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Zwangsarbeit von Uiguren in der Textilbranche

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Menschenrechte in China - Zwangsarbeit von Uiguren in der Textilbranche

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In chinesischen Straflagern leisten Uiguren Zwangsarbeit. Auch internationale Großkonzerne verarbeiten Produkte dieser Betriebe. Was können Verbraucher in Deutschland dagegen tun?

Umerziehungslager im chinesischen Artux
Teils werden die Häftlinge zur Arbeit in Fabriken geschickt, teils kommen die Fabriken in die Lager. Wie hier in der Stadt Artux. (Archivbild)
Quelle: getty images

Über die Kampagne der chinesischen Regierung gegen die uigurisch-muslimische Minderheit im Westen Chinas dringen nur wenige Details nach außen. Was offiziell als Maßnahmen gegen Extremismus und Armut legitimiert wird, ist laut Menschenrechtsorganisationen eine an kulturellen Genozid grenzende Unterdrückung.

Schätzungsweise eineinhalb Million Uiguren leben in Straflagern, wo sie getrennt von ihren Familien ideologisch auf Linie gebracht werden sollen und viele von ihnen – dafür gibt es stetig mehr Belege – Zwangsarbeit leisten müssen.

Jedes fünfte Baumwollprodukt soll betroffen sein

Eine Allianz aus mehr als 180 Organisationen rief internationale Großkonzerne Mitte Juli auf, sich nicht länger an der Ausbeutung von uigurischen Zwangsarbeitern zu beteiligen und ihre Lieferketten dahingehend zu überprüfen.

Rund 20 Prozent der weltweit produzierten Baumwolle komme aus Xinjiang und jedes fünfte weltweit verkaufte Kleidungsstück könnte so von Zwangsarbeit potenziell betroffen sein, so die Initiative.

Zwangsarbeit ist Teil der chinesischen Staatspolitik.
Hanno Schedler, Gesellschaft für bedrohte Völker

Hanno Schedler von der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker fordert, dass Unternehmen Konsequenzen aus Berichten über Zwangsarbeit und Unterdrückung ziehen: "In Regionen wie Xinjiang sollten sie gar nicht mehr aktiv sein", so Schedler gegenüber ZDFheute. "Es sollte auch darauf geachtet werden, dass die chinesische Regierung weder direkt noch indirekt an Kooperationen beteiligt ist."

Die Uiguren sind eine Minderheit, die im Norden Chinas lebt und von den Behörden angeblich überwacht, verfolgt, eingesperrt wird. Deutschland unternehme dagegen nichts, klagen Menschenrechtler. Eventuell weil auch deutsche Konzerne dort produzieren?

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Vorwürfe gegen Unternehmen von Adidas bis Esprit

Unter Verweis auf eine Studie des Australian Strategic Policy Institutes vom März, einer Recherche des "Wall Street Journals" vom Mai und anderer Quellen veröffentlichte die Initiative der 180 Menschenrechtsorganisationen auch eine Liste an Unternehmen, denen sie vorwerfen, Produkte oder Werkstoffe aus uigurischer Zwangsarbeit zu verwenden.

Das "Wall Street Journal" hatte etwa die Tätigkeit von Huafu, einem Zuliefererbetrieb zahlreicher großer Modeketten, untersucht. Laut der Zeitung sei von Huafu produziertes Garn aus Lager-Fabriken in Xinjiang in T-Shirts von H&M wie auch in Produkten von Adidas und Esprit zu finden.

Adidas und Esprit teilten der Zeitung mit, dass sie keine Materialien direkt von Huafu einkauften. Adidas habe zudem seine Zulieferer angewiesen, kein Huafu-Garn zu ordern, während der Konzern die Vorwürfe weiter prüfe. Bereits seit 2016 hätte man seinen Zulieferern verboten, Arbeitskräfte über die Regierungsprogramme in Xinjiang anzuwerben, so der deutsche Konzern.

Lieferkettengesetz könnte Klarheit bringen

Diese Erklärungen verdeutlichen, wie schwer es ist, nachzuvollziehen, was genau in Kleidung und anderen Produkten steckt. Das von den Bundesministern Hubertus Heil (SPD) und Gerd Müller (CSU) geforderte Lieferkettengesetz könnte da Klarheit schaffen.

Es sieht vor, dass Umwelt- und Menschenrechtsstandards bei allen Fertigungsschritten beachtet werden müssen. Dafür müssten Unternehmen offenlegen, mit welchen Zulieferern sie in welcher Form zusammenarbeiten.

Wirtschaftsverbände kritisieren das Vorhaben, das auch im Koalitionsvertrag von 2018 festgehalten ist, als "schädlich".

Die Bundesregierung will ein Gesetz für Mindeststandards für Lieferanten deutscher Unternehmen im Ausland auf den Weg bringen. Nur wenige Firmen hatten diese freiwillig umgesetzt.

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Was können Verbraucher in Deutschland tun?

Sicher herausfinden, ob ein konkretes Produkt durch uigurische Zwangsarbeit hergestellt wurde, ist bislang fast unmöglich. "Man weiß ganz viele Dinge noch nicht und kurzfristig kann man dagegen auch nur wenig machen", betont Schedler.

Er empfiehlt Verbrauchern auf das Siegel für nachhaltige Textilien "Grüner Knopf" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) zu achten. Auf dessen Webseite könne man sich über die zertifizierten Unternehmen und die Kriterien der Vergabe informieren.

Internierungslager in China -
Was steckt hinter der Uiguren-Unterdrückung?
 

Auch deutsche Konzerne produzieren in der chinesischen Region Xinjiang. Vertreter der unterdrückten Uiguren protestieren heute vor der Siemens-Zentrale in München.

von Stefanie Schoeneborn
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