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Die Rolle der Bafin im Fall Wirecard

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Kritik an der Finanzaufsicht - Die Rolle der Bafin im Fall Wirecard

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Der Chef der deutschen Finanzaufsicht spricht im Fall Wirecard von einem "kompletten Desaster". Doch was tut die Bafin eigentlich genau, und was hätte sie besser machen können?

Bafin-Zentrale in Bonn am 02.11.2012
Quelle: dapd

Nach dem Zusammenbruch des Zahlungsanbieters Wirecard stehen auch die Aufsichtsbehörden in der Kritik. Die EU-Kommission will klären lassen, ob die deutsche Finanzaufsicht Bafin bei der Kontrolle über Wirecard versagt hat. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte eine Reform der Aufsicht in Deutschland in Aussicht. Selbst Bafin-Chef Felix Hufeld hatte von einem "kompletten Desaster" gesprochen und selbstkritisch eingeräumt:

Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert.
Felix Hufeld

Was genau tut die Bafin?

Die Kernaufgabe der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ist es, Banken, Versicherungen und den Handel mit Wertpapieren zu überwachen. Damit soll ein stabiles und vertrauenswürdiges Finanzsystem gewährleistet und faire Handelsbedingungen ermöglicht werden.

So setzt sich die Bafin zum Beispiel dafür ein, dass Finanzprodukte für Kunden verständlich und transparent angeboten werden und gibt Erklärungen zu Wertpapieren und Geldanlagen, um Verbraucher aufzuklären.

Außerdem soll die Bafin überwachen, dass sich Unternehmen an Regeln und Gesetze halten: Geldwäsche, Anlagebetrug, Insiderhandel und Marktmanipulation sollen so verhindert werden. Genau wegen eines solchen Verdachts der Marktmanipulation hat die Bafin Anfang Juni Wirecard angezeigt, nachdem die Veröffentlichung des Jahresabschlusses mehrfach verschoben wurde.

Luftbuchungen und Milliarden-Verluste: Wirecard stürzt ab, Tausende bangen um ihre Jobs, die Justiz ermittelt.

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Was hat die Bafin im Fall Wirecard getan?

Die deutsche Finanzaufsicht hatte Wirecard schon mehrfach im Visier: Die Bafin ermittelt bereits seit Anfang 2019, ob der Konzern den Kapitalmarkt rechtzeitig und vollständig über Insiderinformationen informiert hat. Unter anderem wurden damals erstmals in der Geschichte der Bafin sogenannte Leerverkäufe der Wirecard-Aktie für zwei Monate verboten. Ein Leerverkauf bezeichnet den Versuch eines Investors, am fallenden Kurs einer Aktie Geld zu verdienen.

Was hat die Bafin versäumt?

Die von Wirecard selbst mit einer Sonderuntersuchung beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat bereits im April wesentliche Ungereimtheiten festgestellt: Unter anderem fehlten Nachweise für die Existenz von gut einer Milliarde Euro. Ausgelöst wurde die Untersuchung maßgeblich durch Berichte der "Financial Times".

Das wäre der Zeitpunkt gewesen, an dem die Bafin sich hätte einschalten müssen, sagt der frühere Bundestagsabgeordnete und Vorstand des Vereins "Bürgerbewegung Finanzwende", Gerhard Schick, gegenüber ZDFheute. Spätestens aber, als Wirecard 2018 in den Dax aufgestiegen ist:

Bis heute hatte es die Bafin nicht geschafft, eine entsprechende interne Voraussetzung zu schaffen, damit man diesen Konzern als Ganzes beaufsichtigt.
Gerhard Schick

Hat das Problem System?

Daher ist für Schick der Fall Wirecard ein "Skandal mit Ansage". Seine "Bürgerbewegung Finanzwende" hat bereits vor einem halben Jahr einen Bericht zur Bafin veröffentlicht mit dem Untertitel "Zu mutlos, zu langsam, zu formal".

Es gibt immer wieder das Muster, dass die Bafin zu spät kommt, zu spät aktiv wird, und deswegen große Skandale entstehen können.
Gerhard Schick

Ein Beispiel dafür sei der Cum-Ex-Skandal. Außerdem werde zu oft die eigene Zuständigkeit hinterfragt, anstatt zu überlegen, was mit der Zuständigkeit machbar ist, um den Kapitalmarkt zu kontrollieren.

Es geht hier bei Wirecard ziemlich sicher um einen heftigen Fall von Kriminalität. Und da darf man nicht kuscheln mit den Akteuren, sondern da muss man reingehen, wie man auch sonst bei Kriminalität reingeht.
Gerhard Schick

Im Bilanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard stehen auch die Aufsichtsbehörden in der Kritik. Börsenexperte Frank Bethmann erklärt die Hintergründe.

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