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Neuer Airport am Start - BER: Endlich fertig und schon Sanierungsfall

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Mehr als sechs Milliarden Euro hat der BER gekostet. Dreimal mehr als geplant. Doch das reicht nicht. Am Ende dürften die Steuerzahler mit bis zu zehn Milliarden Euro dabei sein.

Blick auf Terminal 1 des neuen Berliner Flughafens (BER)
Endlich geht der neue Flughafen in Betrieb - und schon gibts neue Probleme...
Quelle: Reuters

Groß gefeiert wird nicht, dafür gibt es auch keinen Grund. Berlins neuer Flughafen war schon teuer genug.

Mitten in die Erleichterung hinein, dass der Flugbetrieb nun endlich aufgenommen werden kann, verkündete die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB), bis 2023 mindestens weitere 1,02 Milliarden Euro zu benötigen, die man nicht in der Lage ist, selbst zu erwirtschaften.

Bitter ist das, doch es wird nicht die letzte Hiobsbotschaft gewesen sein. Eher müssen sich die Abgeordneten im Bundestag sowie in den Länderparlamenten in Berlin und Potsdam darauf einstellen, dass der Flughafenbetreiber wohl noch sieben weitere Jahre auf finanzielle Hilfen angewiesen sein wird, bis er dann vielleicht mal auf eigenen Beinen wird stehen können.

Am BER könnte es zu einer weiteren Verzögerung kommen.

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Hoffen auf Fluggäste

Der Grund liegt auf der Hand. Corona hat auch bei der FBB, die ja noch immer die Flughäfen in Tegel und Schönefeld betrieben hat, die Passagierzahlen und damit die Einnahmen einbrechen lassen.

Wann es wieder besser wird, mag BER-Chef Lütke Daldrup nicht sagen. Für kommendes Jahr wäre man schon froh, wenn in etwa wieder halb so viele Fluggäste wie noch 2019 kommen würden.

BER - bereits vor Corona ein Sanierungsfall

Doch damit kein Missverständnis entsteht: Bereits lange vor der Corona-Krise war der BER ein Sanierungsfall. Kein anderer deutscher Flughafenbetreiber schreibt derzeit solch hohe Verluste. Was aber auch nicht wundert. Denn wenn ein Haus dreimal so teuer wird wie ursprünglich gedacht, dann explodieren eben auch die Finanzierungskosten.

Wobei anzumerken ist, dass ein Normalsterblicher dann kaum noch in der Lage gewesen wäre, seine Villa weiterzubauen, weil die Bank den Hahn zugedreht hätte. Aber da Bund und Länder zu einhundert Prozent bürgen, wurde fertig gebaut. Nun drücken Milliardenlasten.

Corona "verschärft das Problem, ist aber nicht dessen Ursache"

Bereits Ende April zitierte der Berliner Tagesspiegel aus einer Studie renommierter Experten, die die Bilanzen und Geschäftsberichte der Gesellschaft ausgewertet haben. Darin heißt es:

Durch die Pandemie wird die vorerkrankte Patientin FBB noch einem sehr viel höheren Insolvenzrisiko ausgesetzt.

Und weiter: Der aktuelle Corona-Effekt "verschärft das Problem, ist aber nicht dessen Ursache." Die Hauptursache ist eine andere: Man hat zwar den Flughafen quasi zweimal bauen müssen und Geld für drei ausgegeben, aber in Betrieb wird nur einer genommen.

Problem: Das in den Büchern stehende Anlagevermögen ist schon heute viel weniger wert, als die per 31. Dezember 2018 ausgewiesenen 4,866 Milliarden Euro. Um drei Milliarden Euro müsste das Vermögen nach unten wertberichtigt werden, lautet der Befund der Studie, was wiederum erhebliche Negativauswirkungen auf das Eigenkapital der FBB hätte.

Ohne Bund und Länder wäre die Kreditwürdigkeit der Flughafenbetreiberin längst auf Ramschniveau.

Steuerzahler zahlen Flughafen-Projekt

Der BER wird also noch lange auf schwarze Zahlen warten müssen. Bis dahin werden weitere Milliarden fließen müssen.

Und das im Übrigen so geschickt, dass die EU-Wettbewerbsbehörde nicht auf die Idee kommt, das "Projekt von Weltdimension" auf verbotene Beihilfen zu untersuchen. Es wäre der nächste ärgerliche Tiefschlag.

Manchmal wütend gemacht habe ihn das Flughafen-Projekt, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller jüngst. Den Steuerzahler wird mehr als wütend machen, dass er unterm Strich für diese Baukatastrophe voraussichtlich mit bis zu zehn Milliarden Euro gerade stehen muss.

Der Flughafen BER steht für kollektives Versagen von Politik, öffentlichem und privatem Bauwesen. Seit 2011 wurde die Eröffnung immer wieder abgesagt. Bislang neun Mal.

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30 min
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