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Möglicher Streik bei der Bahn - GDL zählt Urabstimmung aus

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Die Gespräche von GDL und Bahn sind gescheitert, nun droht ein Streik. GDL-Chef Weselsky geht fest davon aus, dass er kommt.

Eine Bahnreisende läuft im Hauptbahnhof in München an ICE-Zügen vorbei
Schon bald könnten die Bahnsteige während des Streiks wieder leer sein.
Quelle: dpa

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hat mit der Auszählung ihrer Urabstimmung über einen Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn begonnen.

Wir erwarten über 90 Prozent Zustimmung zum Streik.
Claus Weselsky, GDL-Chef

Das sagte GDL-Chef Claus Weselsky in Frankfurt am Main zum Auftakt der Zählung.

Ergebnis am Dienstag

Das Ergebnis der Briefwahl will die GDL erst am Dienstag verkünden. Notwendig sei die Zustimmung von 75 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Ungehört blieb ein Appell von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zur Mäßigung. Eine Bahnsprecherin forderte die GDL erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, weil für die Forderungen Lösungsvorschläge vorlägen. "Streiks in der jetzigen Zeit, in der wir alle mit viel Kraft daran arbeiten, die Folgen der Corona-Krise und der Flutkatastrophe zu bewältigen, würden unsere Kundinnen und Kunden und Zehntausende Beschäftigte wie ein Schlag ins Gesicht treffen."

Mit seiner Lok beteiligt sich ein Zugführer im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main an einem Warnstreik.

Drohender Lokführerstreik - Scheuer fordert Besonnenheit von Bahn und GDL 

Angesichts eines drohenden Lokführerstreiks hat Verkehrsminister Scheuer die Tarifparteien zur Besonnenheit aufgerufen. Die GDL rechnet mit einem Arbeitskampf.

Weselsky ließ offen, ob am Dienstag bereits konkrete Termine für Arbeitsniederlegungen genannt werden. Man werde auf jeden Fall den Bahn-Passagieren ausreichend Vorlauf einräumen, damit sich diese auf die Situation vorbereiten könnten.

Bahn äußert sich nicht zu möglichem Notfahrplan

Die Bahn wollte sich am Montag nicht zu ihren Streikvorbereitungen äußern, sondern Ankündigungen der GDL abwarten. Die Gewerkschaft hat sich bislang nicht in die Karten blicken lassen und auch offen gelassen, welche Bereiche sie bestreiken will. Am schlagkräftigsten ist sie bei den Lokführern.

Bei deren letztem Streik vor sechs Jahren hatte die Bahn einen Notfahrplan erstellt, um zumindest etwas Betrieb aufrecht zu erhalten. Im Fernverkehr konnte etwa ein Drittel der Züge fahren, vor allem auf den Hauptstrecken vom Ruhrgebiet nach Osten sowie von Hamburg nach Süden. Auch im Regionalverkehr und bei S-Bahnen dürfte bei einem Lokführerstreik ein Großteil der Züge ausfallen. Der gestörte Betriebsablauf könnte dann auch bei Konkurrenten der Deutschen Bahn zu Einschränkungen führen.

Die Tarifrunde zwischen der Bahn und der Gewerkschaft GDL steckt fest. Weselsky schloss erneut aus, beim gegenwärtigen Stand an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

GDL misst sich mit öffentlichem Dienst, Bahn mit Flughäfen

Die GDL fordert unter anderem:

  • Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent
  • eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr

Wegen der Pandemie will sich die Bahn aber am "Notlagentarifvertrag" der Flughäfen orientieren, der eine ähnliche Erhöhung um 3,2 Prozent auf einen längeren Zeitraum und spätere Stufenzeitpunkte verteilen würde, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Kurz vor Ende der Urabstimmung hatte Bahn-Personalchef Martin Seiler klargemacht, für wie schwierig er die Lage hält. "Es ist keine Tarifrunde wie jede andere." Die Bahn habe schon wegen der Corona-Krise mit Milliardenverlusten zu kämpfen. Hinzu kämen Folgen der Flutkatastrophe. Ein Streik sei eine "Attacke auf das ganze Land", kritisierte Seiler. Man könne sich in ein bis zwei Tagen einig werden, wenn die Gewerkschaft nur verhandeln wolle.

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