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Liebe auf Zeit: Wo Familien Kinder aufnehmen

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Berufung Bereitschaftspflege - Liebe auf Zeit: Wo Familien Kinder aufnehmen

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Mal eben Pflegefamilie werden, vom Pflegegeld profitieren - mitnichten. Es gibt hohe Hürden und es wird viel abverlangt. Nicht nur den Pflegeeltern. Über eine besondere Berufung.

Wie Pflegeeltern Kinder aufnehmen und für sie sorgen

Beitragslänge:
28 min
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Muss ein minderjähriges Kind durch das Jugendamt aus seiner leiblichen Familie herausgenommen werden, so muss es Familien geben, die Tag und Nacht bereit stehen, ein solches Kind in Obhut zu nehmen.

Meist sind die Gründe für eine Inobhutnahme

  • Alkohol- und Drogenkonsum im familiären Umfeld,
  • physische oder psychische Gewaltanwendung oder gar sexueller Missbrauch
  • unbegleiteten Einreise von Flüchtlingskindern

50.000 Inobhutnahmen pro Jahr

In Deutschland nehmen die Jugendämter Jahr für Jahr mehr als 50.000 Kinder in Obhut. Diesen Kindern soll ermöglicht werden, in einem familiären Umfeld unterzukommen, da sie hier anders als in einem Kinderheim (oft erstmals) funktionierende familiäre Strukturen kennenlernen können.

Jetzt könnte man fragen, warum kommen diese Kinder nicht direkt in Dauerpflegefamilien? Eine Dauerpflegefamilie, die ein Kind nach dieser Überbrückungszeit (in der Regel für immer) aufnimmt, benötigt einfach logistisch, aber auch emotional eine gewisse Vorbereitungszeit.

Pflegefamilien müssen belastbar sein

Bereitschaftspflegefamilien verpflichten sich u.a., dass ein Elternteil nicht arbeitet, immer ein freies Kinderzimmer zur Verfügung steht, genauso wie Kleidung, Windeln und viele andere Dinge mehr - für jedes Alter. Die Räumlichkeiten dürfen nicht zu beengt sein. Ein Jugendamt wird einer Familie, die mit zwei eigenen Kindern in einer Vierzimmerwohnung lebt, keinen Bereitschaftspflegeplatz zugestehen.

Welche Voraussetzungen gibt es für Pflegefamilien?

Beitragslänge:
1 min
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Bereitschaftspflege"familien" (ja, auch die eigenen leiblichen Kinder) müssen physisch und psychisch hoch belastbar sein, denn die aufzunehmenden Kinder sind psychisch und oft auch physisch krank und bedürfen einer enormen Betreuung. Die Betreuung oder gar Erziehung ist somit überhaupt nicht mit der der eigenen leiblichen Kinder zu vergleichen. Ein alleinerziehender Elternteil kommt für Bereitschaftspflege grundsätzlich nicht in Betracht. Und ja: Auch die eigenen leiblichen Kinder müssen "mitziehen", sonst wird das Projekt "Bereitschaftspflege" scheitern. Ja, eigene leibliche Kinder sind auch Voraussetzung.

Hohe Hürden

Ein Elternteil darf nicht berufstätig sein - auch wenn mal ein Bereitschaftspflegeplatz nicht belegt ist. Erwähnt werden muss auch, dass zusätzlich sowohl ein einwandfreies (erweitertes) polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitsattest ohne Befund, finanzielle Sicherheit (Interessenten dürfen nicht auf das Pflegegeld angewiesen sein), eine zum Teil mehrwöchige Aus- und regelmäßige Weiterbildungen selbstverständlich sind. Es muss auch klar sein, dass das eigene Haus "gläsern" wird: regelmäßige Besuche des Jugendamtes, in vielen Fällen der leiblichen Eltern und bei der Abgabe des Kindes wochenlange Besuche der künftigen Dauerpflegeeltern sind nicht zu vermeiden.

Durch die Unplanbarkeit der Aufnahme eines Kindes ist eine hohe zeitliche und psychische Flexibilität unumgänglich - und was häufig unterschätzt wird: Die Familie muss bereit und in der Lage sein, nachdem sie sich über Monate an ein neues Familienmitglied gewöhnt hat, dies auch wieder abzugeben. Diese psychische Belastung wird oftmals unterschätzt.

Pflegegeld wird kompliziert versteuert

Bereitschaftspflegeeltern erhalten Pflegegeld nach §33 SGB VIII. Die Berechnung ist hoch kompliziert und variiert teilweise von Jugendamt zu Jugendamt und liegt ganz grob zwischen 1.200 und 1.500 Euro. Dazu gibt es Einmalleistungen wie z.B. zur Erstausstattung. Die Fragen der Versteuerung bzw. Steuerfreibeträgen sind noch viel komplizierter und häufig nur in der Einzelfallkonstellation zu klären. Das Pflegegeld hört sich zunächst sehr hoch an. Sehr viel Geld: Ja, aber.

Vom Pflegegeld muss dann alles für das Kind bezahlt werden, von der Windel bis zur Busfahrkarte in die Schule. Grundsätzlich gibt es dann eben für Pflegekinder auch kein Elterngeld. Außerdem muss beachtet werden, dass dieser "Job" eben nicht zu einer Kranken-, Sozialversicherungs- oder Rentenpflicht mit Beiträgen des Arbeitsgebers führt. Eine Rente wird nicht erwirtschaftet. Bereitschaftspflege ist Berufung, kein Beruf.

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