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Branche alarmiert : Bauwirtschaft beklagt Materialmangel

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Die Branche boomt, sie ist extrem zukunftsrelevant - und wird dennoch ausgebremst: In der Bauwirtschaft sind die Auftragsbücher voll und das Baumaterial knapp.

Ein Kran auf einer Baustelle. Symbolbild
Auf vielen Baustellen explodieren die Materialkosten.
Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild

Der Tag der Bauindustrie heute könnte Anlass sein, auf ein konjunkturelles Zugpferd zu schauen und sich über volle Auftragsbücher zu freuen. Das haben auch die beiden Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) in ihren Grußworten getan. Und auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter strich die zentrale Bedeutung der Branche für die Herausforderungen in naher Zukunft heraus.

"Preise gehen durch die Decke"

Doch aktuell gibt es neben vollen Auftragsbüchern und guten Zukunftsperspektiven in der Branche ein anderes Thema, das die Betriebe umtreibt: Den vollen Auftragsbüchern nämlich stehen Lieferengpässe bei Kunststoff, Holz und Stahl gegenüber - und damit verbunden explodierende Preise für diese Materialien.

Im Stahl-, Holz- und natürlich auch Kunststoffbereich haben wir das Problem, dass die Preise durch die Decke gehen,
Peter Hübner, Präsident Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB)

Stellenweise haben sich die Baustoff-Preise mehr als verdoppelt, beispielsweise beim Holz. Kostete ein Kubikmeter Bauholz früher rund 150 Euro, so sind die Preise bei mittlerweile etwa 400 Euro angelangt. Unternehmen berichten zudem, dass sich fast täglich die Preise ändern, was die Planung zusätzlich erschwert. "Das tut allen Baubetrieben im Augenblick weh", so Hübner. Sein Verband schätzt, dass die Unternehmen für Material aktuell 40 Prozent mehr berappen müssen als gewohnt.

Hohe Nachfrage am Bau trifft auf Angebotstief

Verantwortlich für den Preisanstieg vieler Baumaterialien sind zwei Tendenzen. Zum einen haben Unternehmen der Baustoffwirtschaft in der Krise reagiert und Produktionskapazitäten abgebaut. Das Hochfahren wiederum vollzieht sich langsamer.

Zum anderen sorgt die stark anziehende Weltkonjunktur nach dem Tal der Krise dafür, dass die Nachfrage nach Baustoffen generell sehr hoch ist. Länder wie die USA und China haben die Pandemie schneller in den Griff bekommen als etwa Europa. Deren Wirtschaften befinden sich wieder auf einem deutlichen Wachstumspfad. Daher zahlen diese Länder aktuell sehr hohe Preise etwa für Bauholz. Lieferanten bedienen diese lukrative Nachfrage und so wird aktuell viel Holz exportiert, was auf hiesigen Baustellen tendenziell fehlt.

Doch Holz ist nicht der einzige Baustoff, der knapp ist. Metalle und Stahl sind auch Mangelware auf deutschen Baustellen, ebenso wie ölbasierte Materialien wie Kunststoffe, wozu etwa Dämmmaterialien oder Kunststoffrohre gehören. Auch Bitumen, also Teer für den Straßenbau ist teuer geworden.

Bauunternehmen: Gewinnmargen unter Druck

Durch die hohen Preise geraten bei den Unternehmen mindestens die Gewinnmargen unter Druck - oder fallen sogar weg. "Bei den Bauunternehmen können wir gerade sehr viele Sorgenfalten erkennen", sagt Klaus Wohlrabe im Gespräch mit ZDFheute. Er ist Leiter der Umfragen im Ifo-Institut:

Oft sind Fixpreise vereinbart worden und jetzt steigen die Preise dramatisch an. Deswegen stehen die Unternehmen vor der schwierigen Entscheidung, ob sie die sinkenden Margen in Kauf nehmen können oder nachverhandeln müssen mit ihren Auftraggebern.
Klaus Wohlrabe, Ifo-Institut

In jüngsten Umfragen der Wirtschaftsforscher geben mehr als die Hälfte der Unternehmen der Baubranche an, Probleme bei der Beschaffung oder mit den hohen Preisen zu haben.

Öffentliche Bauträger könnten nachverhandeln

Öffentliche Bauträger haben bereits signalisiert, nachverhandeln zu können und zu wollen, um die Unternehmen nicht zu gefährden. Bei Neuverträgen sind die Unternehmen wiederum dabei, in die Verträge Preisgleitklauseln einzubauen.

Noch geht der Branchenverband HDB davon aus, dass die Umsätze der Bauwirtschaft in diesem Jahr auf dem Niveau des Vorjahres bleiben dürften. Peter Hübner betonte aber, dass man die Prognose überdenken müsse, wenn sich die Versorgungsprobleme mit Baumaterial nicht zügig lösen ließen.

Interview

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