Drei Prozent mehr Lohn für Chemie- und Pharmabeschäftigte

    Einigung bei Tarifverhandlungen:Mehr Lohn für Chemie- und Pharmabeschäftigte

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    Drei Prozent mehr Lohn und Sonderzahlungen von 3.000 Euro. Darauf haben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen für die Chemie- und Pharmabranche verständigt.

    Über eine halbe Million Beschäftigte in der deutschen Chemie- und Pharmabranche bekommen kräftige Lohnerhöhungen. Die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC einigten sich in ihren Tarifverhandlungen auf zwei tabellenwirksame Lohnsteigerungen von jeweils 3,25 Prozent sowie Einmalzahlungen von insgesamt 3.000 Euro, wie beide Seiten in Wiesbaden mitteilten. Die Laufzeit des Tarifabschlusses beträgt 20 Monate.
    Die Einmalzahlungen sind demnach als Inflationsgeld steuer- und abgabenfrei und werden in zwei Schritten von jeweils 1.500 Euro pro Kopf ausgezahlt: spätestens im Januar 2023 und im Januar 2024. Auch die dauerhaften Lohnsteigerungen erfolgen in zwei Stufen: Ein Plus von 3,25 Prozent gibt es ab Januar 2023 und weitere 3,25 Prozent ab Januar 2024.
    Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten können die beiden Schritte der Lohnerhöhung mittels Betriebsvereinbarungen um bis zu drei Monate verschieben. Das Paket gilt für 1.900 Betriebe.

    BAVC-Präsident: Höchste Tariferhöhung seit 30 Jahren

    "Mit diesem Ergebnis halten wir die Balance zwischen der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und den Interessen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte Kai Beckmann, Präsident des BAVC. Der stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, Ralf Sikorski, sprach von der "höchsten Tariferhöhung in der Chemie seit mehr als 30 Jahren".
    Die Chemieindustrie ist auf russisches Erdgas angewiesen. Weniger Gas würde sich negativ auf die Herstellung von Arzneimittel, Textilfasern, Kunststoffe und Dünger auswirken und hunderttausende Jobs gefährden.04.04.2022 | 1:41 min
    Bereits im April hatten sich IG BCE und BAVC wegen der Unsicherheit um den Ukraine-Krieg und der hohen Inflation auf einen Teilabschluss als Brückenlösung geeinigt, der Ende Oktober ausläuft: Eine Einmalzahlung von 1.400 Euro pro Beschäftigtem und 1.000 Euro pro Kopf bei Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

    Gaskrise belastet Chemie- und Pharmaindustrie

    Die Tarifverhandlungen standen unter dem Eindruck der Gaskrise, die der energieintensiven Chemie- und Pharmaindustrie besonders zu schaffen macht. Die Branche kann die hohen Preise für Gas und auch Strom nur begrenzt an Kunden weiterreichen.
    Erdgasnutzung in Deutschland (2021)
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    Die Branche ist mit einem Anteil von 15 Prozent größter deutscher Gasverbraucher, knapp ein Drittel des Industrieverbrauchs entfällt auf sie. Der Abschluss in der Chemie- und Pharmaindustrie könnte ein Signal sein, wie andere Branchen mit der Rekordinflation umgehen.
    Quelle: dpa