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Raus aus der Führungskrise?

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Commerzbank - Raus aus der Führungskrise?

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Zumindest ein Hindernis hat die Commerzbank aus dem Weg geräumt: Sie hat einen neuen Aufsichtsratschef. Wer das Geldhaus aus der Krise führen soll, das ist jedoch noch offen.

Das Gebäude der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main
Die Commerzbank hat mit Hans-Jörg Vetter einen neuen Aufsichtsratschef.
Quelle: dpa

In seiner Sitzung am Montag hatte der Aufsichtsrat der Commerzbank Hans-Jörg Vetter zu seinem neuen Chef gewählt. Der frühere Vorstandschef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gilt als harter Sanierer. Dort hatte er die Bilanz um 100 Millionen Euro verkleinert und die Kosten radikal gesenkt.

Mit Vetter hat der Bund als größter Aktionär mit 15,6 Prozent damit seinen Kandidaten durchgesetzt gegen den zweitgrößten Anteilseigner, den amerikanischen Finanzinvestor Cerberus.

Der hatte Anfang Juni eine öffentliche Kampagne gegen die Commerzbank-Führungsspitze gestartet. Die Pläne für den Konzernumbau seien zu wenig ambitioniert. Weil diese Vorwürfe auch von anderen Investoren geteilt wurden - abzulesen am sinkenden Aktienkurs - hatten sowohl Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann als auch Vorstandschef Martin Zielke ihre Rücktritte angekündigt.

Die Anleger sehen verschiedene Schwachpunkte bei der Commerzbank:

Die wirtschaftliche Lage:

Die Erträge erodieren: "Die Zinsen sind niedrig, sie muss im Grunde genommen zwanghaft ständig neue Kunden gewinnen kommen, um neues Geld zu verdienen", analysiert Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das aber ist aus Sicht von Beobachtern auf Dauer nicht erfolgversprechend.

Das Filialgeschäft wird zum Auslaufmodell:

Anders als die meisten Wettbewerber wollte die Commerzbank zweigleisig fahren, also die Bank digitalisieren, gleichzeitig aber möglichst viele Zweigstellen beibehalten. Inzwischen rückt man davon ab, so soll offenbar knapp die Hälfte der aktuell noch 1.000 Filialen geschlossen werden.

Die Commerzbank hat zu viele Mitarbeiter:

In den letzten Jahren hat die Bank zwar schon viele Stellen gestrichen - zwischen 2010 und 2019 fast 10.000. Weitere 4.300 Jobs sollten nach den Plänen vom Herbst brutto eingespart werden. Das dürften wohl immer noch zu wenige sein, vor allem wenn die Bank ihr Filialnetz weiter verkleinert.

Die Commerzbank verliert an Profil:

Ausgerechnet die "Mittelstandsbank" hat beim letzten Vorstandsumbau das Ressort "Mittelstand" gestrichen - angeblich wegen interner Querelen. "Sie ist in Deutschland präsent, einem Land mit sehr starkem Mittelstand, mit vielen Unternehmen, die auch sehr stark über Banken finanzieren. Da sollte sie ihr Profil wieder schärfen, klarmachen, dass das die Hauptzielgruppe ist, mit der sie arbeitet", meint Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft der Universität Hohenheim.

Das Gebäude der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main

Sondersitzung des Aufsichtsrats -
Commerzbank auf der Suche nach neuer Führung
 

Wie weiter in der Führungskrise der Commerzbank? Heute berät das angeschlagene Institut über gleich zwei Spitzenpositionen. Der künftige Vorstand steht vor harten Entscheidungen.

Vetter muss Zielke-Nachfolger finden

Die vordringliche Aufgabe des neuen Chefkontrolleurs wird es nun also sein, einen Nachfolger für Zielke zu suchen. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten die Vorstandsmitglieder Bettina Orlopp, die das Finanzressort verantwortet, als auch Roland Boekhout, der seit Jahresanfang das Firmenkundengeschäft leitet.

Boekhout war zwischen 2010 und 2017 Chef der ING-Diba und danach in der Führung der Mutter tätig, der niederländischen ING Groep.

Commerzbank drohen Kreditausfälle durch Corona-Krise

Erst wenn ein neuer Vorstandschef gefunden ist, kann auch die Strategie geschärft werden. Die sollte eigentlich an diesem Mittwoch verkündet werden, doch die neue Führung dürfte selbst Akzente setzen wollen. Und da gibt es einiges zu tun, damit das Institut den Anlegern wieder neue Perspektiven eröffnen könne, meint Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Denn die Lage verschärfe sich wegen der Corona-Krise weiter, es drohten Kreditausfälle. Unter anderem dürfte die Commerzbank auch die Pleite des Zahlungsdienstleiter Wirecard hart treffen, einen Kredit von 200 Millionen Euro muss sie wohl abschreiben.

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