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Evergrande-Pleite - Peking tritt auf die Schuldenbremse

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Dass der chinesische Immobilienriese Evergrande der Pleite entgegentaumelt, ist keine Nachricht mehr. Die Konsequenz, mit der Chinas Führung den Fall abwickelt, sehr wohl.

Der Hauptsitz von Evergrande. Archivbild
Der Hauptsitz von Chinas Immobilienriese Evergrande. Evergrande ist der höchstverschuldete Immobilienentwickler der Welt. (Archivbild)
Quelle: Ng Han Guan/AP/dpa

Peking macht ernst im Kampf gegen die Schulden - und ist bereit, für eine finanziell solide aufgestellte Unternehmenslandschaft Einbußen im Wirtschaftswachstum in Kauf zu nehmen. Im Fokus steht die Immobilienbranche, deren Exzesse Chinas Regierung schon seit Jahren argwöhnisch und mit wachsendem Missfallen beäugt.

Nachdem bisherige Maßnahmen, das Schuldenrisiko der Branche in den Griff zu bekommen, wenig gefruchtet haben, hat sich das mit dem neuesten Vorstoß gründlich geändert. Allerdings mit schmerzhaften Nebenwirkungen.

Evergrande verscherbelt Tafelsilber

Evergrande, der höchstverschuldete Immobilienentwickler der Welt, steht exemplarisch für genau das, was man in Peking nicht mehr sehen will: kreditgetriebene Spekulation und Hybris.

"Es ist eine Krise, die die chinesische Regierung erwartet hat und deswegen denke ich, dass sie die auch wieder in den Griff kriegen", so ZDF-Korrespondent Ulf Röller.

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Was am Ende des Überlebenskampfes von Evergrande noch übrig bleiben wird, ist unklar. Aber Notverkäufe zur Bedienung seiner Kredite haben begonnen: 1,5 Milliarden Dollar gibt's für die Beteiligung an der Shengjing Bank und fünf Milliarden Dollar für den Verkauf einer Tochtergesellschaft an den Konkurrenten Hopson. Angesichts von 300 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten bei Kunden, Banken und Anlegern eher Peanuts. Dass "ever" und "grand" die Zukunft der Firma charakterisieren werden, glaubt unter Beobachtern niemand.

Rettung vom Staat? Eher nicht.

Vergleiche werden gezogen: die Pleite von Lehman Brothers, welche die Welt 2008 in die Finanzkrise stürzte. Oder die Eurokrise 2011/12: 300 Milliarden Dollar Schulden - das ist die Größenordnung, mit der Griechenland die Eurozone fast gesprengt hätte.

Also: Was tut Chinas Regierung? Sie tut vieles, um die Schockwellen einer Evergrande-Pleite zu dämpfen, Dominoeffekte auf den Rest der Wirtschaft zu unterbinden und unmittelbar Betroffenen unter die Arme zu greifen. "Ringfencing" nennt man das.

Viel interessanter ist aber, was die Regierung nicht tut: Für den Bail-out, also eine direkte Rettung von Evergrande, gibt es keinerlei Anzeichen.

Peking statuiert ein Exempel

"Ich glaube, dass an Evergrande gerade ein Exempel statuiert wird", sagt Prof. Tobias Just, Immobilienökonom und Mitherausgeber des Buchs "Understanding China's Real Estate Market":

Der Staat will klare Grenzen aufzeigen - und möglicherweise möchte die Zentralregierung auch keine Anreize für andere trudelnde Unternehmen setzen, riskante Geschäfte einzugehen.
Prof. Tobias Just

In Peking hat man das Verhalten westlicher Regierungen in Wirtschaftskrisen genau studiert und ist sich des "too big to fail"-Dilemmas bewusst - dass Unternehmen zu groß, zu wichtig, zu systemrelevant sind, als dass ein Staat es sich leisten könnte, sie pleitegehen zu lassen.

An der chinesischen Börse wurde erstmals der Handel mit Evergrande-Aktien ausgesetzt. Der Grund: Der Immobilienriese ist völlig überschuldet. Frank Bethmann hat Details.

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Dieses Spiel will Peking nicht mitspielen. Chinas Führung duldet keine Risiken, die sie im Innern erpressbar macht und im Sinne systemischer Finanzkrisen nach außen schwächt. Das ist der wesentliche Antrieb, den Schulden den Kampf anzusagen.

Xi Jinping verordnet Kurswechsel

Unter den zehn am höchsten verschuldeten Firmen des Landes sind gleich neun Baukonzerne. Mit dem Bau von Wohnungen, Bahntrassen, Brücken und Flughäfen trieben und treiben sie Chinas Wirtschaft an - angesichts des gewaltigen Kapitalbedarfs weitgehend auf Pump. Rund ein Viertel der chinesischen Wirtschaft macht der Sektor aus, fasst man ihn etwas weiter sogar bis zu einem Drittel.

Nun hat Staatspräsident Xi Jinping verfügt, China brauche "echtes Wachstum", kein "fiktionales Wachstum". Was er will, sind beispielsweise massive Investitionen in den Hightech-Sektor mit dem Ziel der globalen Technologieführerschaft. Was er nicht will: Geschäftsmodelle wie das von Evergrande. Und so hat Chinas Finanzaufseher im August 2020 die "drei roten Linien" eingeführt - so etwas wie Maastricht-Kriterien für den Immobiliensektor.

Mehr Hightech, weniger Beton

Peking versuche, kreditintensive Sektoren insgesamt in ihrer Größe einzuschränken, sagt Fred Neumann, Asien-Chefvolkswirt der Großbank HSBC. So werde der Anteil von Immobilienbau und Infrastruktur am Bruttosozialprodukt langsam zurückgehen.

In China sind die Finanzmärkte in heller Aufregung. Grund ist der private Immobilienriese Evergrande, der Schulden von mehr als 300 Milliarden US-Dollar hat und kurz vor der Pleite steht.

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Während also in Deutschland gerade diskutiert wird, in genau diese Sektoren massiv zu investieren und dafür mehr Schulden zu erlauben, führt China eine Schuldenbremse ein und tritt sie voll durch.

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