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Trotz oder wegen Corona? - Boni für Banker fließen kräftig weiter

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Die Banken sollten ihr Geld zusammenhalten in der Corona-Krise. Doch einige Institute denken schon wieder über die Ausschüttung von Boni für ihre Mitarbeiter nach.

Archiv: Eine Person übergibt Geldscheine an eine andere Person. Berlin, Deutschland. 02.08.2016
Auch wenn viele Banken derzeit darauf achten, ihre Schäfchen im Trockenen zu halten, werden Boni an Mitarbeiter weiter gezahlt.
Quelle: imago

Viele Vorstände von Kreditinstituten freuen sich: Sie seien bisher Teil der Corona-Krisenlösung - anders als in der Finanzkrise. Ihre Kreditvergabe an die gewerbliche Wirtschaft haben sie nicht eingeschränkt. Doch bleibt das so?

Andrea Enria, Chef der EZB-Bankenaufsicht, ermahnt die Institute, ihre Risikovorsorge aufzustocken und sich für schlechtere Zeiten zu rüsten. Denn erst in den kommenden Monaten dürfte sich zeigen, ob eine Insolvenzwelle droht, ob die Geldhäuser also ausreichend Kapital dafür bereithalten, wenn Kredite nicht zurückgezahlt werden können.

Bankenaufsicht: Keine Dividenden ausschütten

Und nicht nur das: Die Bankenaufsicht empfiehlt den Banken auch, auf die Ausschüttung von Dividenden möglichst zu verzichten. Bei der Vergütung ist zwar nach den Exzessen bis zur Finanzkrise vieles geregelt worden. Auch hier gilt die Empfehlung, die variable Vergütung möglichst nach hinten zu verschieben.

Ob die Ausschüttung von Boni da in die Zeit passt, ist fraglich. Sie darf zumindest das Kapital nicht strapazieren, das die Banken zur Krisenbewältigung möglichst reichlich vorhalten sollten.

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Dennoch ist bisher zumindest von der Deutschen Bank bekannt, dass sie ihre Investmentbanker gern für das überraschend gute Geschäft im Corona-Jahr belohnen möchte. Das hatte Finanzvorstand James von Moltke im Dezember angedeutet.

1,8 Milliarden Euro hat die Bank dafür angeblich zurückgestellt. Denn die Investmentbanker haben auch 2020 wieder – fast wie früher – den Großteil der Bank-Gewinne beigesteuert.

Mit großzügigen Boni die Mitarbeiter halten

Die Begründung lautet auch dieses Mal: Man müsse so versuchen, die Mitarbeiter zu halten, ansonsten sei das Risiko zu hoch, dass sie zur Konkurrenz abwanderten.

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Eine Dividende will die Bank für 2020 nicht zahlen. In Zeiten, in denen die Aktionäre litten, müsse die Bank mit dem Bonus für Investmentbanker besonders vorsichtig sein: "1,8 Milliarden Euro – das ist nicht der 'goldene Mittelweg', der jetzt angebracht wäre", meint der Bankenexperte.

In regulären Geschäftsjahren werde etwa ein Fünftel des Gewinns als Boni ausgeschüttet, heißt es bei der Unternehmensberatung hkp. In den ersten neun Monaten 2020 erwirtschaftete die Deutsche Bank einen Gewinn von 846 Millionen Euro vor Steuern. Nach Steuern blieben 435 Millionen Euro übrig.

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Viele Bank-Vorstände verzichten auf Boni

Ob auch andere Banken über die Ausschüttung von Boni an ihre Mitarbeiter nachdenken, das ist noch nicht klar. Darüber entscheiden sie erst bis März. Immerhin, das haben die Vergütungsexperten der hkp group herausgefunden, verzichten einige Vorstände auf Boni - auch die der Deutschen Bank.

Die Chefetage der spanischen Banco Santander verzichtet ebenfalls, ebenso die Vorstände der italienischen Unicredit oder der britischen HSBC als auch der Standard Chartered. Sie alle wollen zudem für 2020 nichts an die Aktionäre ausschütten.

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In den USA hat die Citigroup angekündigt, die Boni für Dutzende ihrer Top-Führungskräfte zu reduzieren – wie stark, das ist noch nicht bekannt. Damit will das Geldhaus offenbar die Aufseher besänftigen. Deren Vorwurf lautete, dass die Risikomanagementsysteme nicht ordentlich gepflegt worden seien.

Die Vergütungsberater der hkp group halten es jedenfalls für angemessen, in einem Krisenjahr wie 2020 Rücklagen zu stärken, also Dividenden und Boni nicht auszuschütten. Schließlich müssten die Banken die Krise überstehen. Nicht zu vergessen: Die Branche steht auch noch vor großen Herausforderungen durch die Digitalisierung und die quirlige Konkurrenz der Finanz-Start-Ups. Da sollte sie ihr Geld wohl besser zusammenhalten.

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