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AOK-Krankenhausreport - Drei Lehren für Kliniken in der Krise

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Ist der Kampf der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie optimal organisiert? Eine Studie legt dazu neue Daten vor und zeigt: Es gibt noch Luft nach oben.

Nordrhein-Westfalen, Essen: Medizinisches Personal der Uniklinik Essen versorgt einen Covid-19 Patienten auf der Intensivstation.
Auf den Intensivstationen liegen zunehmend auch jüngere Patienten mit schweren Krankheitsverläufen. (Symbolbild)
Quelle: epa

Der Krankenhausreport der AOK zeigt ein realistisches Bild dessen, wie die Corona-Krise in Deutschland verlaufen ist und medizinisch bekämpft wurde. Und er zeigt auch: Behandlungsmöglichkeiten und Wissensstände sind heute anders als noch im März 2020.

Ein Blick auf die steigende Zahl der Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen zeigt: Die Betten werden wieder knapper. Muss sich die Strategie der Kliniken ändern, um die neue dritte Welle zu überstehen?

Der AOK-Krankenhausreport liefert Erkenntnisse von der häufig so genannten "Frontline", den Intensivstationen. Von Januar 2020 bis Januar 2021 sind Daten der ersten und zweiten Welle enthalten. Daraus lassen sich laut Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), drei Lehren ziehen, die Verbesserungspotenzial aufzeigen:

1. Beatmungsausstattung und -Erfahrung nicht überall ausreichend

18 Prozent der in der Studie berücksichtigten Covid-19-Fälle, die eine Beatmung benötigten, wurden laut Bericht in Kliniken mit unterdurchschnittlicher Beatmungs-Erfahrung behandelt. Hier sieht Klauber noch Optimierungsbedarf und fordert einen flächendeckenden Stufenplan.

Zuerst sollten die Kliniken mit Maximalversorgung mit Covid-19-Behandlungen betraut werden. "Und dann gilt es, die Krankenhäuser, je mehr Betten man braucht, nach der Erfahrung zuzuschalten in der Versorgung", fordert der Experte.

Einen solchen Stufenplan gibt es beispielsweise in Berlin. Hier sind Notfallkrankenhäuser und Notfallzentren zur Covid-19-Behandlung in drei Level aufgeteilt. Level 1 und 2 übernehmen dabei "vorrangig die intensivmedizinische Behandlung von an Covid-19 erkrankten Patientinnen und Patienten", heißt es in der entsprechenden Verordnung.

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2. Schwere Krankheitsverläufe auch bei Jüngeren

Die Auswertungen laut Bericht zeigen, dass Covid-19 zu schweren Krankheitsverläufen führen könne, die auch Jüngere betreffen. Seit Januar 2020 waren ein Viertel der Patientinnen und Patienten, die beatmet werden mussten, jünger als 60 Jahre. Auch die Beatmungsquote liegt bei Jüngeren höher, 60- bis 79-Jährige müssen in 22 Prozent der stationär behandelten Covid-19-Fälle beatmet werden, bei den über 80-Jährigen sind es 11 Prozent.

Angesichts steigender Infektionszahlen in der dritten Welle rechne man damit, dass sich die Intensivstationen schnell mit noch nicht geimpften Menschen mittleren Alters füllen könnten.

"Die Gefahr, dass die Intensivstationen schnell volllaufen ist sehr hoch, weil wir sehr viele jüngere Patienten mit hohen Beatmungsquoten und längerer Beatmungsdauer haben", sagt Klauber.

Mediziner warnen vor einem Überlaufen von Intensivstationen.

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3. Weniger Behandlungen bei Herzinfarkt und Schlaganfall

Die Zahl der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Behandlungen ist laut Bericht in der ersten und zweiten Welle jeweils zurückgegangen. Ärzteteams hätten darauf hingewiesen, dass Patientinnen und Patienten gehäuft "verspätet und mit fortgeschrittener Schädigung des Herzens" in den Kliniken eintreffen, erklärt Klauber.

Das sei ein Anlass zur Sorge, ebenso wie die Rückgänge bei den Behandlungen von Krebserkrankungen, so Klauber. Menschen, die Symptome eines Schlaganfalls oder Herzinfarktes bei sich wahrnehmen, "sollten sich nicht scheuen, sofort den Rettungsdienst zu alarmieren und sich in ärztliche Behandlung zu begeben". Auch Krebs-Früherkennungsuntersuchungen sollten weiter wahrgenommen werden.

Klauber fordert, dass Krankenhäuser und Kliniken individuell nach ihren jeweiligen Kompetenzen eingesetzt werden sollten. Durch ein solches Stufenplan-Konzept könne auch die Covid-19-Versorgung und die Versorgung anderer Erkrankungen nebeneinander leichter organisiert werden.

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