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Abhängig von der Globalisierung - "China ist der Dreh- und Angelpunkt"

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Die chinesische Industrie klettert die Wertschöpfungskette immer weiter nach oben. Das setzt die deutsche Wirtschaft unter Innovationsdruck, sagt China-Forscher Sebastian Heilmann.

Die Corona-Pandemie deckt auf, wie verwundbar das deutsche Exportmodell ist. Lieferketten sind zusammengebrochen, weil Fabriken in Frankreich, Italien oder China stillstanden.

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27 min
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makro: Produktionsausfälle, Lieferketten, Liquidität - wir erleben gerade, wie anfällig unsere vernetzte Welt ist. Ist die Globalisierung zu weit gegangen?

Sebastian Heilmann: Globale Lieferketten und Produktionsnetze haben viele Ökonomien und Gesellschaften wohlhabender, aber definitiv auch verwundbarer gemacht. Wir sind davon abhängig, dass nicht einmal die schwächsten Glieder in der Lieferkette reißen.

Leider kann aber gerade das passieren, wie wir im Kontext der Pandemie lernen. Wir müssen deshalb in sicherheitskritischen Feldern, eindeutig im Gesundheits- und Pharmabereich und wohl auch in Teilen der Nahrungsmittelproduktion, die Fähigkeit zu einer verlässlichen Selbstversorgung zumindest innerhalb der EU fest in den Blick nehmen.

makro: Kann Produktion in nennenswertem Umfang nach Deutschland zurückgeholt werden?

Heilmann: Das ist dank neuer Technologien, insbesondere vernetzter Produktion und Robotik, selbst in Branchen möglich, wo dies bisher aus Kostengründen undenkbar schien: Schuh- und Textilherstellung etwa.

Allerdings führen Vergleichsrechnungen für die Produktion von Unterhaltungselektronik oder Sportbekleidung zu eindeutigen Ergebnissen: Konsumgüter werden deutlich teurer werden, wenn wir sie nicht mehr in China, Vietnam oder Bangladesch, sondern in Deutschland zu heutigen Konditionen produzieren.

makro: War China vor einigen Jahren noch auf die alten Industriestaaten angewiesen, sind heute viele Produkte ohne chinesische Hightech-Komponenten gar nicht mehr denkbar. Entsteht hier eine neue Abhängigkeit?

Heilmann: Tatsächlich klettert die chinesische Industrie die Wertschöpfungsleiter erstaunlich rasch immer weiter nach oben. Theoretisch könnten wir Smartphones und Laptops auch in Europa herstellen. Aber wir verfügen nicht über die gigantischen Zuliefer-, Fertigungs- und Logistik-Cluster, die in China in der Produktion von Elektronik für die globalen Märkte entstanden sind.

China ist für die globale Produktion unzweifelhaft der Dreh- und Angelpunkt und zugleich ein unverzichtbarer riesiger Markt. Chinas Gewicht wird mit wachsendem Wohlstand eher noch zunehmen - sofern es nicht zu einer harten Abkopplung gegenüber den USA, Japan oder auch Europa im Zuge eines neuartigen "Kalten Krieges" kommt.

makro: Um den Maschinen- und Anlagenbau - das Herz des deutschen Mittelstands - beneidet uns die Welt. Wie bewerten Sie die wachsende chinesische Konkurrenz in diesem Sektor?

Heilmann: Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist ungemein vielgestaltig und mit Hunderten wettbewerbsstarker, hochflexibler und innovativer Unternehmen bestückt. Allerdings werden alle Unternehmen, die sich nicht konsequent der Digitalisierung aussetzen, neue Wettbewerber aus China nicht wachsam im Blick behalten und Anpassungen ihres Geschäftsmodells nicht beständig durchführen, schon in den nächsten Jahren in Existenznöte geraten.

Deutschland hat jedoch, was Fachkräfte und Forscher in Technik und Industrie angeht, immer noch große Stärken - auch im Vergleich zu China. Und chinesische Unternehmen haben weltweit mit Reputationsproblemen und politischem Gegenwind zu kämpfen. Ein Selbstläufer ist der industrielle Aufstieg Chinas also keineswegs.

Das Interview führte Carsten Meyer.

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