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Hauptversammlung im Online-Modus - Bayer nutzt neues Aktionärsrecht

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Während manche Konzerne ihre Hauptversammlung verschieben, hat sich Bayer für die virtuelle Variante entschieden: Inhaltlich hat das Nachteile für die Aktionäre.

Auch vor der Konzernzentrale ungewohnte Bilder: Nur 20 Demonstranten dürfen mit Schutzmasken und ausreichend Sicherheitsabstand vor der Bayer-Zentrale stehen, während sich drinnen der Vorstand und Teile des Aufsichtsrats zur virtuellen Hauptversammlung (HV) treffen. Die Anteilseigner sitzen vor den Endgeräten und schauen nur zu.

Kritische Fragen bitte vorab einreichen

"Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Änderungen der gewohnten Abläufe im Umfeld der jährlichen Hauptversammlung", so Vorstandschef Werner Baumann in der Einladung, aber die Gesundheit aller habe "allerhöchste Priorität". Bisher verlangte das Aktienrecht die Anwesenheit der Aktionäre, doch eine Gesetzesänderung wegen der Corona-Pandemie macht es den Unternehmen jetzt möglich, ihre Hauptversammlungen virtuell durchzuführen.

Während viele Dax-Unternehmen ihre Aktionärstreffen auf unbestimmte Zeit verschoben haben und den Anteilseignern damit vorerst keine Dividende zahlen können, verschafft die Neuregelung auch Bayer einen ganz praktischen Vorteil: Der Konzern hat keine kritischen Nachfragen der Aktionäre zu befürchten. Die nämlich mussten ihre Fragen spätestens zwei Tage vor der HV einreichen, ohne überhaupt die Rede des Vorstands zu kennen.

Wie soll sich da eine Debatte zwischen Konzern und Aktionären entwickeln? Das ist schwer vorstellbar.
Markus Dufner, Dachverband der Kritischen Aktionäre

"Die Aktiengesellschaften können die HV als Werbeveranstaltung nutzen", kritisiert Dufner im Gespräch mit dem ZDF. "Das ist keine Lösung für die Zukunft, denn der Austausch ist wichtig", sagt auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

So wird die HV in diesem Jahr zwangsläufig um einiges ruhiger verlaufen als noch 2019. Da verweigerten die Aktionäre dem Vorstand die Entlastung. Der Aktienkurs hat sich nach dem Absturz Mitte März aber wieder etwas erholt.

Immer noch Zehntausende Glyphosat-Klagen

Einerseits ist die Nachfrage nach Bayer-Produkten im Zuge der Pandemie stark gestiegen, andererseits lasten die Corona-Einschränkungen auch auf Bayer. "Eine verlässliche Bewertung positiver wie auch negativer Effekte wird erst im weiteren Jahresverlauf möglich sein", so der Konzern.

Über der HV schwebt auch diesmal wieder das Damoklesschwert Glyphosat. Bis zum 14. April wurden laut Bayer Klagen von etwa 52.500 Klägern zugestellt. In dem Rechtsstreit geht es um mutmaßliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter des 2018 übernommenen Saatgutherstellers Monsanto.

Eine außergerichtliche Einigung könnte den Konzern nach Schätzungen mindestens zehn Milliarden Dollar kosten. "Bayer beteiligt sich weiterhin konstruktiv an der Mediation und hat dabei Fortschritte erzielt, bis der Ausbruch von Covid-19 und die globale Pandemie das Mediationsverfahren erheblich verlangsamt haben", heißt es.

Zwar produziere der Konzern derzeit keine Impfstoffe, könne das aber innerhalb der nächsten zwölf Monate tun, so Vorstand Baumann. Vorerst konzentrieren sich die Leverkusener darauf, das Malaria-Medikament Resochin mit dem Wirkstoff Chloroquin weltweit verfügbar zu machen. Das hemmt offenbar die Vermehrung des Coronavirus, wie Tests gezeigt haben.

"Wir produzieren Resochin ausschließlich fürs Gemeinwohl und geben es in der Krise kostenlos an Regierungen weiter", so Baumann. Die Coronakrise bietet der Bayer AG also die Chance, das angekratzte Image ein wenig aufzupolieren.

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