ZDFheute

Hilft Chinas Boom der deutschen Wirtschaft?

Sie sind hier:

Geschäfte mit Fernost - Hilft Chinas Boom der deutschen Wirtschaft?

Datum:

Chinas Wirtschaft boomt wieder, während in Deutschland die Sorgen vor einem neuen Shutdown wachsen. Welche Folgen hat die Stärke Chinas für die deutsche Wirtschaft?

Archiv: Arbeiter überprüfen eine Produktionslinie am 16.07.2020 in Lianyungang (China).
Arbeiter überprüfen eine Produktionslinie in Lianyungang (China): Deutschland hofft auf einen Aufschwung dank Chinas Boom.
Quelle: dpa

4,9 Prozent Wirtschaftswachstum im dritten Quartal, 3,2 Prozent im zweiten Quartal: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt scheint die Corona-Krise gut weggesteckt zu haben. Das freut auch die deutschen Exporteure, denn China ist für viele Branchen ein sehr wichtiger Markt.

Deutsche PKW sind sehr gefragt

So auch für die deutsche Autoindustrie: 700.000 Mercedes hat etwa der Autohersteller Daimler allein im vergangenen Jahr auf dem weltgrößten Automarkt abgesetzt, das war mehr als doppelt so viel wie im zweitgrößten Markt, den USA.

Die Autoindustrie ist Arbeitgeber für Millionen – auch dank guter Beziehungen zur Politik. Dann kommt die Krise: Die Stimmung scheint zu kippen.

Beitragslänge:
43 min
Datum:

"Wir erwarten in den nächsten zehn Jahren das größte Wachstum auch in China", sagte Daimler-Chef Ola Källenius erst Anfang der Woche im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Abhängigkeit von China birgt Gefahren

Auch die anderen deutschen Hersteller setzen auf China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnerinnen und Einwohnern. Vor allem Volkswagen ist stark abhängig von Wohl und Wehe der Volkswirtschaft dort, denn zwei Fünftel seiner Autos verkaufen die Wolfsburger in China.

Für riskant hält Daimler-Chef Källenius diese Ausrichtung der deutschen Autohersteller jedoch nicht:

Es wäre eine falsche Entscheidung zu sagen, wir sind zu abhängig von China. Da würden uns so viele Chancen entgehen.
Ola Källenius

Ökonomen sehen das kritischer: Ein Viertel der Investitionen der deutschen Autoindustrie sei nach China gegangen, fast dreimal so viel wie vor zehn oder 15 Jahren, meint etwa Rolf Langhammer, Handelsökonom des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel: "Wir wissen aber nicht, ob wir unsere Technologie verteidigen können, wenn wir dort investieren", warnt er.

Politische Absichten Chinas sind unklar

Seit sieben Jahren verhandle die EU mit China über ein Investitionsschutzabkommen. So soll Reziprozität gelten, also gleiche Bedingungen in den gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen.

Flaggen der Europäischen Union und der Volksrepublik China

Kommentar zum EU-China-Gipfel -
Das Problem ist nicht allein China
 

Peking verlangt von anderen, was es selbst nicht zu geben bereit ist. Europas Antwort darauf sollte deutlich sein. Aber ausgerechnet Deutschland schwächt eine gemeinsame Position.

von Thomas Reichart

Auch wenn inzwischen die Hoffnung auf einen Abschluss wächst, bleiben Sorgen, meint der Ökonom: "Es gibt einen Verdacht auf der europäischen Seite, dass wir es mit einem Partner zu tun haben, bei dem nicht nur wirtschaftliche Interessen vorherrschen, sondern auch politische." Welches politische Ziel das sein könnte, das durchschaue man jedoch nicht.

Experte: Europa hat "andere Empfindlichkeiten" als China

"Die Chinesen haben ihre eigenen Vorstellungen, ihre eigenen Regeln, und diese Regeln sind nicht konform mit dem, was der Westen sich an Regeln vorstellt. Wir Europäer sind anders", sagt auch Horst Löchel, Chinaexperte der Frankfurt School of Finance and Management, der selbst lange In China geforscht hat. "Eine stärker individualisierte und demokratisch verfasste Gesellschaft hat andere Empfindlichkeiten."

In China sei der Individualismus auch aus der Tradition heraus weniger stark ausgeprägt. Das helfe etwa bei der Durchsetzung der künstlichen Intelligenz.

Deutschland bei Industrie 4.0 führend

Allerdings brauche sich da auch Deutschland nicht zu verstecken, gerade beim Internet der Dinge oder der Industrie 4.0. sei der deutsche Maschinen- und Anlagenbau führend in der Welt.

Auch in der europäischen Pharmaindustrie beginnt man sich umzuorientieren. So versuchen die Unternehmen, sich nicht mehr so stark wie bisher von chinesischen Zulieferern abhängig zu machen und beginnen, die Lieferketten zu diversifizieren. "China wird inzwischen anders als vor einigen Jahren als 'systemischer Rivale' gesehen", meint Handelsökonom Langhammer. "Deshalb bewertet man auch die Abhängigkeit heute anders."

Raffinierie in Hemmingstedt, Schleswig-Holstein

Herbstgutachten zu Corona-Folgen -
Wirtschaft erholt sich langsamer als erwartet
 

Die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen wegen der Corona-Krise mit einem längeren Aufholprozess der deutschen Wirtschaft. Das Niveau vor der Krise werde erst Ende 2021 erreicht.

Vor allem Luxusgüter sind gefragt

Doch langfristig will das Reich der Mitte die Nachfrage im eigenen Land stärken. Wegen der Corona-Krise sind es jedoch vor allem die Reichen, die nach der "Hurun-Liste" des chinesischen Geldadels ihr Vermögen in diesem Jahr sogar noch steigern konnten - um eineinhalb Billionen Dollar.

Von ihnen profitieren die Hersteller westlicher Luxusgüter. Dazu gehören auch die Limousinen der deutschen Autoindustrie, die in China reißenden Absatz finden, und das vielleicht noch mehr als sonst, weil die Chinesen wegen der Corona-Pandemie nicht mehr so viel reisen wie in früheren Jahren.

Sie geben ihr Geld lieber im Inland aus, während die ärmeren Schichten der Bevölkerung ihren Konsum wegen der Krise einschränken müssen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.