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Deutsche Autohersteller : Der Goldrausch in China könnte schnell enden

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Die deutsche Wirtschaft feiert sich für äußerst gute Geschäfte in China. Allzu abhängig sollte sie sich von diesem Massenmarkt nicht machen - der Wind könnte sich schnell drehen.

China, Shanghai: Ein "concept car" präsentiert von Mercedes in Shanghai.
Ein "Concept Car" von Mercedes bei der Automesse in Shanghai.
Quelle: epa

Am Wochenende Daimler, gestern VW, heute BMW. Die deutschen Autohersteller überbieten sich derzeit auf der Automesse in Shanghai mit Goodnews. Sie verkaufen Neuwagen wie geschnittenes Brot.

Die Absatzzahlen von BMW waren so gut, dass der Konzern bereits heute seine Quartalszahlen vorab veröffentlichen musste: Die wesentlichen Ergebniskennzahlen lägen über den Markterwartungen, hieß es dazu aus der Münchener Konzernzentrale. Dax-Konzerne sind zu einem solchen Schritt verpflichtet, wenn tatsächliche Zahlen zu sehr von den einmal angenommenen abweichen.

Die USA dürften bald nur an Nummer zwei stehen

Normalerweise verheißen Adhoc-Mitteilungen nichts Gutes, doch dank China müssen die deutschen Autobauer - ungewöhnlich genug - mittlerweile vor steigenden Gewinnen "warnen". Vier von zehn Neuwagen verkaufen sie inzwischen in der Volksrepublik, hat die Unternehmensberatung EY errechnet.

Nicht nur für die deutschen Autokonzerne, auch für die Maschinenbauer und die Produzenten von Chemie- und Pharmaerzeugnissen ist China so etwas wie das wirtschaftliche Schlaraffenland schlechthin geworden.

Keiner kann es sich leisten, dort, in diesem Riesenreich, mit seinen Produkten nicht vertreten zu sein. China ist auf dem besten Weg, die USA als größten und wichtigsten Einzel-Abnehmer deutscher Produkte abzulösen. Es wäre ein Zäsur.

Chinas Wirtschaftszahlen richtg deuten

Und gleichzeitig - das ist bereits jetzt absehbar - birgt diese Wachablösung hohe Risiken. Es mehren sich die Anzeichen, dass auch im Reich der Mitte nicht auf ewig Milch und Honig fließen werden: Unlängst überraschte die Volksrepublik die Öffentlichkeit zwar noch mal mit einem Rekordanstieg. Im ersten Quartal 2021 wuchs die chinesische Wirtschaft mit 18,3 Prozent so stark wie noch nie.

Doch der Vergleichszeitraum, die ersten drei Monate des vergangenen Jahres, sind ein schlechter Maßstab. Damals bereits wütete das Coronavirus in China, woraufhin das Bruttoinlandsprodukt des Landes stark eingebrochen war. Vergleicht man die bisherige Wirtschaftsleistung in diesem Jahr hingegen mit dem Vorquartal, konnte die chinesische Wirtschaft nur noch um mickrige 0,6 Prozent zulegen.

Mit Staatshilfen dürfte bald Schluss sein

Ökonom und China-Kenner Julian Evans-Pritchard von Capital Economics relativiert weiter:

Wir gehen davon aus, dass das Wachstum im Quartalsvergleich für den Rest des Jahres bescheiden bleiben wird.
Julian Evans-Pritchard

Und begründet das auch: "Die Wirtschaft hat bereits das Vorkrisenniveau übertroffen, weshalb die politische Unterstützung zurückgezogen wird." Schrittweise dürfte die Volkspartei in Kürze damit beginnen, ihre großzügigen staatlichen Hilfen zurückzufahren. Die Zentralbank etwa will das Kreditwachstum eindämmen, um Risiken für das Finanzsystem abzubauen. Und das dürfte das Wachstum in China deutlich bremsen.

Deutsche Unternehmen müssen genau aufpassen

Und dann weiß man nie, wie die Kommunistische Partei nach ihrem 100. Geburtstag im Juli reagieren wird. Dort wird sie ihre Erfolge beim Umbau der Wirtschaft feiern. Sie wird sich dafür loben, dass sie auf vielen strategischen Zukunftsfeldern wie der der Künstlich Intelligenz oder der Nanotechnologie aufgeholt hat.

Vor allem aber wird sie an ihrem Ziel festhalten, dass die Staatskonzerne noch erfolgreicher und mächtiger werden. Dies wird der Zeitpunkt sein an dem die ausländische Konkurrenz - auch und vor allem die deutschen Anbieter - aufpassen müssen.

Im Augenblick gewinnen deutsche Unternehmen, Volkswagen als Beispiel, kräftig Marktanteile in China dazu. Doch die Spielregeln für den Erfolg, den bestimmt die Kommunistische Partei. Und es wäre nicht das erste Mal, dass Peking eingreift und die Spielregeln ändert. Eine zu große, einseitige Abhängigkeit von China birgt also auch hohe Risiken. Darüber sollten sich bei allen Erfolgsmeldungen vor allem die deutschen Autobauer im Klaren sein.

Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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