliardenskandal - und wieder steht die Bafin als Buhmann da, der zu spät reagiert haben soll. Hohe Zinsen und ein enormes Bilanzwachstum der Greensill Bank hätten die Finanzaufsicht stutzig machen können.

Als Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal wird die Bafin reformiert.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Hohe Zinsen und ein enormes Bilanzwachstum der Greensill Bank hätten die Finanzaufsicht stutzig machen können. Die Bilanzsumme der Bank war von rund 666 Millionen Euro 2018 auf 3,8 Milliarden Euro im Folgejahr gestiegen, die Einlagen von 582 Millionen auf 3,3 Milliarden Euro. Ein Wachstum, von dem andere Banken nur träumen können.

Das Greensill-Geschäftsmodell

Die britisch-australische Muttergesellschaft Greensill Capital hat ihr Geld mit einer sogenannten Lieferkettenfinanzierung verdient: Die Kunden, oft internationale Konzerne, lassen sich den Kauf von Waren oder Dienstleistungen vorfinanzieren. Greensill Capital bezahlte die Lieferanten-Forderungen mit Geld von Investoren und verpackte die offenen Rechnungen in anleiheähnliche Papiere, wie Anlegeranwalt Klaus Nieding erläuterte. Diese Papiere seien wiederum über Fonds verkauft worden. Das über die deutsche Greensill Bank über Festgeldkonten eingesammelte Geld wurde demnach genutzt, um das Geschäft des Mutterkonzerns zu finanzieren.

Wer dieses Geschäftsmodell als Kommune oder als Privatanleger nicht auf Anhieb versteht, sollte die Finger davon lassen. Frei nach dem Grundsatz des Börsen-Gurus Warren Buffet: „Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst!“ Im Falle von Greensill einmal mehr wohl wahr.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.