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Weniger Gewinn - Commerzbank dennoch zufrieden

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"2019 besser als erwartet" - Weniger Gewinn - Commerzbank dennoch zufrieden

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Die Commerzbank wird bald 150 Jahre alt - ausgerechnet in ihrem Jubiläumsjahr muss sie allerdings einen Gewinnrückgang vermelden. Das schreckt die Bank jedoch nicht.

Archiv: Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am 08.02.2018
Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.
Quelle: Reuters

"Das Jahr 2019 ist besser gelaufen, als wir das im Herbst erwartet hatten", sagte Vorstandschef Martin Zielke bei der Bilanzvorlage. Die Bank komme bei ihrem Umbau schneller voran als gedacht.

Weil die Kundenzahlen stiegen, legte das operative Ergebnis leicht auf 1,26 Milliarden Euro zu. Doch unter dem Strich stand am Jahresende ein Gewinn von 644 Millionen Euro, ein Viertel weniger als 2018. Das bedeutet für die Aktionäre eine geringere Dividende von 15 Cent je Aktie.

Commerzbank-Chef: Risiken gut im Griff

Der Grund für den Gewinneinbruch: Rückstellungen von gut 100 Millionen Euro für den geplanten Stellenabbau, höhere Steuern und eine gestiegene Risikovorsorge. Die stieg um zwei Fünftel auf 620 Millionen Euro.

Das sei aber kein Grund zu Sorge, meint Zielke, denn die sei vor allem Einzelfällen im Ausland geschuldet. Die Bank habe ihre Risiken gut im Griff. Doch so rutschte das Geldhaus nach Steuern im vierten Quartal sogar in die roten Zahlen.

Verweis aufs operative Privatkundengeschäft

Operativ aber sei es gut gelaufen. Das gilt vor allem für das Privatkundengeschäft: 473.000 neue Kunden hat das Institut netto neu gewonnen. Auch das Kreditvolumen kletterte um etwa 16 Prozent auf 261 Milliarden Euro. Dazu trugen vor allem die Baufinanzierungen bei, die auf ein Rekordvolumen von fast 81 Milliarden Euro stiegen. So konnte sie die Belastungen durch das negative Zinsumfeld kompensieren.

Und die Bank beteiligt ihre Firmenkunden daran. Das habe im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro gebracht. Für das laufende Jahr plant sie zudem "Guthabengebühren" für Einlagen von mehr als 250.000 Euro.

Hatte er bisher eine Rendite auf das Eigenkapital von vier Prozent als realistisch angesehen, rechnet Zielke nun mit mehr. Wie hoch die Rendite ausfallen könnte, das verriet der Commerzbank-Chef nicht. Das habe nichts mit den Erwartungen der Bankenaufseher zu tun.

Trotzdem Boni für die Mitarbeiter

Die EZB-Bankenaufsicht hatte dem Vernehmen nach die geringe Profitabilität des Instituts kritisiert. Trotz des gesunkenen Gewinns sollen die Mitarbeiter aber höhere Boni erhalten. Auf 14.400 bonusberechtigte Mitarbeiter werden Boni in Höhe von 198 Millionen Euro verteilt, knapp 60 Millionen mehr als 2018. Das orientiere sich am operativen Ergebnis sagte Vorstandsmitglied Bettina Orlopp. Damit wolle man ihre Leistungen in dem schwierigen Jahr 2019 anerkennen. Orlopp weiter:

Wir fallen nicht durch Exzesse auf.

Wie optimistisch Vorstandschef Zielke ist, zeigt eines deutlich. Einen Verkauf der polnischen Tochter m-Bank strebt die Commerzbank zwar noch an, aber sie ist offenbar nicht mehr darauf angewiesen.

Der schwierige Verkauf einer "Perle"

Der Hintergrund: Im September hatte die Bank ihre Strategie geändert. Damals hatte sie angekündigt, ihre Direktbank-Tochter Comdirect voll zu übernehmen und einzugliedern. Das wird endgültig nach deren Hauptversammlung Anfang Mai geschehen. 4.300 Stellen werden abgebaut - möglichst sozialverträglich, wie es heißt. Zugleich schafft die Bank auch 2.000 neue Stellen.

Und die bislang als "Perle" geltende polnische Tochter soll verkauft werden, möglichst bis zum Jahresende. Der erhoffte Erlös von etwa zwei Milliarden Euro aus diesem Verkauf soll der Commerzbank helfen, die Restrukturierung zu stemmen. Zugleich soll das Geld auch die dringend notwendigen hohen Investitionen von zusätzlich insgesamt 750 Millionen Euro ermöglichen, von denen die Hälfte in die IT fließen soll.

Interessenten stehen nicht gerade Schlange

In den letzten Wochen aber hatte sich gezeigt, dass die Interessenten für die m-Bank nicht gerade Schlange stehen. Nur einer, nämlich die teilverstaatlichte, zweitgrößte polnische Pekan-Bank, war dem Vernehmen nach übriggeblieben. Die anderen schreckt offenbar zum einen eine mögliche Einmischung der polnischen Regierung in die Belange der m-Bank. Zum anderen belasten auch Kredite in Schweizer Franken in Höhe von gut drei Milliarden Euro. Die drücken die m-Bank, weil der Schweizer Franken stark aufgewertet hat, die polnischen Kunden sich deshalb schwertun, diese Kredite zurückzuzahlen.

"Wir verkaufen nur, wenn wir einen entsprechenden Preis erzielen", bekräftigte Zielke bei der Vorlage der Bilanz, "unsere Kapitalausstattung ist jetzt deutlich besser als im Herbst." Sie ist vom dritten zum vierten Quartal von 12,8 auf nun 13,4 Prozent gestiegen. Vor allem aber ist auch das operative Geschäft besser gelaufen, sowohl mit Firmenkunden als auch mit Privatkunden.

Weiterer Stellenabbau droht

Und auch auf der Kostenseite komme man voran, fügte Bettina Orlopp hinzu, die das Finanzressort jetzt von Stephan Engels übernommen hat, der im April zur skandalgeschüttelten Danske Bank wechselt. Die Kosten sind wie geplant auf 6,8 Milliarden Euro gesunken, 2020 sollen sie weiter sinken. Dabei will die Bank ihren Sparkurs verschärfen.

Denn einen weiteren Stellenabbau schließt die Finanzchefin nicht aus, Details will sie wahrscheinlich mit Vorlage der Quartalsbilanz im August nennen. Mit dem bisher geplanten Beschäftigungsabbau gehe es voran, sagte Orlopp: 40.400 Vollzeitstellen zählte die Bank Ende 2019, Ende des laufenden Jahres sollen bisher weitere 1.400 abgebaut werden.

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