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Interview

Berufsstart in der Pandemie : Generation Corona: "Effekt leider eindeutig"

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Wer unter Corona-Bedingungen ins Berufsleben startet, hat es doppelt schwer. Und die Nachteile werden nicht nur vorübergehend sein, erklärt Arbeitsmarktexperte Stefan Sell.

makro: Es ist nicht lange her, da beklagten alle den Fachkräftemangel. Legt die Corona-Krise gerade den Grundstein für einen Fachkräftemangel 2.0?

Stefan Sell: Der vor Corona in einigen Branchen klar erkennbare Fachkräftemangel wird sich massiv verstärken. Nur ein Beispiel: Allein in den knapp zehn Jahren zwischen 2010 und 2019 - dem Jahr vor Corona - ist in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Tourismus und Einzelhandel jeder dritte Ausbildungsvertrag weggebrochen. Bei den Köchen waren es über 45 Prozent weniger. Und gerade in diesen Bereichen hat die Corona-Krise überdurchschnittlich reingehauen. Man kann erwarten, dass die Unternehmen hier weiter überaus restriktiv auf Sicht fahren müssen.

In manchen Branchen reden wir im vergangenen Ausbildungsjahr von Einbrüchen in der Größenordnung von 30 und mehr Prozent als im Jahr vor Corona, während sich andere Branchen nicht verschlechtert haben. Also auch hier muss man differenziert hinschauen.

Für dieses Jahr gehen wir bereits von einem weiteren zusätzlichen Rückgang der Ausbildungsplätze insgesamt von mehr als zehn Prozent aus. Das wäre ein zweiter, schwerer Schlag für ein bereits vor Corona in den Seilen hängendes Ausbildungssystem.

Und wir dürfen nicht nur die reinen Zahlen sehen: Denken Sie an die vielfältigen ganz praktischen Probleme, die junge Menschen haben, die bereits in der Ausbildung waren, als Corona über uns kam - und die seit einem Jahr unter unmöglichen Bedingungen ihre Ausbildung zu beenden versuchen. Hier wird es zwangsläufig erhebliche Qualitätsprobleme geben. Das gilt auch für viele Studierende, die seit einem Jahr keine Hochschule mehr von innen sehen und mit anderen Menschen gemeinsam arbeiten konnten.

makro: Die Bundesregierung hat allerhand Überbrückungsmaßnahmen beschlossen, um Azubis die Ausbildung zu retten, zum Beispiel Ausbildungsprämien für Unternehmen. Was taugen diese Maßnahmen in der Praxis?

Sell: Eine klare Antwort: Leider bislang nicht viel bis gar nichts. Wir haben ja seit dem Sommer des vergangenen Jahres das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern".

Hört sich gut an, leidet aber unter einem typisch deutschen Konstruktionsproblem: Zu klein dimensioniert und dann auch noch so voraussetzungsvoll, dass viele Betriebe die Leistungen gar nicht in Anspruch nehmen. Man hätte angesichts des schweren Schlags für wichtige Teile des dualen Berufsausbildungssystem klotzen statt kleckern müssen.

makro: Werden die Folgen der Corona-Krise für Berufseinsteiger temporär sein oder von Dauer?

Sell: Die bisherigen Befunde aus der Forschung zeigen, dass die negativen Folgen für Berufseinsteiger nicht nur vorübergehend, sondern gemessen an den zu erwartenden Lebenseinkommen dauerhaft sein werden.

Ein möglicher Trost könnte darin bestehen, dass die weniger werdenden jungen Menschen heute auf Arbeitsmärkte stoßen, in denen aufgrund der anstehenden Verrentungswelle bei den geburtenstarken Jahrgänge die eigene Marktposition deutlich besser ist als früher - sodass es dadurch vielleicht zu schnellen Verbesserungen kommen wird.

Das Interview führte Carsten Meyer.

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