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Deutsche Bahn : Warum 40 Prozent der Fernzüge zu spät kommen

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Zwei von fünf Fernzügen hatten im Juli Verspätung. Im Januar waren es nicht mal halb so viele. Woran liegt das? Und gehört das Bahnnetz Ihrer Region zu den besonders überlasteten?

Die Zahl der Verspätungen bleibt hoch. Nach Angaben der Deutschen Bahn kamen im Juli 11,3 Prozent der Züge mindestens sechs Minuten später an als geplant. Im Regionalverkehr waren es 10,4 Prozent - im Fernverkehr mit 40,1 Prozent deutlich mehr:

Im Juli 2022 kamen gut 40 Prozent der Fernzüge zu spät. Im Januar waren es noch weniger als 20 Prozent.

Woran liegt das? Die Bahn nennt zwei Gründe: viele Baustellen und die "sehr hohe Auslastung der Züge und der zentralen Schienenwege". Konzernchef Richard Lutz bekannte, es habe selbst ihn überrascht, wie schnell die Nachfrage nach dem Ende der Pandemie-Beschränkungen zurückgekehrt sei.

Die Bahn macht wieder Gewinn - auch, weil die Passagierzahlen nach Ende der Corona-Beschränkungen in die Höhe geschnellt sind.

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Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer: "Wir haben seit 30, 40 Jahren die längst überfällige Verkehrswende beziehungsweise die Stärkung der Schiene vernachlässigt und müssen jetzt dringend umsteuern", sagt Prof. Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

So haben Personen- und Güterverkehr seit 1995 deutlich zugenommen - während das Schienennetz verkleinert wurde:

Das Schienennetz der Bahn ist zwischen 1995 und 2019 um 14,9 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig ist der Güterverkehr um 83,4 Prozent gewachsen, der Personenverkehr um 40,8 Prozent.

In diesen Regionen gibt es viele Verspätungen

Besonders voll ist es auf den Schienen rund um die westdeutschen Ballungsräume.

In Deutschland sind mehrere Bahn-Strecken besonders überlastet - darunter Hamburg-Hannover, Dortmund-Köln-Frankfurt, Frankfurt-Mannheim, Würzburg-Nürnberg, Karlsruhe-Basel, sowie die Strecken rund um Stuttgart und München.

Laut Philipp Kosok, Mobilitätsforscher beim Thinktank Agora Verkehrswende, gehen von drei Gebieten die meisten Verspätungen aus: "Das ist das Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt und Mannheim, das ist im Rhein-Ruhr-Gebiet vor allem der Raum Köln, und das ist Hamburg im Norden."

Ein Problem ist laut Knie, dass die Gleise teils noch auf die Bedürfnisse des 19. Jahrhunderts ausgelegt seien - mit den Engpässen im Westen einerseits und einer viel zu breit angelegten Infrastruktur beispielweise im Raum Görlitz andererseits.

Neben den strukturellen Gründen kann das Wetter Verspätungen auslösen, etwa, wenn ein Sturm Äste auf die Gleise weht. Außerdem gibt es technische Gründe: Fahrzeugstörungen, wie Türen, die nicht schließen, waren Ursache für 10,5 Prozent der Verspätungsminuten zwischen 2010 und 2019. Eine relativ kleine Rolle spielt mit 1,4 Prozent der Verspätungsminuten das Warten auf Anschlusszüge.

Warum wartet mein Anschlusszug nicht?

Das bedeutet umgekehrt für Passagiere: Hat der eigene Zug Verspätung, verpasst man oft seinen Anschluss. Nur wenn es keine Alternativen gibt und im Vergleich mehr Menschen davon profitieren würden, ordnen die Bahn-Disponenten an, dass der Zug wartet. Dringlicher wird es, wenn im Anschlusszug Bahn-Personal sitzt. Auf dieses muss dann gewartet werden.

Wie kann die Bahn pünktlicher werden?

Vor allem sind mehr Investitionen nötig. Da lag Deutschland bisher im europaweiten Vergleich hinten:

Deutschland gibt mit 88 Euro pro Kopf verhältnismäßig wenig für die Schiene aus. Spitzenreiter in Europa sind Luxemburg und die Schweiz mit 567 beziehungsweise 440 Euro. Schlusslicht Spanien gibt nur 40 Euro pro Kopf für die Schiene aus.

Laut Bundesverkehrsministerium sollen zwischen 2021 und 2025 etwa 45 Milliarden Euro in die bundesweite Infrastruktur des Schienennetzes und weitere 49 Milliarden Euro in den Ausbau innerhalb der Bundesländer investiert werden - mehr als doppelt so viel wie in die Straße.

Zudem könnte durch mehr Digitalisierung das Schienennetz besser genutzt und die Bahn pünktlicher werden.

Was die Bahn plant

Doch alle Investitionen bedeuten auch erstmal: Baustelle. Ab 2024 ist die Generalsanierung wichtiger Strecken geplant, parallel soll das digitale Zugsteuerungssystem ETCS eingeführt werden. Für die Arbeiten müssen wichtige Strecken monatelang gesperrt werden - sollen danach aber jahrelang baustellenfrei sein.

Mehr zu den Verspätungsgründen und Lösungsansätzen erfahren Sie in unserer Story:

Auf der Illustration sieht man zwei Gleise. Auf dem unteren fährt ein Zug, das obere Gleis ist eine Baustelle.

Nachrichten | Panorama - Warum die Bahn zu spät ist  

Die Fahrgastzahlen sollen sich bis 2030 verdoppeln, aber schon heute ist die Bahn oft zu spät. Woran das liegt - und was helfen kann.

Redaktion: Kevin Schubert

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