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Exportstopp und Problem-Fabriken - Warum Astrazeneca weniger Impfstoff liefert

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Erneut kürzt Astrazeneca seine Impfstoff-Lieferzusage an die EU. Dem Hersteller fehlen Rohstoffe aus den USA und reibungslos funktionierende Werke in der EU.

Ab dem kommenden Jahr will sich Deutschland selbst mit Impfstoff versorgen können und hierfür die Produktion ausbauen. Währenddessen kündigt AstraZeneca erneut Lieferkürzungen an.

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Wegen drastischer Lieferprobleme des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca stoppt Thüringen vorerst die Terminvergabe für Impfungen und verschiebt den Start von Impfungen bei Hausärzten.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bezeichnete die angekündigte Lieferkürzung am Samstag als "absolut inakzeptabel".

Astrazeneca liefert weniger als die Hälfte der zugesagten Dosen

Der Hersteller Astrazeneca hatte am Freitag angekündigt, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern. Der Konzern begründete dies unter anderem mit Exportbeschränkungen.

EU-Ratschef Charles Michel hatte am Dienstag kritisiert, die USA und Großbritannien hätten "eine regelrechte Sperre verhängt für den Export von Impfstoffen oder Impfstoff-Komponenten". Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) monierte, dass in den vergangenen Monaten "bestimmte Produkte die USA nicht verlassen haben".

Dutzende Millionen Impfdosen warten in den USA

Die "New York Times" berichtete, dass sich Millionen ungenutzte Dosen des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca in den USA angesammelt hätten, wo das Mittel keine Zulassung hat. Allein 30 Millionen Impfdosen seien bereits in einer Anlage im Bundesstaat Ohio abgefüllt, weitere Dutzende Millionen Dosen in einem Labor in Maryland produziert worden, schrieb die Zeitung.

Unter US-Präsident Donald Trump haben die USA den sogenannten Defense Production Act aktiviert, um in der Pandemie notwendige Güter schneller produzieren zu können. Der Export von Ausgangsstoffen wird so deutlich erschwert. Die aktuelle US-Regierung setzt diese Politik fort.

Nicht nur der EU bereitet das Kopfzerbrechen: Adar Poonawalla, Geschäftsführer des weltgrößten Impfstoff-Herstellers, Serum Institute of India, sagte am 4. März, dass die bevorzugte Versorgung von US-Firmen gegen das Ziel einer global gerechten Verteilung sei. Seine Firma wolle bald mit der Massenfertigung des Novavax-Impfstoffs beginnen und sei auf die Lieferungen aus den USA angewiesen.

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Verzögerungen bei Astrazeneca-Partnern in der EU

Wegen des enormen Bedarfs gehen viele Impfstoff-Hersteller kurzfristige Kooperationen mit anderen Unternehmen ein. Astrazeneca beauftragte etwa mehrere Firmen in den USA und der EU mit der Fertigung ihres Impfstoffs – und setzte dabei wohl teilweise auf unglückliche Partner.

Ein beauftragtes Werk des Herstellers Novasep im belgischen Seneffe hat seit Monaten mit Fertigungsproblemen zu kämpfen und war bereits für Lieferkürzungen von Astrazeneca im Januar mit verantwortlich. Die dort eingesetzten Zell-Kulturen sollen weniger ergiebig bei der Vakzin-Herstellung sein als erhofft.

Die "Financial Times" berichtet, dass auch ein zweiter Astrazeneca-Partner, der niederländische Halix-Konzern, noch keine einzige Impfdosis an die EU ausgeliefert habe. Dort soll das Problem bei fehlenden Zulassungen durch die EU liegen. Es seien noch nicht alle notwendigen Papiere vorgelegt worden.

Das Werk in der Stadt Leiden soll eigentlich jeden Monat Impfstoff für fünf Millionen Astrazeneca-Dosen für die EU herstellten. Ein Teil davon werde aktuell bereits produziert, dürfe aber wegen der ausstehenden Genehmigung noch nicht ausgeliefert werden, so die "Financial Times".

Mehrere Staaten haben ihre Astrazeneca-Impfungen derzeit als Vorsichtsmaßnahme ausgesetzt. Experten sehen aber bislang keine belegbare Gefahr:

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